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Wegen Coronavirus gibt es nur noch kleine Bestattungen in Karlsruhe

Auch Bestattungen in Karlsruhe bleiben von der Coronakrise nicht verschont. Nur noch kleine Trauergemeinden werden in die Friedhofskapelle vorgelassen, um mögliche Ansteckungen zu verhindern. Die Trauernden zeigen dafür Verständnis.

Trauerfeiern in Karlsruhe müssen wegen des Coronavirus derzeit in kleinem Rahmen stattfinden. Höchstens zehn Hinterbliebene dürfen gleichzeitig in die Kapelle. Foto: jodo

Auch Bestattungen in Karlsruhe bleiben von der Coronakrise nicht verschont. Nur noch kleine Trauergemeinden werden in die Friedhofskapelle vorgelassen, um mögliche Ansteckungen zu verhindern. Die Trauernden zeigen dafür Verständnis, berichtet das Friedhofs- und Bestattungsamt.

Der Hinweis vor der Trauerkapelle auf dem Hauptfriedhof ist nicht zu übersehen. Nur zehn enge Hinterbliebene dürfen ins Innere. Dort, wo bei größeren Beisetzungsfeierlichkeiten unter Normalbedingungen eine dreistellige Zahl von Familienangehörigen, Freunden und Weggefährten des Verstorbenen Platz nimmt, wird nun nur noch vereinzelt getrauert.

Auch draußen vor der Tür ist die Kapazität begrenzt. Mehr als 50 Personen in zeitgemäß gebührendem Abstand sollen es nicht sein – auch auf dem Friedhof fordert das Coronavirus Tribut.

Kondolenz-Handschlag fällt aus

Die Umsetzung der erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen braucht gerade hier Sensibilität. Trauernde sind oft ältere Menschen, noch dazu sind sie vielfach im emotionalen Ausnahmezustand. Die spontane Umarmung, der kulturbedingte Handschlag zur Bekundung der Kondolenz, solche Rituale müssen bis auf Weiteres ausfallen.

Trauernde haben Verständnis

„Die Trauernden reagieren verständnisvoll“, hat Matthäus Vogel festgestellt. Für den Leiter des städtischen Friedhofs- und Bestattungsamts stellen sich derzeit aber weitaus komplexere Fragen als das Aufstellen von Verhaltenshinweisen auf den Gottesackern der Stadt. Etwa die nach der Verschiebung von Trauerfeiern.

Im Fall einer Urnenbestattung ist das vergleichsweise leicht zu machen: Von Gesetzes wegen gibt es hier eine maximal dreimonatige Frist, innerhalb derer die Urne beigesetzt werden kann. Wenn die Coronakrise bis dahin abgeklungen sein sollte, kann die Feierlichkeit später auch im großen Kreis erfolgen.

Bei Erdbestattungen scheidet längeres Warten aber naturgemäß aus. Matthäus Vogel hat deshalb eine Idee: Die Beerdigung findet zunächst im engsten Hinterbliebenenkreis statt, nach Ende der Krise gibt es wenn nötig die große Feier. Geht es nach dem Amtschef, sollen dafür möglichst keine zusätzlichen Kosten anfallen.

Ob dieser Service letztlich greift, steht allerdings noch nicht fest. Immerhin: Angesichts der demografischen Entwicklung gibt es auch jenseits von Corona einen Trend zu kleinen Bestattungen, so die Erfahrung beim Amt. Wenn Senioren ihren letzten Weg antreten, haben sich oft auch die Reihen ihrer einst großen Bekanntenkreise bereits gelichtet.

Engpass bei Blumen

Matthäus Vogel tritt mit Blick auf die Coronakrise jetzt an die in Karlsruhe tätigen Bestattungsunternehmen heran. Sein Anliegen: Die Trauernden, die in diesen Tagen und Wochen einen Verstorbenen zu Grabe tragen müssen, sollten möglichst auf eine Bekanntmachung des Zeitpunkts verzichten, an dem die Beerdigung stattfindet. So will man möglichst übergroßen Andrang vermeiden.

Einer der Bestattungsunternehmer ist Armin Stier von der gleichnamigen Trauerhilfe. Möglicherweise, so mutmaßt er, werden je nach weiterer Corona-Entwicklung Trauerfeiern in der bisherigen Form komplett wegfallen müssen. Schon jetzt sei die Nutzung der Kapelle etwa in Stutensee gar nicht mehr möglich. So wichtig solche Maßnahmen in diesen Zeiten sind, „Gemeinschaft ist aber auch tröstlich“, beschreibt er die Kehrseite aus Sicht der Trauernden.

Auch in anderer Hinsicht drückt die Coronakrise den aktuellen Bestattungen ihren Stempel auf: Nicht wenige Floristen sitzen auf dem Trockenen, weil Blumen aus dem Ausland – zum Beispiel aus Italien – krisenbedingt ausbleiben. Besprechungen zwischen Hinterbliebenen und Bestatter finden im Übrigen derzeit verstärkt fernmündlich statt. „In unserem Betrieb gibt es auch keinen Händedruck mehr“, berichtet Armin Stier. Gerade in der Ausnahmesituation eines Trauerfalls braucht diese Praxis besondere Gewöhnung und Sensibilität.

Friedhof ist systemrelevant

Doch Ansteckung muss eben so gut wie möglich ausgeschlossen werden. Das gilt besonders für die Mitarbeiter des Friedhofs. Sie sind systemrelevant, denn der Bestattungsbetrieb muss aus nahe liegenden Gründen stets sichergestellt sein.

Eine Infektion im Kollegenkreis wäre deshalb „äußerst herausfordernd“, wie Amtschef Matthäus Vogel sich gegenüber den BNN ausdrückt. Denn dann fielen weitere Mitarbeiter aus und müssten in Quarantäne. Kommt es hart auf hart, dann kann auf städtische Friedhofsgärtner zurückgegriffen werden. Von denen sind manche laut Amtschef Vogel auch für die Abwicklung von Trauerfeierlichkeiten geeignet.

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