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Neustart an Schulen

Karlsruher Schüler werden nach Corona-Pause mit Regeln überflutet

Mit Spannung sind Familien mit Schulkindern in den ersten Tag nach den Pfingstferien gestartet. Doch zu Beginn der Woche sitzen bei weitem nicht alle Karlsruher Schulkinder und Heranwachsenden wieder in den vertrauten Klassenzimmern.

In den Pausen, auf den Fluren und auf dem Schulgelände müssen die Schüler Alltagsmasken tragen. Foto: Etzold

Mit Spannung sind Familien mit Schulkindern in den ersten Tag nach den Pfingstferien gestartet. Erstmals seit dem plötzlichen Einschnitt Mitte März gibt es seit diesem Montag, 15. Juni, im Prinzip wieder Unterricht in der Schule für alle Karlsruher Heranwachsenden. Doch zu Beginn sitzen längst nicht alle Mädchen und Jungen wieder in den vertrauten Klassenzimmern.

Carolin Feld hat ihren Sohn Maximilian vor der Oberwaldschule in Durlach-Aue abgesetzt. Der Neunjährige aus Stupferich trabt fröhlich auf einen Klassenkameraden zu. Zwei Mädchen mit dicken Schulrucksäcken stehen schon vor der dunkelroten Haupttür des historischen Schulbaus. Die Klinke drücken sie um 7.30 Uhr aber noch vergeblich. Die Tür ist abgeschlossen.

Alle Kinder bleiben dort wie an vielen anderen Karlsruher Schulen erstmal im Freien, bis die Lehrerin oder der Lehrer die jeweilige Gruppe ins Gebäude holt.

Normalem Schulalltag gleicht die Wirklichkeit noch wenig. Drei Schulstunden am Morgen, dann ist für den Drittklässler Maximilian und seine Freunde schon wieder Schluss. Zwei Wochen Schule, an den übrigen Tagen wieder wie bisher zu Hause Aufgaben erledigen: So oder so ähnlich sieht für viele Familien bis zu den Sommerferien das Programm aus.

Kinder mit und ohne Maske

Kinder mit und ohne Maske mischen sich auf dem Schulhof in Aue. "Ich habe meinem Sohn nochmal die Regeln eingeschärft", erzählt die Mutter eines Zehnjährigen. Heute, am ersten Tag, ist sie den kurzen Schulweg mitgegangen. Künftig sei ihr Junge aber stark auf sich gestellt. "Ich wecke ihn, bevor ich zum Schichtdienst gehe. Er macht sich dann allein fertig. Damit er rechtzeitig losgeht, rufe ich ihn dann nochmal an." Sorgt sich die Mutter wegen des Ansteckungsrisikos? "Ich bin skeptisch", sagt sie.

Viele Vorkehrungen sind überall getroffen, damit am Montag erstmals Schüler jeden Alters wieder in die Klassenzimmer zurückkehren und dennoch Hygiene- und Abstandsregeln einhalten können. Vor dem Fichte-Gymnasium wächst die Schar der jüngeren und älteren Schüler gegen 9.30 Uhr von Minute zu Minute.

Vor dem Fichte-Gymnasium machen Leonard Sperling (links), Ida Dinter und Lucas Welte Pause zwischen zwei Unterrichtseinheiten. Foto: ke

Dass "die Kleinen" jetzt auch wieder ins Fichte-Gymnasium kommen, bedeutet für die angehenden Abiturienten Lucas Welte und Leonard Sperling einen spürbaren Unterschied. "Es ist auffällig mehr los", finden die Gymnasiasten der Kursstufe eins, die seit Mitte Mai wieder ins Klassenzimmer kommen. Zwei Stunden Biologie hatten sie an diesem Morgen schon auf dem Stundenplan.

Maske ist Pflicht am "Fichte", wer keine hat, kann sie im Sekretariat für fünf Cent bekommen. Lehrer kontrollieren das, ein pinkfarbenes Plakat auf einer Litfass-Säule erinnert auffällig daran. "Die Klassenstufen starten alle zu verschiedenen Zeiten, eigentlich sollten daher nicht viele gleichzeitig vor der Schule sein", sagt Welte. Es läute nicht mehr zur Pause, und die Erholungszeit verbringen die Klassen auch nicht im Schulhof, sondern gemeinsam mit dem Lehrer oder der Lehrerin im Klassenzimmer, berichtet er.

Linien, Richtungspfeile und ein Monitor

Regeln über Regeln, das ist spätestens auf den zweiten Blick zu erkennen und am ersten Schultag der neuen Öffnungsphase vielleicht das Auffälligste. Vielerorts sind Linien und Richtungspfeile aufgemalt oder gesprüht. In der Walter-Eucken-Schule zeigt ein Monitor abwechselnd Signets zu Abstandsregel und Maskenpflicht.

Für viele Mädchen und Jungen ist es der erste echte Schultag nach einem Vierteljahr Zwangspause. Laut ruft ein Junge einem Mitschüler zu: "Keine Ahnung, ich bin seit acht Wochen zum ersten Mal wieder in der Schule." Wie ihm geht es vielen. Eine Gruppe Kinderpflegerinnen in Ausbildung warten vor der Elisabeth-Selbert-Schule auf ihre Lehrerin. Die Flure sind beleuchtet, doch viele Klassenzimmer bleiben dunkel.

Ida Dinter hat trotz der vielen Ausnahmeregeln derzeit einen ganz guten Überblick. Die 18-Jährige bereitet sich nämlich am Goethe-Gymnasium aufs Abitur vor, besucht aber aufgrund einer Kooperation den Leistungskurs in Gemeinschaftskunde am Fichte-Gymnasium. So kann sie die Corona-Vorbeugungsmaßnahmen an beiden Schulen miteinander vergleichen.

"Wir haben jetzt eine Maskenpflicht, weil sich vorher zu wenige Schüler freiwillig daran gehalten haben", erzählt Ida Dinter. Während den Fichte-Gymnasiasten verboten ist, um die Ecke einzukaufen, gebe es diese Einschränkung am Goethe-Gymnasium nicht. Dort habe man den Schülern auch den Wasserhahn nicht abgedreht: "Bei uns sind die Trinkwasserbrunnen offen."

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Die angehenden Kinderpflegerinnen am Eingang der Schule an der Steinhäuser Straße passen jedenfalls auf, kein unnötiges Risiko einzugehen. "Irgendwie muss das ja wieder gehen", sagt eine der jungen Frauen. "Ich habe aber Bedenken, dass es wieder losgeht, wenn sie die Vorgaben schnell lockern", sagt eine andere.

Die Lehrerin tritt vor die Tür. "Wie geht es Euch?", ist ihre erste Frage. "Ich drücke Euch alle mit Worten." Dann geht sie der Klasse voraus ins Klassenzimmer.

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