Skip to main content

Konkurrenz nicht erwünscht – Zoff wird zum Politikum

Kein Platz für Training und Spiele: Handfester Streit um Neugründung des FC Fatihspor Oberderdingen

Der Fußballkreis Bruchsal darf zur kommenden Saison einen neuen Verein begrüßen: Den FC Fatihspor Oberderdingen. Noch fehlt den überwiegend türkisch-stämmigen Fußballern aber ein Platz für Training und Spiele. Aktuell müssen die Kicker auf einen Bolzplatz in Kraichtal-Gochsheim ausweichen.

Streitpunkt Sportgelände: Der FC Fatihspor möchte die Anlage für Training und Heimspiele nutzen. Der SV Oberderdingen und die Gemeindeverwaltung zeigten in diesem Punkt aber bislang wenig Bereitschaft zum Gespräch. Foto: Jan Prihoda

Noch vor ein paar Jahren spielte Fatih Yurdakul als Profi-Fußballer in den großen Stadien der Türkei. Nun steht der gebürtige Brettener, der Vorsitzender des neugegründeten FC Fatihspor Oberderdingen ist, am Rande eines Bolzplatzes in Gochsheim und sieht seiner Mannschaft beim Training zu.

Team startet in Kreisklasse C

Als Teil des Fußballkreises Bruchsal wird das Team ab September in der Kreisklasse C antreten, wie der Club das bewerkstelligen möchte und vor allem: wo er seine Heimspiele austragen wird, ist in diesen Tagen aber höchst ungewiss.

Denn in Oberderdingen, wo der FC Fatihspor seit 2019 als gemeinnütziger Verein eingetragen ist, scheint die Konkurrenz zum alteingesessenen SV Oberderdingen nicht erwünscht. Dieser Eindruck verfestigt sich, wenn man sich im Ort umhört. Der Streit reicht mittlerweile bis in die Amtsstuben des Rathauses.

Jeder Verein hat eigene Version

All dies hat auch viel mit der Vorgeschichte zu tun, die beide Seiten unterschiedlich erzählen. Beim SVO klingt sie so, dass der neue Club aus heiterem Himmel wenige Tage vor der Wechselfrist am 30. Juni gleich 13 Spieler aus dem eigenen Junioren- und Erwachsenenbereich abgeworben hätte, die zuvor noch ihr Bleiben zugesichert hatten und man infolgedessen seine zweite Mannschaft abmelden musste.

Zum Training muss der FC Fatihspor Oberderdingen auf einen Bolzplatz in Kraichtal-Gochsheim ausweichen. Foto: Marcel Winter

Ich habe nach diesem ganzen Hin und Her Ende Juni zwei Nächte nicht geschlafen
Thorsten Dittes, SVO-Vorsitzender

Ähnlich aufgelöst wie das Reserve-Team des SVO zeigte sich dessen Vorsitzender, Thorsten Dittes, dem die Sache sichtlich zu schaffen macht. „Das alles trifft uns sehr. Ich habe nach diesem ganzen Hin und Her Ende Juni zwei Nächte nicht geschlafen“, sagt er. Die ehrenamtliche Arbeit im Verein werde mit Füßen getreten, hat der Club auf seiner Homepage geschrieben.

Der FC Fatihspor rechtfertigt sich und weist darauf hin, dass es durchaus im vergangenen Jahr schon Gespräche der Vorsitzenden gegeben habe. „Ich wundere mich, dass beim SVO nach der Vereinsgründung keine Hellhörigkeit entstanden ist. Aus meiner Sicht hätte man frühzeitig und auch lösungsorientiert das Gespräch suchen müssen“, sagt etwa Andreas Krall, der gemeinsam mit Cabbar Yilmaz den FC Fatihspor trainiert.

Krall selbst coachte bis zuletzt die A-Junioren des SVO – dies eine weitere brisante Randnotiz des ganzen Disputs. Zum Thema Abwerbungen sagt der Vorsitzende Yilmaz: „Erst seit dem Verbandstag am 20. Juni war klar, dass die Runde abgebrochen wird. Wir hatten also genau zehn Tage Zeit, um die Wechsel zu beantragen.“

Dem SV Oberderdingen hätte durchaus klar sein können, dass es so kommt. Viele der gewechselten Spieler bestätigen jedenfalls, dass mit ihnen nicht gesprochen wurde und es damit auch keine Zusagen für einen Verbleib beim SVO gegeben habe. Hier steht Aussage gegen Aussage.

