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Polizei setzt Betreuer fest

101 Pflegekräfte stranden zeitweise auf Baden-Airpark

Unverständnis und Verzweiflung spiegeln die Gesichter der auf dem Baden-Airpark festgesetzten Seniorenbetreuer aus Rumänien: Ein Betreuungsservice brachte die 101 Mitarbeiter per ausserplanmäßigem Charterflug auf den badischen Airport.

Baden Air Foto: Margull

Nach der Landung zeichnet sich in den Gesichtern der rumänischen Fluggäste Ratlosigkeit und teilweise Verzweiflung ab: Nach einem verpatzten Start wegen eines defekten Flugzeugs endlich in Deutschland gelandet, werden sie von den Beamten der Bundespolizei empfangen und dürfen das Ankunftterminal auf dem Baden-Airpark nicht verlassen.

Der Flug wurde durch einen Essener Pflegedienstleister organisiert und endete für die Passagiere wegen fehlender Quarantäne-Unterkünfte abgeschottet in einem stillgelegten Terminal.

Update, 17.15 Uhr: Die gestrandeten Pfleger dürfen jetzt den Flughafen verlassen. Die Bundespolizei teilte mit, dass nun zwischen Pflegedienstleitung, zuständigen örtlichen Behörden sowie den jeweiligen Sozialministerin der betreffenden Bundesländer die Einhaltung der Quarantäne-Bestimmungen sicher gestellt sind. „Das hat selbstverständlich eine gewisse Zeit gedauert“, erklärte ein Sprecher der Bundespolizei gegenüber den BNN.

Viel Zeit, Kosten und administrativer Aufwand führten im Endeffekt nur in eine Sackgasse: Die exakt 101 rumänische Betreuerinnen und Betreuer landeten per außerplanmäigem Charterflug mit einem Ersatzflugzeug am späten Donnerstagabend auf dem Baden-Airpark in Söllingen und wurden dort kurzerhand festgesetzt.

„Ohne Nachweis einer gebuchten Unterbringung für die Dauer einer zweiwöchigen Quarantäne ist keine Einreise möglich“, bestätigte ein Sprecher der Bundespolizei den BNN.

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Einreise über Ungarn geht nicht

In Zusammenhang mit dem Gesundheitsamt wurde überprüft und erkannt, dass die verschärften Bestimmungen wegen der Corona-Pandemie in diesem Fall nicht eingehalten werden. „Corona hat uns bei der Versorgung unserer Betreuungs-Clientel große Schwierigkeiten bereitet. Normalerweise befördern wir unsere Betreuungskräfte per Transit über Ungarn.

Aber derzeit funktioniert die Einreise via Ungarn mit Kleinbussen nicht sicher. Um jedoch unsere Betreuungs-Verpflichtungen einzuhalten, haben wir nun die Beförderung per eigens geordertem Charterflug in die Hand genommen“, schildert Promedica-Geschäfsführer Peter Blassnigg bereits im Vorfeld der Aktion gegenüber den BNN.

Das Flugzeug ist defekt

Die Einreisegeschichte beginnt mit einer Panne: „Das wird erstmal nichts. Das Flugzeug ist defekt. Bis ein Ersatzflieger kommt, dauert es“, räumt der Promedica-Geschäftführer am Donnerstag zum geplanten Ankunftstermin um 19 Uhr vor Ort auf dem Airpark ein. Schließlich taucht die Maschine kurz nach 21 Uhr am Himmel auf und landet auf dem Rollfeld. Aber aus der zügigen Abwicklung in der leeren Ankunfthalle wird nichts.

Polizei riegelt Terminal  ab

Die Bundespolizei macht das Terminal sofort dicht und setzt die angekommenen Rumänen fest. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand und werden auch dafür eine Lösung finden“, stimmt sich Promedica-Geschäftsführer Peter Blassnigg Stunden später am Freitagmorgen weiter zuversichtlich.

Die Frage nach der Quarantäne bereitete ihm bei einem Gespräch im Vorfeld der Einreise schon Sorgen: „Wir haben etliche Kontakte mit unterschiedlichen Gesundheitsämtern. Unsere Leute betreuen Senioren in sieben Bundesländern. Da schlägt der Föderalismus voll zu, denn keiner will eine Entscheidung treffen“, formulierte Blassnigg.

Angst vor Corona-Infektion

Der Dienstleister setzt in Deutschland insgesamt 8.000 Kräfte ein, die rund 4.000 Kunden betreuen. „Wir unterhalten eigene Regionalbüros in Polen, Bulgarien und Rumänien, die in der häuslichen Betreuung von Senioren eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um fest Angestellte und damit versicherte Personen, die nach sogenannten A1-Entsendungsrichtlinien alle drei Monate das Recht auf Heimurlaub haben“, setzt er auseinander.

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie haben Medienberichten zufolge viele Betreuungskräfte aus Angst vor Ansteckung den Weg nach Hause gewählt. „Das waren hauptsächlich schwarz arbeitende Anbieter“, meint der Promedica-Geschäftsführer.

Unterschied zu Erntehelfern

Mit Hinweis auf die Praxis bei eingereisten Erntehelfern ist man offenbar von einer pragmatischen Vorgehensweise ausgegangen. „Die Erntehelfer werden vom entsprechenden Landwirt auf dem Airpark abgeholt und dieser garantiert für die Dauer von zwei Wochen, dass die eingereisten Personen den Hof nicht verlassen, was die zuständigen Behörden auch überprüfen“, erläuterte Airpark-Chef Manfred Jung gegenüber den BNN.

Nach dem langen Aufenthalt an dem von der Bundespolizei abgeriegelten Ort auf dem Airpark warten Geschäftsführer Peter Blassnigg und seine rumänischen Mitarbeiter auf eine Entscheidung der Behörden, die auch nach Mittag noch nicht gefallen ist. „Wir haben die Unterbringung in der Region angeboten, damit sie vor der Weiterreise die Quarantänebestimmungen erfüllen können.“

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