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Pro & Kontra

Tinder: Taugt die App fürs Liebesglück oder ist sie zu unpersönlich?

Es wurden Herzen vergeben, wie gebrochen: Die Dating-App Tinder feiert mittlerweile zehnjähriges Bestehen. Was kann die Partnervermittlungs-App wirklich?

Ein App-Icon der App Tinder auf dem Smartphone.
Erfolgreiche Liebes-App: Seit zehn Jahren führt Tinder Menschen virtuell zusammen. Doch ist die App wirklich eine Abkürzung zum Liebesglück oder verspricht sie zu viel? Foto: Catherine Waibel/dpa-tmn

Vor zehn Jahren ging die Dating-App Tinder an den Markt und mischte das Liebesleben vieler Singles weltweit auf.

Seitdem wurden unzählige Herzen und Kuss-Smiley über Chats hin und her geschickt, es wurden Liebesbotschaften verfasst, auf erste Dates eingeladen, aber auch lockere Treffen vereinbart.

Bei manchen entstand die große Liebe, bei anderen die große Enttäuschung. Lohnt sich der Griff zum Smartphone bei der Suche nach einem neuen Partner?

Unsere Redakteurinnen Christel Manzey und Martina Kempka haben unterschiedliche Erfahrungen mit Tinder gemacht.

Pro

Am Ende ist Tinder das, was seine Nutzer daraus machen.

Tinder ist besser als sein Ruf. Das zeigt schon meine eigene Geschichte: Was vor rund zwei Jahren mit einem Wisch nach rechts auf Tinder begann, endet kommende Woche vor dem Traualtar. Auch so kann es gehen.

Natürlich kann man argumentieren, dass das Zwischenmenschliche beim digitalen Kennenlernen verloren geht. Und der Ruf, dass Tinder als Tummel-Platz für Schwerenöter und Beziehungsresistente gilt, kommt sicher nicht von ungefähr. Es gibt aber eben auch die andere Seite: Jene Menschen, die sich im realen Leben mit dem ersten Schritt etwas schwertun. Die froh sind, wenn sie einen potenziellen Partner erst aus sicherer Entfernung „beschnuppern“ können. Und die sich freuen, wenn sie ein freundliches Gespräch führen können, auch wenn am Ende nichts draus wird.

Ganz nebenbei helfen Apps wie Tinder und Co zudem, Grenzen zu überwinden – sei es lokaler, gesellschaftlicher oder ethnischer Art. Plötzlich lernt man Menschen kennen, die man niemals getroffen hätte. Von denen man nie gedacht hätte, dass sie die eigene Vorliebe für Sushi und Extremsportarten teilen würden.

Am Ende ist Tinder das, was seine Nutzer daraus machen. Wer ernsthafte Absichten hat, muss diese auch nach außen hin kommunizieren. Das macht einen trotzdem nicht gefeit vor blöden Anmachen – besonders als Frau – aber sind wir ehrlich: Die Typen, die nur auf das Eine aus sind, gibt es überall. In einer App gebündelt fallen sie vielleicht einfach nur mehr auf.

Kontra

Was fehlt, ist die Chemie der direkten Begegnung.

Auch ich saß schon mehrere Abende über Jahre hinweg auf der Couch und betrieb Tinder-Daumen-Sport: Ich wischte Profile potenzieller Kandidaten nach rechts und links von der Bildfläche. Links heißt in diesem Fall ein klares Nein. Rechts ein klares Ja.

Aber je länger ich auf meinen Bildschirm starrte, desto größer wurde die Frustration: Links, links, links. Und wenn ich dann doch mal ein Match hatte und wir ganze fünf Sätze Kontakt hielten, dann kam da dieser Gedanke: Hoffentlich gefällt er mir auch im realen Leben.

Ich investierte also Zeit, Energie und in gewisser Weise schon Gefühle in einen Menschen, den ich noch nie getroffen hatte. Aber wie klingt die Person im realen Leben? Wie riecht sie? Schließlich will ich, wenn es gut läuft, von nun an täglich morgens neben diesem Menschen aufwachen. Wie klingt sein Lachen? Wie bewegt er sich? Alles Merkmale, die zwar banal klingen, aber nicht zu unterschätzen sind.

Wenn beim ersten Treffen dann klar wird, diese Person ist nichts, ist ein peinlicher Moment vorprogrammiert: Wie sage ich einem Menschen, dass ich ihn einfach nicht riechen kann, nachdem wir tagelang Herz-Emojis ausgetauscht haben?

Ein noch viel wichtigerer Aspekt, gerade als Frau, ist das Bauchgefühl. Fühle ich mich mit meinem Gegenüber sicher? Die weibliche Intuition kann mir kein Algorithmus dieser Welt abnehmen.

Was fehlt, ist die Chemie der direkten Begegnung. Es muss ja nicht immer Liebe auf den ersten Blick sein, aber das Knistern in der Luft, die Blicke, die man versucht zu deuten: Mag er mich oder nicht? Das fehlt.

Bei Tinder weiß ich beim Öffnen der App, woran ich bin: Mein Gegenüber möchte ein Date oder nur unverbindlichen Sex, auch wenn man sich gerade mal fünf Sätze lang kennt. Was hat das mit Menschlichkeit und Liebe zu tun?

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