FC Fatihspor fehlt Platz für Training und Spiele

Nun bleibt die offene Frage mit der Spielstätte. Der FC Fatihspor hatte bereits im vergangenen November bei der Gemeinde einen Antrag auf Nutzung der beiden Plätze im Sportzentrum gestellt. Eine Antwort gab es bis zum heutigen Tage nicht.

Logo des FC Fatihspor: Der neue Oberderdinger Fußballclub wurde im vergangenen Jahr gegründet. Foto: FC Fatihspor Oberderdingen

„Mit Demokratie hat das für mich nichts zu tun”, findet der Vorsitzende Yurdakul. Mehrere Mails, zuletzt eine vom vergangenen Freitag, blieben zudem unbeantwortet. Auf BNN-Anfrage lässt Bürgermeister Thomas Nowitzki schriftlich ausrichten, dass der Gemeinderat informiert wurde und dieser der Auffassung sei, „dass sich beide Vereine zusammensetzen und möglichst gemeinsam eine Lösung finden sollten. Für die Integration ist dies die bessere Lösung!“

Rechtssituation der Sportplatzverpachtung wird geprüft

Geprüft wird aktuell die Rechtssituation der Sportplatzverpachtung, wobei der SV Oberderdingen wissen lässt, dass beide Plätze, wie auch die Kabinen, die ohnehin dem Verein gehören, voll ausgelastet sind.

Auf welcher Seite die Gemeindeverwaltung zu stehen scheint, zeigt der letzte Satz in Nowitzkis Antwortschreiben: „Sicherlich ist es eine ungute Situation, wenn ein Traditionsverein kurz vor Meldeschluss mitgeteilt bekommt, dass zur kommenden Saison mehr als ein Dutzend Spieler und ein Trainer zum FC Fatihspor Oberderdingen wechseln. Da so das Gesprächsklima schlecht ist, kann wohl jeder nachvollziehen“, heißt es da.

In Vorwürfe mischen sich auch Rassismusvorwürfe

Seit einigen Tagen fliegen nun in den sozialen Netzwerken auf auf den Internetseiten der Vereine die gegenseitigen Vorwürfe hin und her. Immerhin vom FC Fatihspor erhobene Rassismusvorwürfe gegen einen Funktionär des SV Oberderdingen konnten mittlerweile ausgeräumt werden.

Der SVO sah sich zu einer Entschuldigung auf seiner Homepage gezwungen. Es sei „in keinster Weise um rassistische, ausländerfeindliche Aussagen [gegangen], sondern lediglich um die Empörung und Enttäuschung über den Spielerwechsel”, steht dort geschrieben.

Zu direkten Gesprächen sieht der SVO-Vorsitzende Dittes aktuell keinen Anlass. Das Angebot einer Kooperation seitens des Konkurrenten wurde mit Blick auf die Vorgeschichte als blanker Hohn aufgefasst.

Der FC Fatihspor hat wiederum einen Anwalt eingeschaltet, um die Nutzung der Oberderdinger Plätze prüfen zu lassen und befindet sich parallel in Gesprächen mit der Stadt Kraichtal und dem FSV Bahnbrücken, um vorübergehend möglicherweise auf der dortigen Anlage trainieren und spielen zu können. Ob diese bis September für den Spielbetrieb zugelassen würde, ist aber mehr als unklar. Sechs Wochen bleiben bis zum Saisonstart.

Zoff könnte sich noch hinziehen

Die Lage in Oberderdingen scheint also ziemlich festgefahren. Das Zwischenfazit in einem Zoff, der sich wohl noch länger hinziehen wird, sieht damit verheerend aus.

Da ist einerseits ein Traditionsverein, der zuletzt ohnehin sportlich zu kämpfen hatte, nur wegen des Saisonabbruchs nicht in die B-Klasse durchgereicht wurde und dem nun die halbe Mannschaft wegbricht. Dann ist da ein neuer, türkischer Club, der Rassismusvorwürfe erhebt und der in der Kritik steht, dem SVO sittenwidrig Spieler abgeworben zu haben.

Und dann ist da nicht zuletzt die Gemeinde, die Partei ergreift und für den FC Fatihspor, der berechtigte Fragen stellt, auf Tauchstation gegangen ist. Wo man in Oberderdingen hinschaut: Es gibt nur Verlierer.

nach oben Zurück zum Seitenanfang