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Homeoffice und kreative Ideen

Schule entfällt wegen Coronavirus: Eltern müssen Kinderbetreuung organisieren

Die einstweiligen Schließungen von Schulen und Kitas durch die Coronoakrise stellt viele Eltern vor akute Organisationsprobleme. Schon engagieren sich Eltern in privaten Initiativen und bieten die Betreuung der Kinder unter Zuhilfenahme digitaler Lernsoftware.

Kinder aus der Nachbarschaft unterweist Marc Hinse während der coronabedingten Schulschließung in seinem privaten Homeschooling-Projekt. Foto: Hinse

Die corona-bedingte Schließung von Kitas und Schulen stellt viele Eltern vor erhebliche Probleme. Homeoffice oder doch die Beschäftigung von Großeltern? Davon wird zwar abgeraten, weil Senioren potenziell besonders gefährdet sind. Doch manchmal gibt es keine Alternative.

„Wenn es so bleibt wie momentan, will ich mal gar nichts sagen.“ Esmeralda Martinez sitzt auf einer der vielen Parkbänke des Spielplatzes zwischen Rüppurrer und Marienstraße in der Karlsruher Südstadt, zu ihrer Rechten der Kinderwagen, zu ihrer Linken zwei weitere Mütter mitsamt kindlichem Gefolge.

Ihr vierjähriger Filius Roberto schaukelt was das Zeug hält, drei weitere Spielkameraden choreografieren derweil einen Saharasturm mit reichlich Spielsand. Immer mehr junge Mütter steuern den Spielplatz an. Es ist Mittagsstunde, der vorerst letzte Kita-Tag liegt hinter ihnen. Vor ihnen gähnt die Leere.

Junge Eltern müssen sich als Manager beweisen

Eine skeptische Spannung liegt in der Luft. Junge Eltern müssen sich als Manager beweisen. Wie über die Runden kommen in der anbrechenden schul- und kitalosen Zeit? Diese Frage stellt sich auch Paola Bandholz.

Sie ist berufstätig und Mutter von vier Kindern zwischen zehn und 18 Jahren, ihr Mann Schulrektor. Für Kinder fällt die Schule zwar aus, Zuhause bleiben kann ein Rektor dennoch nicht. Gerade jetzt nämlich gibt es für die Führungskräfte unter den Pädagogen viel zu tun, obwohl – oder gerade weil – die Schülerinnen und Schüler fernbleiben.

Marc Hinse stellt privates „Homeschooling“-Projekt auf die Beine

Dieser Umstand ruft Marc Hinse auf den Plan. Er ist junger Familienvater, wohnt in der Karlsruher Hirschstraße und kennt sich als freiberuflicher IT-Experte und Webdesigner bestens aus mit den praktischen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet.

Angesichts der Coronakrise und mit Blick auf die drei in seinem Wohnhaus lebenden Familien mit Kindern hat er ein privates „Homeschooling“-Projekt auf die Beine gestellt. Die Idee: An Wochentagen versammeln sich die Jungen und Mädchen aus seinem Haus zum Ersatzunterricht am hellen Holztisch der Hinses.

Zwischen 8.30 und 12.30 Uhr werden dann die von der Schule ausgegebenen Arbeitsblätter bearbeitet und deren Inhalte vertieft. Die thematische Spannbreite reicht von der zweiten bis zur fünften Klasse; und weil Marc Hinse kein Lehrer, sondern IT-Fachmann ist, nutzt er dabei alle Optionen der digitalen Welt: TV-Online-Projekte wie „Planet Schule“ oder „Planet Wissen“ sowie das Internet-Angebote wie „Learn Attack“.

Es gehe auch darum, sagt der Initiator, dass die Kinder weiterhin einen strukturierten Tagesablauf erleben und sich nicht in überlangen Ferien glauben. Schon hat sich für die Hirschstraße 156, den Ort des Geschehens, ein besonderer Codename herausgebildet. „Wir nennen unsere Adresse jetzt nur noch ’Virus Cluster 156’“, lächelt der Teilzeit-Pädagoge.

Karlsruher Südweststadt ist kein Krisengebiet für Eltern

Jedenfalls ist die Südweststadt nach dem Eindruck des engagierten Familienvaters zumindest in dieser Hinsicht kein Krisengebiet. „Ich kenne viele Eltern, die Homeoffice machen können“, sagt Hinse.

Luana Waldbauer gehört nicht dazu. Sie hat zwei Kinder von sieben und neun Jahren, ist alleinerziehend und bei Daimler in Wörth in der Produktion tätig, Die sorgsam auf Kante genähte Betreuungsplanung zwischen ihr, ihrem Ex-Mann und dem Kinderhort ist ab heute Makulatur. „Man soll das zwar nicht“, sinniert sie, während sie den sonnigen Tag vor dem Karlsruher Schloss genießt. „Aber wahrscheinlich müssen jetzt meine Eltern ran.“

Genau das will Marc Hinse unbedingt vermeiden. Natürlich böten sich Großeltern an, sagt er. „In unserem Fall wäre das Risiko aber definitiv zu groß.“ Auch solche Überlegungen stehen hinter seinem Homeschooling-Projekt.

Arbeitsblätter für Kinder

Für Katharina Schmitz aus der Oststadt ist die Schulschließung eine Möglichkeit für die Kinder, selbstständiger zu werden. Zwangsläufig. Sie ist im Einzelhandel tätig, ihr Partner fährt einen 40-Tonner im Fernverkehr für eine Ludwigsburger Spedition.

Ihr Plan: Jeden Morgen, bevor sie die Wohnung verlässt, arbeitet sie zwei Arbeitsblätter für ihre elfjährigen Zwillinge aus. Ein paar Rechenaufgaben und Fragen zu Tierfabeln, die die Kinder lesen sollen. Die Texte für den ersten Tag hat sie eigens aus dem Internet heruntergeladen. „Mal sehen, wie lange wir das durchhalten.“

Vergleichbare Kraftanstrengungen sind für die Eltern aus dem Evangelischen Kindergarten in der Pfauenstraße in Karlsruhe-Rüppurr nicht erforderlich – jedenfalls nicht nach Kenntnis von Kita-Leiterin Monika Schork. Oft sei Homeoffice die Lösung, oft sei ein Elternteil ohnehin zuhause. „Ja“, bestätigt eine Mutter, „in Rüppurr ist die Welt trotz allem in Ordnung“.

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