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Welttag des Flüchtlings

„Verlorene Schuhe“ in der Brettener Fußgängerzone rütteln Passanten auf

Ein Haufen ausgelatschter Schuhe und eine alte Reisetasche, achtlos auf den Boden gestreut sind der Blickfang für Passanten am Brettener Marktplatz. Die wie Strandgut ausgestreuten Habseligkeiten sollen für das Schicksal von Flüchtlingen sensibilisieren.

Strandgut: „Verlorene Schuhe“ hieß die Aktion, mit der der Internationale Freundeskreis Bretten (DAF) auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam machte. Foto: Ebert

Bretten. Ein Haufen ausgelatschter Schuhe und eine alte Reisetasche, achtlos auf den Boden gestreut sind der Blickfang für Passanten, die am Freitag den Brettener Marktplatz passieren. Ein Aufsteller erläutert den Schuhberg, der wie angespültes Strandgut wirkt. Und genau daran soll er als Hingucker erinnern.

„Während man sich in Bretten über ein Bauprojekt und die Sitzordnung im Gemeinderat streitet, sind weltweit 80 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Verletzung der Menschenrechte“, sagt Gerhard Junge-Lampart. Die verlorenen Schuhe erinnern an die vom Meer angeschwemmten Schuhe,Rettungswesten und Rucksäcke von verschollenen oder ertrunkenen Flüchtlingen.

Freundeskreis will mit Passanten ins Gespräch kommen

Der Vorsitzende des DAF-Internationaler Freudeskreis Bretten hat die Aktion mit Vereinsmitgliedern zum Tag des Flüchtlings in Szene gesetzt und versucht, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Mit der Aktion will man ein Zeichen setzen und Einfühlungsvermögen wecken.

„Das Thema war empathisch schon mal besser besetzt, man hat den Eindruck, dass sich die Stimmung und die Debatte in den letzten Jahren verhärtet haben“, sagt der DAF-Vorsitzende. Am Infostand erfahren er und seine Mitstreiter sowohl freundlichen Zuspruch als auch heftigen Widerspruch.

„Man hat uns als Gutmenschen tituliert, die auf Kosten der Allgemeinheit Menschen ins Land holen und die Kosten dafür der nächsten Generation aufbürden“, berichtet Junge Lampart von einem Gespräch. „Die Gewinne der deutschen Rüstungsindustrie halten sich vielleicht die Waage mit den Kosten, die wir für Geflüchtete aufbringen“, sagt Pfarrer Gunter Hauser.

Der Beauftragte des evangelischen Kirchenbezirks für Flucht und Migration hat sich zum Infostand hinzugesellt und bringt seine Erfahrungen mit ein. Immerhin habe Deutschland im vergangenen Jahr Rüstungsgüter im Wert von acht Milliarden Euro exportiert und sei damit mitverantwortlich für Tod und Vertreibung.

Vorsitzender krisitiert deutsche Politik

Ein Integrationskurs mit Geflüchteten kommt vorbei und bleibt am Infostand stehen. Ghaouti Mimoune, der 1961 aus Algerien als Flüchtling nach Deutschland kam, erzählt ihnen seine Geschichte. „Ich habe Schreckliches erlebt und bin froh, dass ich in Deutschland solche Leute kennengelernt haben, die mich aufgenommen und unterstützt haben“, bekundet er.

„Noch immer sterben Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer, im ersten Halbjahr 2020 waren es 340“, sagt der DAF-Vorsitzende und kritisiert die europäische Abschottungspolitik und die Kriminalisierung der Seenotrettung im Mittelmeer. 138 deutsche Städte hätten sich zu sicheren Häfen erklärt und wollten mehr Flüchtlinge aufnehmen, aber sie dürften es nicht.

In einer selbst zusammengestellten Broschüre erklärt der Freundeskreis, warum Menschen aus Syrien oder Eritrea fliehen, wie es mittlerweile auf der Insel Lesbos aussieht und was unsere Gesellschaft fehle: Mitleidensfähigkeit und Einfühlungsvermögen.

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