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Nicht alle Bürger überzeugt

Neue Biotonne im Kreis Karlsruhe: Vor- und Nachteile der drei Methoden

Lange haben sie sich gewehrt im Landkreis Karlsruhe gegen die Biotonne. Schließlich war aber der Druck der Landesregierung zu stark. Und so kommt eine komplette Mülltrennung ab dem nächsten Jahr. Bis 10. Juli müssen sich die Einwohner im Kreis Karlsruhe entscheiden.

Hier entsteht Energie aus organischem Abfall: Auch zur Biogasanlage in Sinsheim kommt ab 2021 der Stoff in den neuen Biotonnen im Kreis Karlsruhe. Dessen Einwohner können aber auch im Garten kompostieren oder Bioabfall selbst wegbringen. Foto: pr

Lange haben sie sich gewehrt im Landkreis Karlsruhe gegen die Biotonne. Kreisverwaltung und Politiker fanden, in einem ländlichen Gebiet müssen Apfelschalen und andere Essensreste nicht extra eingesammelt werden. Sie landen im Kompost oder im Restmüll. Schließlich war aber der Druck der Landesregierung zu stark. Und so kommt eine komplette Mülltrennung ab dem nächsten Jahr.

Bis 10. Juli müssen sich die Einwohner im Kreis Karlsruhe entscheiden, wie sie mit dem Biomüll umgehen. Drei Wahlmöglichkeiten gibt es. Und noch einige gewichtigen Tonnen-Fragen.

„Ich brauche keine Biotonne, wir haben keinen Garten. Und die Schalen von Äpfeln oder Orangen könnte ich doch wie bisher in den Restmüll geben. Diese Tonne wird doch sowieso nicht voll“, findet Frau J. aus Ubstadt-Weiher.

Wer keine Biotonne wählt, muss das Bringsystem nutzen

Aber 2021 wird es komplizierter für die Mieterin und ihre Familie. Sie muss sich erst noch an das künftige Abfallsystem im Landkreis Karlsruhe gewöhnen.

Denn vom Bringsystem für Biomüll hat sie bislang noch nichts gehört. Trotzdem muss sie sich bis zum 10. Juli genau dafür entscheiden. Sofern Sie eben keine Biotonne wünscht – und ihr Vermieter zwingt ihr auch keine auf.

Auch Kompostierung  muss gemeldet werden

Damit die gesetzlich vorgeschriebene Abfalltrennung nun sogar im Landkreis „amtlich“ wird, müssen sich die Bürger derzeit für eine von drei Möglichkeiten mit dem Biomüll entscheiden: Also die eigene Kompostierung schriftlich bestätigen – und das Porto dafür selbst zahlen.

Oder die organischen Abfälle wie Fleisch und Speiseabfälle mit kostenlosem Eimer und Tüten aufbewahren und selbst zum Wertstoffhof beziehungsweise Grünschnittplatz bringen. Oder für mindestens 74,40 zusätzliche Euro im Jahr eine Biotonne bestellen, die regulär 14-tägig geleert wird.

Wohin geht der Biomüll aus dem Landkreis Karlsruhe?

Die derzeit laufende „Bedarfsabfrage“ des Landkreises Karlsruhe bei seinen Bürgern lässt gewichtige Fragen offen und manche Einwohner skeptisch zurück. „Es herrscht noch großes Unverständnis, weil man nicht weiß, wohin der Bioabfall geht und, dass Biogas daraus wertvoller ist, als der Strom aus herkömmlicher Müllverbrennung, außerdem entsteht teilweise wieder Kompost“, sagt Uli Roß, Kreisrat aus Waghäusel, nach vielen Gesprächen mit Bürgern.

Die Biotonne ist bequemer, aber auch teurer.
Bernhard Steltz

Sein Kollege Bernhard Steltz aus Bad Schönborn ergänzt: „Viele, die keinen Garten haben, müssen abschätzen, ob sie den Biomüll wirklich wegbringen wollen, auch wenn es wenig ist. Die Biotonne ist bequemer, aber auch teurer.“

Tonne kommt wegen Druck vom Umweltministerium

Dass die braune Tonne überhaupt kommt, hat mit Druck des Umweltministeriums Baden-Württemberg auf den Landkreis zu tun. Dessen Verwaltung und Gremien wehrten sich lange, aber vergeblich, gegen die Politik aus Stuttgart.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Schwarz aus Bretten sagt dazu: „Ich war schon immer eine Befürworterin der Biotonne und habe lange für die Einführung geworben.

