Skip to main content

Pandemie-Provisorium

Bruchsaler Amtsgericht nutzt Hofkirchensaal als großen Sitzungsraum

Im Amtsgericht Bruchsal sind die üblichen Sitzungssäle zu klein, um bei vielen Beteiligten die Abstandspläne einzuhalten. Deshalb hat die Justiz in einem anderen Teil des Schlossbezirks ein Pandemie-Provisorium eingerichtet.

Helles Ambiente im Provisorium: Amtsgerichtsdirektorin Andrea Clapier-Krespach im Hofkirchensaal Bruchsal. Der renovierte Raum im Schlossbezirk dient während der Pandemie als großer Sitzungssaal. Foto: Martin Heintzen

Nach Provisorium schaut es auf den ersten Blick nicht aus: Der Parkettboden strahlt Frische aus, die Wände sind neu gestrichen, vor dem Richtertisch ist eine anthrazitfarbene Verkleidung angebracht. Die Fahnen fehlen ebenfalls nicht im Hofkirchensaal Bruchsal: Die Symbole für Europa in blau, für Deutschland in Schwarz-Rot-Gold und für Baden-Württemberg in Schwarz-Gold.

Das Amtsgericht Bruchsal könne „auf jeden Fall im würdigen Rahmen hier verhandeln“, sagt Direktorin Andrea Clapier-Krespach. Dennoch bleibe der zusätzliche Sitzungssaal ein Provisorium.

Nutzung wegen Abstands- und Hygieneregeln

„Wir werden ihn nur nutzen, so lange die Pandemie andauert und wir also Abstands- und Hygieneregeln bei Terminen mit vielen Personen einhalten müssen.“ Das ist beispielsweise der Fall, wenn mehr als drei Personen angeklagt sind. Das kommt in der Jugendgerichtsbarkeit häufiger vor.

Clapier-Krespach zählt auf: „Nehmen wir eine Gruppe von sechs Angeklagten, dann haben wir bis zwölf Eltern dabei, sechs Jugendgerichtshelfer, ein bis zwei Gutachter und die Verteidiger: Selbst wenn die Verhandlung nicht öffentlich ist, kommen so viele Menschen zusammen. Sie hätten in unseren üblichen Sälen aktuell gar keinen Platz.“

Aus Sicherheitsgründen musste man in der Nachbarschaft fündig werden

Das Amtsgericht ist im früheren Hofamt des Schlosses, gegenüber dem Ehrenhof untergebracht. Dort befinden sich im Erdgeschoss zwei Sitzungssäle, inzwischen mit Plastikabtrennungen. Doch bereits im Frühjahr hat die Direktorin nach einem größeren Saal gesucht.

Der große Vorteil des Hofkirchensaals wird beim Blick aus einem der nördlichen Fenster deutlich: Zu sehen sind sowohl das Amtsgerichtsgebäude als auch das Gefängnis Bruchsal. „Diese Nähe ist unter anderem aus Sicherheitsgründen notwendig“, erklärt Clapier-Krespach.

Deshalb sind zwei Stellplätze auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz reserviert. Häufig müssen Angeklagte aus der Haft vorgeführt werden. Der Saal hat allerdings auch Nachteile: Keinen Beratungsraum und keine Toiletten.

Bis zu 35 Sitzplätze für Zuhörer

Beim Mobiliar wird deutlich: Dort sitzt man nicht an Schreibtischen, sondern an Veranstaltungsmöbeln. Immerhin haben die Stühle fürs Justizpersonal eine grüne Polsterung. Für Zuhörer von Verhandlungen und, noch wichtiger, für oft zahlreiche Interessenten von Zwangsversteigerungen stehen bis zu 35 Sitzplätze zur Verfügung.

Eigentümer auch dieses Teils des Schlossbezirks ist das Land Baden-Württemberg. Das zuständige Amt für Vermögen und Bau stellte den Raum nach Handwerksarbeiten zur Verfügung. Mehr Steckdosen wurden angebracht und weiße Paneelen an den Wänden strahlen die Wärme der Heizung ab.

Die Baugeschichte des Hofkirchensaals kennt Petra Pechaček: „Er befindet sich im ehemaligen Seminarbau, der unter Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn errichtet worden ist und 1726/27 unter Dach gesetzt wurde“, sagt die Kuratorin bei „Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“. Der Trakt diente als Priesterseminar, später wurde ein Gymnasium angegliedert.

Daraus entstand das Schloss-Gymnasium, der Vorläufer des „Schönborn“. Über dem Eingang zum neuen Gerichtssaal befindet sich eine Darstellung des Gottes Apollon, der für Licht und Künste zuständig war. Ebenfalls am Gebäude prangt, passend zur Justiz, Athene, die Göttin der Weisheit.

nach oben Zurück zum Seitenanfang