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Presse läuft auf Hochtouren

Zu Besuch auf dem Obsthof: Aus Äpfeln werden in Söllingen Saft und Most

Auf dem Söllinger Obsthof Wenz fließen zurzeit Tausende Liter Apfelsaft in Saftpakete. Die Apfelernternte fällt jedoch eher bescheiden aus.

Friedhelm Wenz (links) vom gleichnamigen Obsthof sorgt für Nachschub. Vom Korb kommen die Äpfel auf ein Förderband. Foto: Klaus Müller

Der Apfelgeruch setzt sich schnell in der Nase fest. Ein angenehmer Geruch. Frisch und irgendwie saftig. Die zuvor grob gereinigten und sortierten Äpfel laufen über ein Förderband. Sie werden gewaschen und landen anschließend in einem Häcksler. Dann folgt der entscheidende Schritt: Die Apfelmasse wird gepresst. Immer wieder. Zum Abschluss wird der naturtrübe Saft pasteurisiert und in Fünf-Liter-Kartons abgefüllt.

Friedhelm Wenz, der gemeinsam mit seiner Frau Petra die Geschicke des gleichnamigen Obsthofs bei Söllingen lenkt, schaut sich das Prozedere immer wieder an. Ab und zu greift er in das Geschehen ein. Er sortiert Äpfel aus, sorgt für Nachschub und befüllt den frischgepressten Saft in die dafür vorgesehenen – wie er es nennt – Saftpakete. Der eigentliche Pressvorgang geschieht mittels Bankpresse. „Die schafft gut eineinhalb Tonnen Anpressdruck“, erläutert Wenz.

Nein, es wird nicht einfach nur gepresst, bis aus den Äpfeln kein Tropfen mehr herauskommt. „Das wäre für den Geschmack des Safts nicht gut. Würde man alles rauspressen, gäbe es zu viele Gerbstoffe. Die will niemand im Saft haben.“

65 bis 70 Prozent Flüssiges soll aus den Äpfeln herausgepresst werden. Dass bedeutet aber nicht, dass der Rest zu Abfall wird. „Wir verwerten alles“, sagt der Obstbauer. Der Trester, das sind die Rückstände einer Pressung, wird als Tierfutter genutzt. Oder er dient im Winter als Auflage für Böden in den umliegenden Obstplantagen.

Obst von Streuobstwiesen landet häufig in der Presse

Auf dem Obsthof wird nicht nur eigenes Obst, hierbei vor allem Äpfel, gepresst. „Bei uns kann auch angeliefert werden“, sagt Wenz. Davon werde reichlich Gebrauch gemacht. Gerade in Zeiten von Corona entdeckten die Leute wieder vermehrt die Natur – und den Apfelsaft von Äpfeln ihres Streuobstbaums.

Gemeinden bieten zudem die Möglichkeit, Streuobstbäume gegen geringes Geld zu erwerben. Die Ernte kann dann auf dem Kuchen landen, kann im Winter als Vitaminergänzung Schnupfen vertreiben oder eben als Saft oder Schorle den Durst löschen. Allerdings gibt es laut Wenz immer weniger Streuobstwiesen.

Ob das wieder etwas aufgeflammte Interesse an der Bewirtschaftung solcher die Landschaft prägenden Wiesen von Dauer ist, muss sich zeigen. Anfängliche Euphorie kann auch schnell verpuffen. Zumal Schnitt, Pflege und Ernte durchaus einen gewissen Aufwand mit sich bringen.

Apfelsäfte schmecken unterschiedlich

A propos Ernte: Wie sieht es dieses Jahr damit aus? „Eher bescheiden“, bilanziert Wenz. In einem durchschnittlichen Jahr werden auf seinem Hof rund 150.000 Liter Apfelsaft gepresst. Diesmal seien es nur um die 80.000 Liter. Das Gros der Äpfel landet im Obsthof nicht in der Presse, sondern im Verkauf.

Mögen Apfelsaft und Co noch so lecker schmecken, einen „echten“ Apfel können sie allein schon wegen der Vitamine nicht ersetzen, die er enthält. Und beim Saft rät Wenz zum naturtrüben. In dem befinden sich ganz feine Zellteilchen. Die tun durch ihre reinigende Wirkung dem Darm gut.

Zurück zur Ernte. „Diesmal waren wir viel früher dran. Zwei bis drei Wochen.“ Ohnehin habe sich der Vegetationszyklus verändert. „Er beginnt früher und endet später“, meint Wenz. Besonders am Anfang der Vegetation bestehe vermehrt das Risiko von Frostschäden, ganz zu schweigen von den langen Trockenperioden der vergangenen Jahre.

Und zu guter Letzt: Ja, Apfelsäfte schmecken unterschiedlich. Manche gibt es als Cuvée (Mischung) andere als Ein-Sorten-Saft aus Tafeläpfeln. Was das angeht, hat Wenz einen Geheimtipp. Der Vincent ist für ihn der „Porsche“ unter den Äpfeln – in flüssiger und fester Form.

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