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Andere Gemeinden ziehen nach

Coronavirus: Bretten verhängt Ausgangsbeschränkung

Jetzt also ist es soweit: Als erste Kommune im Landkreis hat die Stadt Bretten eine Ausgangssperre angeordnet. Sie verbietet das Betreten sämtlicher öffentlicher Flächen, also von Straßen, Gehwegen, Wegen sowie Plätzen und Parkkanlagen. Ausnahmen für dringliche Angelegenheiten sind darin berücksichtigt.

„Bretten hat Stand jetzt mit 14 Infizierten im ganzen Landkreis die höchste Zahl an positiv getesteten Corona-Fällen“, begründet Oberbürgermeister Martin Wolff diese Maßnahme. Foto: N/A

Jetzt also ist es soweit: Die Große Kreisstadt Bretten hat eine Ausgangsbeschränkung angeordnet. Andere Gemeinden wie Oberderdingen, Gondelsheim, Kürnbach, Sulzfeld und Walzbachtal ziehen nach. Die Verfügung verbietet das Betreten sämtlicher öffentlicher Flächen, also auch Straßen oder Gehwegen.

Ausnahmen für dringliche Angelegenheiten sind darin berücksichtigt. Für die Bürger bedeutet das, dass sie das Haus nur noch verlassen dürfen, um notwendige Einkäufe zu machen, zum Arzt oder zur Apotheke zu gehen oder zur Arbeit. Erlaubt ist jedoch, sich mit der Familie in der freien Natur aufzuhalten oder mit dem Hund Gassi zu gehen. Auch die Versorgung Bedürftiger ist weiterhin möglich.

Wir müssen agieren und nicht nur reagieren, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen
Der Brettener Oberbürgermeister Martin Wolff

„Bretten hat Stand jetzt mit 14 Infizierten im ganzen Landkreis die höchste Zahl an positiv getesteten Corona-Fällen“, begründet Oberbürgermeister Martin Wolff die Dringlichkeit dieser Maßnahme. „Wir müssen agieren und nicht nur reagieren, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.“

Bretten ist vom Coronavirus besonders betroffen

Der Landkreis Karlsruhe grenze unmittelbar ans Elsaß, dort würden gerade Corona-Kranke ausgeflogen, weil die Krankenhäuser überlastet seien, so Wolff. Und im nicht allzuweit entfernten Italien würden die Leichen von Corona-Opfern von der Armee mit Lastwagen abtransportiert. Solche Bilder wolle er in seiner Stadt nicht sehen, betonte der Verwaltungschef.

„Gerade vor dem Wochenende müssen wir deshalb handeln, um sämtliche verzichtbare soziale Kontakte zu unterbinden“, erklärt Wolff. „Bleibt zuhause!“, lautet sein Appell an die Bürger. Eindringlich bittet das Stadtoberhaupt auch die Eltern, auf die Jugendlichen einzuwirken, sich an die Anordnungen zu halten.

Immer aktuell:

„Allgemeinverfügung der Stadt Bretten über ein Betretungsverbot öffentlicher Flächen zur Verhinderung der Verbreitung des Coronavirus“ heißt der städtische Erlass im Behördenjargon. Dabei handelt es sich um eine vom Brettener Ordnungsamt erstellte Musterverfügung, die sich an der jüngsten Verordnung der Stadt Stadt Freiburg orientiert.

Eine überarbeitete Version davon hat das Landratsamt an die anderen Kreisgemeinden geschickt. Eine Ausgangssperre, wie sie bei einem Katastrophenfall angeordnet wird, sei die Verordnung zwar nicht, betont Simon Bolg. Doch die Einschränkungen seien kaum minder restriktiv – mit Ausnahme der Ausnahmen, erklärt der Leiter des Brettener Ordnungsamts. Die behördlichen Vorgaben, die ab sofort gelten, will die Stadt Bretten sorgfältig überwachen. Das tut sie übrigens bereits seit Anfang der Woche.

„Jetzt wird es ernst“, kommentiert Bolg die aktuelle Lage. Darum sei man auch mit verstärkter Besetzung draußen präsent, auch übers Wochenende. Keine leichte Aufgabe, denn die Stadt verfügt allein über 70 Spielplätze, dazu die Parks und öffentlichen Plätze, die Geschäfte und Restaurants.

„Wir haben Teams gebildet, um eine größere Reichweite und eine höhere Schlagkraft bei der Kontrolle zu entwickeln“, informiert der Ordnungsamtschef. Nach seinem Eindruck herrschte Anfangs der Woche bei den Bürgern noch merklich größere Sorglosigkeit vor . Mittlerweile spüre man jedoch schon merkliche Veränderungen. Alexander Dörr, einer der städtischen Vollzugsbeamten, kann das bestätigen.

Die Einzelhändler hätten es nicht gleich wahrhaben wollen, ein Großteil der Geschäfte sei auch am Mittwoch noch offen gewesen. Mittlerweile seien die Läden aber geschlossen. Einzelfälle müssten noch geprüft werden, etwa bei Kiosken mit Poststelle oder Drogeriemärkten mit Zusatzsortiment.

Auf den Spielplätzen hätten sie immer noch Gruppen von Kindern und Jugendlichen angetroffen. „Wir haben sie aufgeklärt und nach Hause geschickt“, berichtet der Stadtsheriff.

"Ausgangssperre" wegen Corona greift überall im Landkreis Karlsruhe

Auch in Gondelsheim greift die landkreisweite Verfügung, die viele umgangssprachlich "Ausgangssperre" nennen, auch wenn sie das zumindest nicht ganz ist. Die Verordnung untersagt aber unter anderem auch die Außenbewirtschaftung. Zulässig seien nur noch Bring- und Holdienste, informiert Bürgermeister Markus Rupp, der sämtliche Gastronomen im Ort darüber informiert hat und weitgehend auf Verständnis stieß.

Nach Einschätzung von Steven Heim, Vollzugsbeamter in Gondelsheim. ist die bedrohliche Lage noch nicht bei allen angekommen. „Da sitzen immer noch Familien mit Kindern auf dem Spielplatz, und Kids treffen sich zum Kicken“, berichtet er. So langsam komme die Bedrohlichkeit der Lage aber bei den Leuten an, meint er.

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