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Häusliche Gewalt

Wenn der Ehemann zuschlägt: „Ich habe ein Testament gemacht, falls mir etwas zustößt“

Elke J. hat über 30 Jahre mit einem Mann zusammengelebt, der sie erniedrigt, beleidigt und geschlagen hat. Warum ging sie nicht?

Häusliche Gewalt entsteht meist nicht von einem Tag auf dem anderen. Meist geht der Gewalttat bereits psychische Gewalt voraus. Foto: Tanja Mori Monteiro

„Es war eine sehr große Liebe“, sagt Elke J. (Name v. d. Redaktion geändert) über ihre Ehe. Die Stimme der 50-Jährigen klingt nüchtern, obwohl die endgültige Trennung von ihrem Mann Tim (Name v. d. Redaktion geändert) zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate her ist. In dem Raum beim , in dem sie sitzt, hat sie damals zum ersten Mal die Polizei gerufen. Nach mehreren Anläufen und nach über 30 Jahren, in denen ihr Mann sie körperlich misshandelt, bedroht und psychisch unter Druck gesetzt hat.

„Es ist ein schleichender Prozess, wenn man so lange zusammen ist“, sagt Keller. Erst kamen die Erniedrigungen, dann offene Beleidigungen. Irgendwann Schläge. Nach diesem Muster läuft häusliche Gewalt meistens ab. „Wenn Demütigung an der Tagesordnung ist, nehmen Frauen oft nicht mehr wahr, in welche Abwärtsspirale sie da geraten“, erklärt auch Sozialpädagogin und Beraterin Martina Decker-Spierings vom SkF. So war es auch bei Elke J..

„Als wir über Verlobung und Heirat geredet haben, fing es an“, erinnert sie sich. Tim stritt öfter mit ihr, ging plötzlich auf Abstand, schrie. Aber Mutter und Schwiegermutter wirkten beschwichtigend auf Keller ein. „Die Schwiegermutter hat immer gesagt, wenn du es ihm recht machst, dann ist er ruhig“, sagt sie. Auch ihre eigene Mutter schwor sie immer wieder auf den Wert der Ehe ein, die nicht kaputtgehen dürfe. Daran hält sich Keller so gut sie kann.

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