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Diskussion um Koran-Suren

Gut 100 Gegendemonstranten zeigen Rechtspopulist Stürzenberger in Bruchsal die kalte Schulter

Bewaffnet waren sie mit bunten Schirmen, ihre Mission sollte aber eine friedliche sein: Gut 100 Menschen demonstrierten gegen den Auftritt von Pegida-Frontmann und Rechtspopulist Michael Stürzenberger und für mehr Menschlichkeit in Bruchsal.

Bunte Flaggen gegen Dauerredner: Michael Stürzenberger sprach am Freitag über mehrere Stunden auf dem Bruchsaler Marktplatz. Gut 100 Demonstranten vom Bündnis für Menschlichkeit hielten dagegen. Foto: Martin Heintzen

Für den einstigen Flüchtling Ghaouti Mimoune gab es kein Zögern: „Ich habe schon mehr Steuern gezahlt als du.“ Das hat er am Freitagnachmittag Michael Stürzenberger ins Gesicht gesagt. Danach ist er zur Gegendemonstration gegangen.

Der Rechtspopulist Stürzenberger und seine Bewegung Pax Europa hatten zur Kundgebung vor das Bruchsaler Rathaus geladen. Gegen den politischen Islam, das war das Leitthema. Der Gondelsheimer Mimoune hielt mit etwa 100 anderen dagegen. Das „Bündnis für Menschlichkeit“ hatte zur Mahnwache geladen.

Der in der Region bekannte, einstige Gewerkschafter Mimoune zeigt sich trotz Stürzenbergers verbalem Dauerfeuer gelassen. Er hat andere Stürme erlebt. Aus dem Algerien der Kolonialzeit stammend, in Frankreich inhaftiert und gefoltert, konnte Mimoune in den 60er-Jahren in Deutschland eine neue Heimat finden, so fasst er sein Leben kurz zusammen. Als Muslim fühlt er sich von Stürzenberger diskriminiert.

Das Antikonfliktteam ist meine schärfste Waffe heute
Uwe Mangang, Polizist

Gut 100 Meter Luftlinie hält dieser seit drei Stunden einen Vortrag. Wanderprediger wurde der Pegida-Aktivist schon genannt, längst hat der Verfassungsschutz ein Auge auf ihn und seine Bewegung Pax Europa geworfen.

Die Polizei ist bei der Stürzenberger-Demo in Bruchsal mit einem Anti-Konflikt-Team vor Ort

Gegen 15 Uhr haben sich einige Dutzend Menschen um ihn geschart. Es gibt kleinere Geplänkel, einige Beleidigungen, aber es bleibt vorerst ruhig. Junge Leute lassen sich auf Diskussionen ein. Es geht um Terroranschläge in Frankreich, um die Weiße Rose und Erdogan. Es geht um Mao und Macron, um Judenhass und den Kommunismus und immer wieder um die Gefahren des politischen Islams.

Stürzenberger zitiert Koran-Suren, will beweisen, dass der Koran zur Tötung Ungläubiger aufrufe und erntet dafür auch Beleidigungen von offenbar muslimischen jungen Männern. Die Polizei hält sich im Hintergrund. „Das Anti-Konflikt-Team ist meine schärfste Waffe heute“, sagt Uwe Mangang vom Polizeirevier Bruchsal.

Konfrontation vor dem Rathaus: Als das Bündnis für Menschlichkeit eintrifft, hat Michael Stürzenberger schon fast vier Stunden gesprochen. Sein Thema: Der politische Islam. Foto: Martin Heintzen

Mit bunten Fahnen und Schirmen schart derweil SPD-Kreisrat Eberhard Schneider die Gegendemonstranten am Friedrichsplatz um sich. Knapp 100 sind erschienen, darunter Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick. „Für ein menschliches, weltoffenes Bruchsal“ stehe sie hier.

Auch sie hatte zuvor bei Stürzenberger vorbeigeschaut und sich ein kurzes Wortgeplänkel geliefert, berichtet sie und winkt ab. „Wir sind hoffentlich wirkungsmächtiger. Es muss leider sein. Die Botschaft des Respekts voreinander muss weitergetragen werden, in Kindergärten, Schulen und in unsere Herzen.“ Schneider pflichtet ihr bei: „Wir wollen klare Kante gegen rechts zeigen.“

Vor zwei Jahren trafen sich Hunderte Anhänger von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke genau an der Stelle, wo am Freitag Eberhard Schneider sprach. Noch heute ist der einstige Gewerkschaftsfunktionär stolz, „dass Bruchsal damals mit einer großen bunten Menschenkette ein starkes Signal gesendet hat.“

Kleinere Diskussionen am Rande der Demo in Bruchsal

Als die Gegendemo um kurz vor vier Richtung Rathaus aufbricht, spricht Stürzenberger mit wenigen Unterbrechungen bereits seit fast vier Stunden. Es geht um den Terroranschlag vom Berliner Breitscheidplatz, um die Opfer. „Das hättet ihr sein können“, ruft er in die Menge.

Ein Polizist erteilt gerade in aller Seelenruhe einem jungen Mann einen Platzverweis. Immer wieder sei er mit Beleidigungen gegen Stürzenberger aufgefallen, jetzt sei Schluss. Als das Bündnis für Menschlichkeit bei Stürzenberger ankommt, feixt dieser, lädt zur Diskussion ein.

Viele Demonstranten drehen dem Redner aber den Rücken zu, bilden mit ihren bunten Schirmen eine Kette um die Gitterabsperrung und verweilen einige Minuten dort. Die Konfrontation verläuft weitgehend ruhig, am Rande gibt es kleinere Diskussionen.

Das Antikonfliktteam steht unter Anspannung, bis Schneider die Gegendemonstranten zum Rückzug auffordert. Derweil Stürzenberger noch immer weiterspricht, selbst als langsam die Dämmerung über Bruchsal einbricht.

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