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Wasser, Wind und Sonne

Wie nach der Abschaltung des AKW Philippsburg in der Region Strom erzeugt wird

Das Atomkraftwerk in Philippsburg ist Geschichte. Energie, etwa in Form von Strom, wird im und um den Landkreis Karlsruhe herum aber auf vielfältige Weise erzeugt. Der konventionelle Weg mit Steinkohle trifft auf erneuerbare Ressourcen, wie Wasser, Wind und die Kraft der Sonne.

Aus der Natur ziehen Unternehmen und Privatleute Energie, um Strom im Landkreis Karlsruhe und benachbarten Regionen zu ziehen. Sonne und Wind, aber auch Wasser und Erdwärme gelten als Alternativen zum konventionellen Weg. Foto: Schuldt/dpa

Das Atomkraftwerk in Philippsburg ist Geschichte. Die Türme liegen in Trümmern. Es wurde bereits Ende vergangenen Jahres vollständig abgeschaltet. Energie, etwa in Form von Strom, wird im und um den Landkreis Karlsruhe herum aber auf vielfältige Weise erzeugt. Der konventionelle Weg mit Steinkohle trifft auf erneuerbare Ressourcen, wie Wasser, Wind und die Kraft der Sonne.

Seit einem halben Jahrhundert produziert der Energiekonzern EnBW auf konventionelle Art im Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe Strom und Fernwärme für die Region Karlsruhe. Dabei kommt Steinkohle zum Einsatz.

Diese wird im Dampfkessel verbrannt, die entstehende Hitze bringt Wasser zum Verdampfen, das wiederum anschließend in dieser Form auf Turbinen geleitet wird. Diese Dampfturbinen sind mit einem Generator verbunden, der Strom ins Netz einspeist. Ein Teil des Dampfs erzeugt zudem Energie, die ins Fernwärmenetz der Stadtwerke Karlsruhe fließt.

Das Dampfkraftwerk am Rhein nutzt Steinkohle

Erst 2014 wurde am Kraftwerksstandort ein neuer Block in Betrieb genommen, teilt Unternehmenssprecher Ralph Eckhardt mit. Mit einem Wirkungsgrad von über 46 Prozent gehöre Block 8 zu den effizientesten und damit umweltschonendsten weltweit.

Das Dampfkraftwerk sei ein wichtiges, verlässliches Standbein zur Strom- und Fernwärmeerzeugung im Kraftwerkspark der EnBW. Insgesamt 1.351 Megawatt und rund 220 Megawatt durch Fernwärme werden am Rheinhafen erzeugt. Das Kraftwerk dient als systemrelevante Reserve, so die EnBW.

EnBW baut erneuerbare Energien im Landkreis Karlsruhe aus

Die Energieerzeugung des Unternehmens basiere auf einem Mix unterschiedlicher Energieträger, so Eckhardt. „In unseren Anlagen und Kraftwerken nutzen wir erneuerbare Energien wie Wasser- und Windkraft, sowie fossile Energie wie Kohle und Gas.“ Der systematische Ausbau der erneuerbaren Energien sei seit 2013 verankert.

Sonnenenergie wird zum Strom für viele Privatleute

Gerade wenn es um Nachhaltigkeit geht, werden Privatpersonen auch selbst tätig. Von vielen Häusern in der Region etwa schimmern Fotovoltaik-Anlagen, mit denen Hausbesitzer durch die Kraft der Sonne selbst Strom erzeugen. Diese Energie wird für den eigenen Gebrauch genutzt oder ins Netz etwa von Betreibern wie den Stadtwerken eingespeist.

Laut Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur gibt es im Stadt- und Landkreis Karlsruhe rund 9.500 Eintragungen, die angeben, Solare Strahlungsenergie zu nutzen. Weitere etwa 1.240 Ergebnisse finden sich für Fotovoltaik-Anlagen, die gleichzeitig als Stromspeicher fungieren. Die EnBW baut und betreibt zwar seit 2008 Solarparks, im Landkreis Karlsruhe gibt es derzeit aber kein Projekt.

Die Sonne steht jedem zur Verfügung: Mit Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach, wie hier bei einem Haus in Rheinstetten, produzieren zahlreiche Privatleute im Landkreis Karlsruhe ihre eigene Energie. Foto: Keller

Das Wasser des Rheins treibt Turbinen an

Anstatt der Sonne nutzt die EnBW aber die Möglichkeiten von Wasser im benachbarten Landkreis Rastatt aus. Im Rheinkraftwerk Iffezheim speisen fünf Turbinen erneuerbaren Strom aus Wasserkraft in das Netz ein. Nach Angaben der EnBW ist es das größte Laufwasserkraftwerk Deutschlands und versorge rund 250.000 Haushalte mit CO2-freier Energie, so Unternehmenssprecher Eckhardt.

Der Rhein wird in Iffezheim etwa zehn Meter aufgestaut. Zur Energiegewinnung wird das Wasser auf die Turbinen geleitet, deren Laufräder die Generatoren antreiben. Kohle, Öl oder Gas werden nicht verbraucht, Emissionen daher keine freigesetzt.

Pumpspeicherwerke sind Allround-Talente

Einer der ältesten und traditionsreichsten Standorte der EnBW zur Energieerzeugung steht in Forbach im Murgtal: Das Rudolf-Fettweis-Werk ist ein Pumpspeicher- und Laufwasserkraftwerk, bestehend aus vier Einzelkraftwerken, die zwischen 1918 und 1926 in Betrieb genommen wurden.

