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Aus Tirol zurück in ein Lokal

Brettener Gemeinderat geht auf ein Bier statt zum Coronatest

Auf ein Bier auf den Marktplatz zog es einen Gemeinderat in Bretten, obwohl er wenige Tage zuvor aus Tirol zurückgekehrt war. Vor dem Besuch in dem Lokal hatte er obendrein im Rathaus mit der ganzen Verwaltungsspitze getagt. Andere aber kennen die Abstands-Regeln in Bretten inzwischen gut.

Verlockend sind die ersten warmen Sonnenstrahlen für Einige. Im Bewirtungsbereich auf dem Marktplatz ließ sich auch am Dienstagabend ein Gemeinderat ein Bier schmecken, der nach BNN-Informationen erst am vergangenen Mittwoch aus Tirol zurückgekehrt war. Foto: Thienes

Die nötige Vorsicht und den gebotenen Sicherheitsabstand, wie die Corona-Pandemie sie im öffentlichen Leben fordert, hat ein Brettener Gemeinderat vermissen lassen. Am Dienstag nahm das Ratsmitglied, das eine Woche zuvor aus dem Skiurlaub im Risikogebiet Tirol zurückgekehrt war, an der Sitzung des Ältestenrats teil - mit dabei die ganze Verwaltungsspitze samt Oberbürgermeister Martin Wolff.

Zu Beginn der Sitzung sei noch per Fragebogen erkundet worden, ob sich jemand der Anwesenden in einem Risikogebiet aufgehalten habe. Warum das Ratsmitglied, das seinen Urlaubsaufenthalt wahrheitsgemäß niederschrieb, nicht bereits an dieser Stelle bemerkt hatte, dass er möglicherweise Corona-Überträger sein könnte, bleibt sein Geheimnis.

Gemeinderat gefährdet Verwaltung

So aber wurde dies erst nach der Sitzung durch ein aufgeschnapptes Gespräch festgestellt. Das Ratsmitglied muss sich nun an diesem Donnerstag einem Test unterziehen, am Freitag soll das Ergebnis vorliegen. Bis dahin müssten alle Teilnehmer der Sitzung höchste Vorsicht im Umgang mit anderen walten lassen, betonte OB Wolff.

Der betreffende Gemeinderat soll nach der Sitzung am Dienstag noch auf ein Bier in ein Lokal am Marktplatz gegangen sein, erfuhren die BNN.

Bargeld wechselt berührungslos den Besitzer

Um- und vorsichtiger gehen dagegen Händler, Gastronomen und Kunden in Bretten mit der neuen Situation um. Ein Kunde bleibt bei Nerone in der Tür stehen, zählt „eins, zwei, drei“ die Kunden drinnen ab. Der Chef, Salvatore Nerone, reagiert: „Ich gehe raus, dann können Sie rein.“

In seiner Kaffeerösterei liefen der Kaffee-Verkauf und der Kaffee-to-Go gut. Der Ausschank an den Tischen aber ist eingestellt. Bargeld wechselt bei Nerone den Besitzer über eine Porzellan-Schale, um direkten Handkontakt zu vermeiden. Desinfektionsmittel steht daneben.

Oberflächen werden gereinigt

Aus Diskretionsabständen werden bei den Volksbanken und Sparkassen Bretten und Bruchsal derzeit Abstände zur Infektionsvermeidung. Das Mindestmaß beträgt eineinhalb Meter, ebenso in Postfilialen und bei Postbanken. Schilder versprechen vom Tresen ein Lächeln statt des Händeschüttelns. Die Sparkasse Kraichgau habe Verständnis, dass nicht jeder alte Gewohnheiten so schnell ablegen könne, wie es die Lage derzeit erfordere, so Norbert Grießhaber, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Kraichgau.

Alle Selbstbedienungsgeräte und Oberflächen – Touchpads, Bildschirme oder Tastenfelder – über die direkter Hautkontakt der Kunden entstehen könne, würden in engen Zyklen gereinigt, so der Sparkassenchef.

