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Brettener Händler in Not

VBU-Vorsitzende Marion Klemm: „Viele haben keine Reserven“

Als konfus und schwer nachvollziehbar bezeichnen Brettener Gewerbetreibende manche Regelungen des Shutdowns. Viele Betriebe befinden sich in Schieflage und mancher kämpfe, vor allem im Gastgewerbe, um die Existenz, erklärt Marion Klemm, die Vorsitzende der Vereinigung Brettener Unternehmer.

Weihnachtsmann allein auf weiter Flur: Obwohl in der Brettener Fußgängerzone nach wie vor einige Geschäfte geöffnet sind, ist die City während des Lockdowns nahezu menschenleer. Foto: Christof Bindschädel

Die Auswirkungen des zweiten Shutdowns auf das Brettener Gewerbe schildert die Vorsitzende der Vereinigung Brettener Unternehmer (VBU). Wie sehr er treffe, sei branchenabhängig. Manche Regelungen seien kaum nachvollziehbar und einige Betriebe kämpften um ihr Überleben, so Marion Klemm.

„Handwerker sind, wie ich höre, oft bis zu Monate ausgebucht“, so die VBU-Vorsitzende. Die meisten arbeiteten ohne Einschränkungen, einzelne übernähmen aus Respekt vor dem Virus nur Zwingendes.

„Und die Industrie fährt teilweise Mehrschichtbetrieb und systemrelevante Dienstleister wie Auto-Werkstätten oder aus der Gesundheitsbranche sind froh, weiter machen zu dürfen“, führt Klemm aus.

Manches Schiff ist schon in Schieflage.
Marion Klemm, Vorsitzende der Vereinigung Brettener Unternehmer.

Einige VBU-Mitglieder teilten ihr mit, es herrsche „Unsicherheit, wer genau aktiv sein darf. Muss etwa der Schreibwarenhandel komplett schließen, der als Dienstleister im EDV-Druckbereich beispielsweise Baupläne kopiert? Stoffe dürfen nicht verkauft werden, aber darf die als Handwerk geltende Schneiderarbeit dazu im gleichen Raum erbracht werden? Es ist konfus“, betont Klemm.

Zweiter Lockdown trifft viel härter

Betriebsinhaber in der Fußgängerzone bedauerten, dass man nicht nach der Quadratmeter-Regel verfahre. „Ein Gedränge in den Innenstadtgeschäften gibt es in Bretten ja nicht“, so Klemm.

Sie wagt einen Blick in die Zukunft: „Sorgenkinder sind unser Einzelhandel und die Gastronomie. Aus fehlenden Anlässen brauchen die Menschen gerade weder neue Kleidung noch Schuhe und die Essensauslieferungen sind ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der eine oder andere Gastro-Betrieb wird wohl nicht überleben.“ Der zweite Lockdown treffe „viel härter als im Frühjahr“, meint Klemm und: „Manche Händler und Restaurantbesitzer schwitzen, da sich ihr Schiff schon in Schieflage befindet.“

Viele haben keine Reserven.
Marion Klemm, Vorsitzende der Vereinigung Brettener Unternehmer.

Auf manche Not trotz staatlicher Hilfen weist Klemm zudem hin: „Während im Frühjahr die Hilfen schnell ausgezahlt wurden, stocken die Novemberhilfen. Löhne, Krankenkassen, Sozialversicherungen und Finanzamt werden aber pünktlich abgebucht. Viele haben keine Reserven.“ Mit vorsichtigem Optimismus warte man auf Vorgaben und Zahlungen.

Kurzarbeit wird häufig genutzt

Ob es zu Geschäftsaufgaben komme, hänge von der Länge des Lockdowns ab, von der Betriebsgröße und ob Nachholeffekte, wie im Frühjahr teilweise, den Lockdown etwas abfedern könnten. Allerdings sei ein Nachholen nicht in jeder Branche möglich. „Für alle Betriebe mit mehreren Mitarbeitern ist aber die Kurzarbeit ein gutes Instrument, um oft seltenes Fachpersonal zu halten“, sagt Klemm. Diese kostenneutrale Möglichkeit werde im VBU hochgeschätzt und wahrgenommen.

Marion Klemm, die Vorsitzende der Vereinigung Brettener Unternehmer (VBU). Foto: Christof Bindschädel

Trotz allem spiele Dankbarkeit für Klemm eine große Rolle: „Wir leben in Frieden, in warmen Wohnungen und Häusern. Das ist nun auch eine Zeit der Demut und Reduzierung aufs Wesentliche. Wir haben jetzt die Möglichkeit zu erkennen, was und wer uns wichtig ist. Das Leben nach Corona wird für viele ein anderes sein.“

Service

Um das Gewerbe zu stärken, erinnert die Stadt an die Aktion „Bretten hält zusammen“. Unter www.erlebebretten.de informieren Unternehmen über Lieferdienste, Versandservice und mehr sowie ihre Erreichbarkeit im zweiten Lockdown. Firmeninhaber können sich unter einkaufsfuehrer@bretten.de ans Stadtmarketing wenden für den Eintrag unter der Rubrik „Bretten hält zusammen“.

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