Der Standort produziert jährlich rund 105 Millionen Kilowattstunden CO2-freien Strom, teilt das Unternehmen mit. „Energie in bedeutenden Mengen auf Abruf zu speichern, ist eine der großen Herausforderungen der Energiewende“, so EnBW-Sprecher Eckhardt.

Der Rhein treibt die Turbinen an: In Iffezheim staut die EnBW Wasser auf und erzeugt so Strom für die Region. Foto: Maier-Gerber

Pumpspeicherkraftwerke könnten hierzu einen großen Beitrag leisten. „Als energiewirtschaftliche Allround-Talente können sie Energie in großen Mengen speichern und bei Bedarf kurzfristig wieder ins Netz speisen.“ Die EnBW plant, das Werk zu erweitern. Es soll durch einen unterirdischen Wasserspeicher erweitert und das Schwarzenbachwerk selbst zu einem echten Pumpspeicherkraftwerk ausgebaut werden.

Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe findet sich ebenfalls Wasser als Energieträger wieder. Laut Daten der Bundesnetzagentur gibt es drei Standorten, an denen so Strom erzeugt werde – eine Anlage davon betreiben die Stadtwerke Ettlingen.

Windräder sind noch selten in der Region

Zur erneuerbaren und meist auch schon von Weitem sichtbaren Energieproduktion dient auch die Kraft des Windes. Nur zwei Anlagen listet die Statistik der Bundesnetzagentur für den Bereich des Stadt- und Landkreises Karlsruhe: Eine wird betrieben von den Stadtwerken, die andere von der Fraunhofer Gesellschaft, die wiederum den Strom für die eigene Forschung nutzt.

Auch der Energiekonzern EnBW habe Windkraft für sich entdeckt und blicke auf eine langjährige Erfahrung damit zurück, sagt Unternehmenssprecher Eckhardt. Im Landkreis Calw laufe derzeit ein Genehmigungsantrag für drei Windkraftanlagen in Bad Wildbad.

Unternehmen ziehen die Wärme aus der Erde

Tief in die Erde geht es hingegen bei Projekten rund um Geothermie. Das EnBW-Kraftwerk in Bruchsal besteht als Forschungsanlage bereits seit Dezember 2009. Zehn Jahre später versorgt es über ein Nahwärmenetz das nahegelegene Areal des Polizeipräsidiums Bruchsal. Dessen Heizzentrale ist mit dem Geothermiekraftwerk verbunden. 61 Prozent des Bedarfs sollen so künftig gedeckt werden.

Energie aus dem Erdinneren: Geothermie-Projekte, wie hier in Bruchsal, sind bei einigen Bürgern umstritten Foto: Heintzen

Die Energie des Erdinneren will auch das Unternehmen Deutsche Erdwärme nutzen. Im Oberrheingraben nehme die Temperatur pro Hundert Meter Tiefe um etwa vier bis sieben Grad zu, schreibt der Energieerzeuger. Das mache den Standort für Erdwärmeheizkraftwerke attraktiv. Dem Boden würde dabei heißes Thermalwasser entzogen, an der Oberfläche daraus Strom und Wärme erzeugt und das Wasser wieder zurück ins unterirdische Reservoir geleitet.

Geothermie führt zu Kritik von Bürgern

Die Deutsche Erdwärme verfolgt bereits mehrere Projekte in der Region. Diese stoßen bei einigen Bürgern jedoch auf Kritik: So bildete sich Ende 2019 die Interessengemeinschaft Tiefengeothermie im Landkreis Karlsruhe, die sich gegen die potenziellen Werke in Graben-Neudorf und Waghäusel stellt.

Dabei geht es um Ängste und Unsicherheiten der Bürger, etwa zur Erdbebengefahr, Grundwasserabsenkungen oder Lärmbelästigung.

Potenzielle Standorte liegen in Graben-Neudorf und Waghäusel

In Graben-Neudorf liege in Tausenden Metern Tiefe ein Thermalwasserreservoir, in dem mit Temperaturen von über 160 Grad zu rechnen sei, so die Deutsche Erdwärme. Es ist das am weitesten fortgeschrittene Projekt des Unternehmens.

Deutsche Erdwärme arbeitet an Genehmigungen

Zuletzt hat es den Hauptbetriebsplan beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg eingereicht. „Dabei handelt es sich um die Genehmigungsunterlagen für die Einrichtung des Bohrplatzes und die Bohrung und nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, um die Zulassung des gesamten Projekts inklusive Betrieb der Anlagen“, erklärt Sprecher Ron Zippelius. „Sollte uns die Bohrerlaubnis vom Bergamt erteilt werden, wäre der nächste Schritt die Einrichtung des Bohrplatzes.“

Anfang 2021 könnte damit begonnen werden. In Waghäusel führte die Deutsche Erdwärme Ende 2019 Messungen zu den geologischen Verhältnissen im Untergrund sowie zur Lage und Qualität der Thermalwasserreservoiren durch. Diese entscheiden darüber, ob der Standort in Frage kommt. Die Daten werden für Mitte 2020 erwartet. Auch in Karlsruhe-Neureut sucht das Unternehmen nach geeigneten Standorten für eine Anlage

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