Am Bargeld haftet alles andere besser als Viren.
Iris Laduch, Pressesprecherin der Postbanken, Köln

In der Postbank-Filiale an der Melanchthonstraße weist ein Aufsteller die Wartenden auf den korrekten Abstand hin. Meist gebe es laut Postbank-Pressesprecherin Iris Laduch am Schalter Desinfektionsmittel für Mitarbeiter und Kunden.

Dank ebenfalls meist vorhandener automatischer Kassentresore gehe Bargeld ohne direkten Handkontakt über den Tresen. „Zudem haftet am Bargeld alles andere besser als Viren“, klärt Laduch auf. „Beispielsweise Kokain“, fügt sie an.

Lächeln statt Händeschütteln

„Aber wer sich Gedanken über das Tastenfeld am Postbank-Bankomaten macht, sollte Handschuhe anziehen“, sagt sie. Desinfektionsmittel anzubringen sei jedenfalls nicht möglich. „Das würde gestohlen.“ Iris Laduch verweist auf die Bedeutung häufigen, gründlichen Händewaschens. Ein wenig zeigt die Pressesprecherin Nerven aufgrund der sich ständig wiederholenden Fragen an sie, aber sie wahrt Fassung.

Banken: Auf allen Kanälen erreichbar

Ein „Lächeln“ schenken die Volksbanken und Sparkassen Bretten und Bruchsal ihrer Kundschaft. Am Mittwochnachmittag sind die Filialen allerdings dünn besucht. Am Montag sei die Frequenz hoch gewesen, stellten in der Volksbank-Filiale in der Fußgängerzone Filialleiter Wolfgang Wagener und Privatkundenbetreuerin Alena Calin fest. „Seitdem ist es eher rückläufig.“ Aber beide Bankengruppen seien auf allen Kanälen erreichbar.

Im Kaufland auf der Diedelsheimer Höhe zeigt ein digitales Videoboard die Bitte um Verständnis bei Versorgungsengpässen. Am Infotresen des Marktes heißt es auf einem Schild: „Beim Corona-Trubel kommt es zu Falschmeldungen.“ Kauflandmärkte würden nicht geschlossen. Kunden werden auf dem Schild in Duz-Form informiert: „Unsere Märkte haben regulär für euch auf.“ Für weitere Auskünfte war Kaufland bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Bodenmarkierungen zeigen Abstände auf

Beim Toom-Baumarkt, zur Rewe-Group gehörend, zeigten am Mittwoch bereits Bodenmarkierungen im Kassenbereich den Zwei-Meter-Abstand an. Am Infotresen bediente eine Mitarbeiterin – im Übrigen auf eigene Entscheidung – mit Mund-Nasen-Maske. Zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter zählte eine Mitarbeiterin im Eingangsbereich aus- und eingehende Kunden.

Kundenströme sollen reguliert werden

Das diene laut Zentrale in Köln der Vorbereitung einer Zutrittssteuerung, dem Regulieren von Kundenströmen. Auch dürften die Mitarbeiter an den Kassen Kunden um Zahlung mit Karte bitten, wo dies möglich sei.

Salvatore Nerone meint schließlich:  "Das geht uns Unternehmern, solchen meiner Größe jedenfalls, schon an die Substanz. Wer anderes sagt, dem glaube ich nicht. Es ist an der Zeit, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu beweisen." Es gebe ja ein Geschäftsleben nach Corona.

Wie wir über die Auswirkungen des Coronavirus berichten

Auf bnn.de berichten wir zurzeit verstärkt über die wichtigsten Entwicklungen rund um Corona in der Region rund um Karlsruhe, Bretten, Pforzheim, Rastatt und Bühl. Jeden Tag schränken Kliniken die Besuchszeiten ein, Schulen schließen, Firmen schicken Mitarbeiter nach Hause. Es ist selbst für unsere Redaktion zeitweise schwierig, den Überblick zu behalten. Deshalb filtern wir für unsere Leser aus der Flut an Informationen, welche der vielen Corona-Meldungen wichtig sind – unter anderem in dieser Übersicht .

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