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Kultur-Freitag

Brettenerin Caro Trischler eröffnet Sommerreihe

Die Musikerin Caro Trischler hat in ihrer Heimatstadt Bretten die Reihe „Kultur Freitag“ auf dem Platz am Rathaus eröffnet. Die Veranstaltung soll bis Ende August Kulturhungrigen während der Corona-Pandemie das Hungerloch stopfen.

Mit Hingabe: Zauberhafte Stimme, begnadete Musikerin: Caro Trischler eröffnet in ihrer Heimatstadt Bretten die Reihe „Kultur Freitag“ auf dem Platz am Rathaus. Foto: Susanne Roth

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Roth

Da kann schon so etwas wie Neid aufkommen: Die Frau auf der Bühne darf sich zu den Rhythmen bewegen, die einem am Freitagabend auf dem Alfred-Leicht-Platz von den Sitzen reißen. Reißen würden. Theoretisch. Denn praktisch sieht es zwar so aus, dass die Kultur auch in Bretten wieder ganz vorsichtig ins Corona-Land streckt.

Event soll Kulturhungrigen Hungerloch stopfen

Aber die könnte sie auch gleich wieder zurückziehen müssen, würden die Gäste des Kultur-Freitags nicht artig mit der Maske Platz den zugewiesenen Platz einnehmen. Dann freilich darf zum Auftakt einer neuen Reihe, die bis Ende August Kulturhungrigen wenigstens das größte Hungerloch stopfen soll, der Schutz abgenommen und wenigstens im Sitzen mit den Füßen oder mit dem Oberkörper geschaukelt werden.

Und das bleibt nicht aus, denn Caro Trischler mit ihrer Band erweist sich als ein mehr als würdiger Auftakt für eine vielversprechende und mit viel Aufwand von Kulturamtsleiter Bernhard Feineisen und Team aus dem vertrocknenden Kulturboden gestampfte Sommerreihe.

Oberbürgermeister Martin Wolff, mit Ehefrau in Front der kleinen Bühne sitzend, bringt es noch vor Beginn des Konzerts vordem Rathaus auf den Punkt: Man solle nicht etwas klein, sondern eben an anderer Stelle etwas Anderes ganz groß machen. Auf vieles, so der OB, habe man verzichten müssen – er verweist auf das rein virtuell stattfindende Peter-und-Paul-Fest.

Talent von „The Voice of Germany”

Da könnte man meinen, dass Caro Trischler leichtes Spiel hat. Das hat sie, aber musikalisch gesehen. Denn das Talent, das auch beim Contest „The Voice of Germany“ 2013 als damals 17-Jährige bis ins Halbfinale kam, Jazzgesang studierte, Stipendien kassierte und im Bundesjugendjazzorchester wirkte, hat für ihr junges Alter eine erstaunliche Reife in der Stimme und im Gitarrenspiel.

Caro Trischler wusste schon als Kind,was sie wollte: Musik machen. Klavier, Singen, sich selbst Gitarre spielen beibringen. Musik war und ist ihr Leben und das strömt aus jeder Pore und vor allem aus ihrer Kehle. Mal sanft, mal rau, mal knarzig, wenn es angemessen ist.

150 Besucher kommen zum Auftakt

Okay, vielleicht hat sie als Brettener Pflänzchen (das inzwischen in Mainz gedeiht) auch eine Art Heimvorteil – während die 150 Gäste des ausverkauften Konzerts die ersten mitgebrachten Bierflaschen auf ihren Beistell-Kartons platzieren bricht an der Bühne ein großes Hallo der Musikerin mit alten Bekannten aus – aber die Vorschusslorbeeren heimst sie zu Recht ein.

Und sie scheint mit ihrer Mischung aus Country, Bluegrass, brasilianischer Musik den Sommer zurückzurufen. Die Regenfront hat sich zurückgezogen. Vor drei Jahren, sagt sie, sei sie das letzte Mal in Bretten aufgetreten – „dort drüben im Guggemol“. Viel redet sie nicht. Sie lässt zusammen mit Ulf Kleiner (Rhodes, Piano) und Schlagzeuger Max Jentzenlieber die Musik sprechen. Und zeigt übrigens auch, dass sie perfekt pfeifen kann.

Zauberhafte Stimme, begnadete Musikerin: Caro Trischler eröffnet in ihrer Heimatstadt Bretten die Reihe „Kultur Freitag“ auf dem Platz am Rathaus. Foto: Susanne Roth

Muss man wohl auch, wenn man Lieder wie „Mignight Cowboys“ (auch als Asphaltowboys bekannt) im Gepäck hat. Übrigens eines der Lieblingsstücke von Caro Trischler und Pianist Ulf Kleiner. Mit dem sie übrigens ihre Lieblingsstücke gesammelt und auf ihrem ersten Debutalbum – gerade rechtzeitig zu ihrem Geburtstag am 3. Juli fertig geworden – neu arrangiert und mit Jean-Philippe Wadle (Bass) und Max Jentzen aufgenommen hat. Selbstverständlich an diesem Abend auch erhältlich.

Der Midnight-Cowboy ist nicht drauf, aber Luiza hat ihren Platz bekommen. Beides ist am Konzertabend zu hören. Auchunüberhörbar: Die Liebe Caro Trischlers zur brasilianischen Musik. Schuld ist besagte„Luiza“ von Antonio Carlos Jobim. Das Lied hat sie während ihres Studiums in Mainz gehört. „Schockverliebt“ sei sie gewesen. Und ist es ganz offensichtlich noch.

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