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Männer ausdrücklich erwünscht

Berufliche Schulen Bretten bieten neue Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten an

Christian Gänßmantel und Markus Dreher wollen gerne Kinder betreuen. Die Ausbildung zum Staatlich anerkannten sozialpädagogischen Assistenten wird an den Beruflichen Schulen Bretten neu angeboten.

Ein Kinderpfleger bastelt im Kindergarten mit Kindern in der Holzwerkstatt. (Symbolbild) Foto: Tobias Hase picture alliance / dpa

Er hat es von der Förderschule bis zur Berufsfachschule für Gesundheit und Pflege geschafft und schreibt heute gute Noten auf dem Weg zur Mittleren Reife. Christian Gänßmantel liebt die Arbeit mit Kindern, ebenso wie Markus Dreher. Beide wollen Staatlich anerkannte sozialpädagogische Assistenten werden. Und beide haben sich für die Praxisintegrierte Ausbildung, kurz PIA, beworben.

Die soll an den Beruflichen Schulen Bretten (BSB) erstmals angeboten werden – sicher ist das aber noch nicht. Womöglich kommt die Klasse erst fürs nächste Schuljahr zusammen. Denn bislang gibt es nur acht Bewerber, nötig wären 16. Und alle müssen einen Ausbildungsvertrag vorweisen – in Krippen, Horten oder anderen Betreuungseinrichtungen. Gänßmantel und Dreher bleibt nur, darauf zu hoffen, dass sich weitere Kandidaten finden.

Bislang hat auch nur einer der acht, Markus Dreher, eine Stellenzusage. Woran hapert es sonst angesichts von 22 Kinderbetreuungseinrichtungen allein in Bretten und angesichts des großen Fachkräftemangels? Schließlich sichern Landesgelder erhebliche Zuschüsse zur Vergütung der PIA-Kräfte durch die Träger. Die Kommunen schleusen diese Zuschüsse durch, sagt Bernhard Feineisen, Leiter des Brettener Amtes für Bildung und Kultur.

Die PIA entwickelt die Ausbildung zum Kinderpfleger weiter

Die zögerliche Rückmeldung der Einrichtungen führt die BSB darauf zurück, dass die Ausbildung erst frisch auf dem Markt ist. Zudem müssten die Einrichtungen noch Fragen nach Personalschlüssel und Anerkennung der PIA klären, da diese noch nicht im offiziellen Fachkräftekatalog enthalten ist. Bislang meldeten sich von allen angeschriebenen Einrichtungen – weit mehr als den 22 in Bretten – nur zwei zurück, mit Fragen.

Wertvolle Arbeit: Christian Gänßmantel will wertvolle Arbeit leisten und lässt sich zum Staatlich anerkannten sozialpädagogischen Assistenten ausbilden. Der neue Beruf ist die Weiterentwicklung des Kinderpflegers. Foto: Irmeli Thienes

Auch sei eine Bindung, wie sie der Ausbildungsvertrag über drei Jahre mit sich bringt, für kleinere Einrichtungen im ländlichen Raum schwerer machbar als für große Kommunen als Träger. Die Beruflichen Schulen nennen aber den Vorteil, dass die Einrichtungen dann eine verlässliche Fachkraft hätten, die unter Umständen auch über die Ausbildung hinaus bleibe.

PIA-Kräfte werden – wie bisherige Kinderpfleger – „als zweite Kraft im Kindergarten eingesetzt“, erläutert Nicole Roeder, kommissarische Leiterin der BSB. Feineisen dazu: „Sie dürfen also nicht alle Aufgaben übernehmen, beispielsweise keine Gruppe alleine leiten.“ Das senke die Nachfrage.

Wir nehmen gerne noch Bewerber in unseren Verteiler auf.
Thomas Speicher, stellvertretender Geschäftsführer des VSA, Verwaltungs- und Service-Amt der Evangelischen Kirche

„Auch die Stadt bietet in ihren Einrichtungen nur je eine Stelle für PIA-Kräfte an“, sagt Feineisen, wie derzeit eine in der Drachenburg. Laut Thomas Speicher beschäftigen auch evangelische Einrichtungen nur je eine PIA-Kraft. Der stellvertretende Geschäftsführer des Verwaltungs- und Service-Amtes VSA der Kirche sagt: „Wir nehmen gerne noch Bewerber in den Verteiler auf.“

Was, wenn es nicht ausreichend Interessenten gibt? Weil die BSB bislang die einzige Schule im Regierungsbezirk ist, die den PIA-Bildungsweg zur sozialpädagogischen Assistenz anbietet, bleibt bei weniger als 16 Bewerbern nur übrig, die bisherigen auf die Alternative zu verweisen, die klassische Ausbildung zur Kinderpflege.

Traumberuf: Markus Dreher will mit 40 Jahren nochmals umsatteln und eine neue Ausbildung beginnen. Der gelernte Bürokaufmann hat bei Aushilfstätigkeiten seine Freude an der Arbeit mit Kindern entdeckt. Foto: Irmeli Thienes

Neben der PIA zur sozialpädagogischen Assistenz gibt es auch eine praxisorientierte Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher. Diese wird laut Regierungspräsidium (RP) aber nur in Bruchsal, Ettlingen und Karlsruhe angeboten.

Es ist ein unbezahlbarer Beruf.
Markus Dreher, angehender PIA-Auszubildender

Gänßmantel und Dreher sehen den Mehrwert ihres Traumberufs, wie sie ihn nennen, in vielen Details: Zu erleben, wie ein Kind seine Angst überwindet und doch das Klettergerüst erklimmt. Oder Kindern mit Migrationshintergrund täglich ein paar Worte auf Deutsch beizubringen, mal Trost zu spenden oder herumzualbern. Beide fühlten sich schon bei ihren Praktika, in der Berufsorientierung oder bei Aushilfsjobs herzlich von den Kindern empfangen und willkommen bei den Teams – gerade als Männer.

„Es ist ein unbezahlbarer Beruf“, sagt Dreher. Darum würden beide auch zwei unbezahlte Jahre als Kinderpfleger in Kauf nehmen, obwohl ihnen die PIA deutlich lieber wäre. Dreher will mit 40 Jahren seiner Frau nicht auf der Tasche liegen. Er musste in der Pandemie seinen Laden schließen und hat vorsorglich einen Bildungsgutschein beantragt.

An den BSB hofft man, die PIA-Vergütung möge auch Männer zur Bewerbung bewegen. Bislang sind drei der acht Interessenten männlich.

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