Das ist eine gute Sache, die ich mir eigentlich schon früher gewünscht hätte. Bioabfall ist eine Ressource, die man viel zu lange nicht genutzt hat.“

Die schwarze Restmülltonne und die grüne für den Wertstoff bekommen im Landkreis Karlsruhe Zuwachs. Ab 2021 können sich Einwohner für die Biotonne entscheiden. Sofern sie organischen Müll nicht selbst kompostieren oder wegbringen. Foto: Heintzen

„Aber was nutzt mir die Werbung des Landkreises, dass ich weniger Restmüllleerungen bezahlen müsste, sobald die Biotonne kommt. Das ist doch eine Milchmädchenrechnung“, findet Herr H. aus Bruchsal: „Wenn Tonnen in der Sonne stehen vor dem Haus, dann muss ich sie aus hygienischen Gründen leeren lassen, egal wie voll sie sind. Und das kostet. Abgesehen davon, dass man einen Platz für das neue Ding finden muss.“

Bioabfälle dürfen in Zukunft nicht mehr in die Restmülltonne

Die Hauptfrage in der ganzen Angelegenheit wird von einer Brettenerin schließlich so formuliert: „Warum kann man nicht weiterhin die zehn Kaffeepads sowie die wenigen Zwiebelschalen, die im Laufe einer Woche anfallen, einfach in die Restmülltonne werfen?“ Auf dem kreiseigenen Portal „die-biotonne.de“ wird vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises darauf verwiesen, dass genau das nicht erwünscht ist und vermieden werden soll.

Eben weil man den Bioabfall getrennt erfassen will. Kontrollen, so klingt es in den offiziellen Antworten durch, werde es noch nicht geben. Man vertraue auf die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Allerdings gilt auch: Mit Restabfällen verschmutzte Bioabfälle sind dann doch über die Restmülltonne zu entsorgen.

Mieter und Vermieter müssen sich über Biomüll einigen

Korrektes Mitmachen hin und Bio-Bewusstsein her: Es gibt wichtige Details zu beachten. Die Bürger mit Kompostierung oder Hochbeet im eigenen Garten müssen 18,40 Euro bezahlen, wenn sie nun einen kleineren Restmüllbehälter bestellen. Wer eine Biotonne ordert, muss nichts bezahlen, wenn das Restmüllvolumen kleiner wird.

Aufpassen und sich einigen müssen Mieter und Vermieter durch die Einführung der dritten Tonne. Darauf weist Harry Mühl vom Verband „Haus und Grund Bruchsal/Philippsburg“ hin: „Mit den Mietern sollte eine Zusatzvereinbarung vor der Bestellung der Biotonne getroffen werden. Denn weil sie freiwillig ist, könnten die Bewohner später darauf hinweisen, dass es nicht wirtschaftlich und zu teuer ist, sie anzuschaffen.“ Insgesamt begrüßen die organisierten Wohnungseigentümer jedoch die Freiwilligkeit beim Umgang mit Bioabfall.

Drei Sammel-Varianten für Biomüll im Kreis Karlsruhe

Es gibt künftig drei Möglichkeiten, um Bioabfall  im Kreis Karlsruhe zu sammeln beziehungsweise um ihn zu entsorgen. Eine davon ist die Biotonne, die man ab Anfang 2021 nutzen kann. Die Biotonne gibt es – analog zur Restmüll- und Wertstofftonne – für Privathaushalte in drei Größen (80, 120 und 240 Liter).

Wie die Restmüll- und die Wertstofftonne wird auch die Biotonne alle 14 Tage gelehrt, nicht zuletzt deshalb ist diese Variante auch kostenpflichtig. In den Monaten Mai bis September ist eine wöchentliche Leerung der Biotonne möglich, dieser Service kostet entsprechend mehr.

Alternatives Bringsystem ist kostenlos

Die zweite Möglichkeit ist das sogenannte Bringsystem. Dabei sammelt man die Bioabfälle zuhause in speziellen Beuteln, die wiederum in einem speziellen Transporteimer zu einem Grünabfallsammelplatz im Landkreis gebracht werden müssen.

Dort kann man zu den geltenden Annahme- und Öffnungszeiten seine Beutel in die dortigen Biotonnen werfen. Diese Variante ist kostenfrei, zudem erhält man auf dem jeweiligen Sammelplatz kostenlos neue Biobeutel.Kompostieren im eigenen Garten als Kombination

Daneben gibt es noch als dritte Variante das Kompostieren im eigenen Garten. Gerade in ländlicheren Regionen wird dies bereits jetzt in vielen Haushalten praktiziert. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass einige bestimmte Bioabfälle wie Fleisch- und Fischreste nicht auf den heimischen Kompost gehören.

Ein Kombination mit der Biotonne oder dem Bringsystem ist möglich und wird vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Karlsruhe empfohlen.

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