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Wegen Corona-Hamsterkäufen

Den Getränkeherstellern gehen die Pfandflaschen aus

Den Getränkeherstellern in der Region gehen die Pfandflaschen aus. Denn wegen der Corona-Krise haben die Konsumenten für ihre Vorräte mehr Flaschen als üblich gekauft, bringen diese aber nicht weg. Besonders knapp sind die sogenannten Perlenflaschen.

Mineralwasserflaschen laufen beim Mineralwasserhersteller Überkinger über ein Transportband. Foto: Harry Melchert/Archivbild

Den Getränkeherstellern gehen die Pfandflaschen aus. Denn wegen der Corona-Krise haben die Konsumenten für ihre Vorräte mehr Flaschen als üblich gekauft. Besonders knapp sind die sogenannten Perlenflaschen.

Es ist Juli im April. Was nach Klimawandel klingt, hat mit der Erderwärmung aber nichts zu tun, sondern mit der Corona-Krise. „Wir haben gerade eine ähnliche Situation wie sonst im Sommer“, sagt Denise Kaufmann, die Geschäftsführerin für Marketing und Vertrieb der Winkels Getränke Logistik aus Sachsenheim. Winkels hat Marken wie Alwa, Griesbacher, Fontanis oder Markgrafen im Portfolio und im Industriepark Östringen das Zentrallager.

Engpässe beim Leergut wegen Corona wie sonst im Sommer

Michel Entenmann, der kaufmännische Leiter der Wiesentaler Mineralbrunnen, berichtet vom gleichen Phänomen der jahreszeitlichen Verschiebung: „Das Leergut findet den Weg nicht so zurück, wie es sein sollte.“ Engpässe bei Getränkeflaschen kennen die Wasserproduzenten sonst nur in den warmen Monaten.

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Doch in diesem Jahr herrscht schon jetzt die große Dürre, wenn es um Mehrweggebinde geht. Hamsterkäufe sind der wesentliche Grund für die Leerstellen beim Leergut. „Wenn sich viele Leute bevorraten, dann sind die Poolgebinde in den Kellern der Verbraucher gebunden. Das Leergut ist der Flaschenhals“, schildert Kaufmann die Problematik, mit der aktuell vor allem jene Abfüller zu kämpfen haben, die auf so genannte Perlenflaschen setzen.

Dem Mehrwegsystem mit diesen 0,7-Liter-Gebinden, die in der Regel in braunen Getränkekisten ausgeliefert werden, hat sich fast die gesamte Mineralbrunnenbranche angeschlossen. Ein Mehrwegsystem aber lebt vom Kreislauf, der in diesen Tagen durch das Bunkern von Botteln gestört ist.

Ein Flaschensammler gibt Pfandflaschen an einem Automaten ab. Weil sie einen Pfandflaschenautomaten manipuliert haben sollen, stehen drei Männer vor Gericht. Foto: Lukas Schulze/Archiv

Zuhause wird derzeit mehr getrunken

Zudem sitzt in diesen Wochen der Großteil der Bevölkerung in den eigenen vier Wänden fest, Kantinen und Restaurants sind geschlossen, viele Menschen arbeiten im Homeoffice. „Daheim wird dann eben auch mehr getrunken, auch weil der Konsum in den Lokalen entfällt“, weiß Denise Kaufmann. Nicht zuletzt sind auch sämtliche Feste und Veranstaltungen, bei denen Getränke konsumiert werden statt zuhause, bis auf Weiteres abgesagt.

Jeder Kasten zählt.
Michel Entenmann, kaufmännischer Leiter der Wiesentaler Mineralbrunnen

Wie viele andere Mineralwasserwerke hat auch das Wiesentaler Unternehmen bereits an die Verbraucher appelliert, die geleerten Kisten zügig zurückzubringen und nicht erst dann, wenn der Großteil des Vorrats getrunken ist. „Jeder Kasten zählt“, betont Entenmann. Der Aufruf hat bislang noch nicht die erhoffte Wirkung gezeigt, weshalb „immer ein bisschen Krisensitzung“ herrsche. Die Füllpläne müssten stets aufs Neue an die Leergut-Lage angepasst werden.

Situation ist bei Halbliter-Flaschen und PET-Gebinden entspannter

Bei den Halbliter-Flaschen sei die Situation entspannter, ebenso bei den PET-Gebinden, die ja in der Regel Einwegartikel seien. Aber der Absatz von Getränken in Kunststoffflaschen sei ohnehin rückläufig, aus ökologischen Gründen sei „Glas wieder im Kommen. Das verschärft die Situation“, sagt Entenmann.

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Für das norddeutsche Unternehmen Hansa-Heemann stellt sich das Problem für seinen Standort Bruchsal dagegen nicht. Denn auf dem ehemaligen Coca-Cola-Gelände befüllt der Sprudel-Gigant, der vor allem Discounter und Supermarkt-Ketten beliefert, ausschließlich PET-Flaschen.

Neue gefüllte Pfandflaschen teils nur gegen Leergut

Um die Verbraucher in Sachen Leergut zu mehr Disziplin zu bringen, greifen einzelne Abfüller offensichtlich zu drastischen Mitteln. „Von unseren Fahrern erhalten wir teilweise die Rückmeldung, dass die ganz großen Brunnen bei den Märkten ihre Ware gar nicht mehr abladen lassen, wenn sie im Gegenzug kein Leergut erhalten“, berichtet Entenmann. Ihn erinnert die gegenwärtige Situation an den vergangenen Sommer: „Letztes Jahr haben wir das Dreifache an Neuglas als normalerweise in den Kreislauf gebracht, aber auch das hat nicht gereicht.“

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Probleme aber gibt es auch beim Nachkauf. Zum einen gebe es für die 0,7-Liter-Flaschen „relativ lange Lieferzeiten“, zum anderen ist die Beschaffung für die Abfüller ein recht teures Unterfangen. Mit acht Euro inklusive Mehrwertsteuer schlage eine Zwölfer-Kiste zu Buche. Der Verbraucher muss aber nur 3,30 Euro Pfand entrichten.

Die ohnehin schon seit Monaten geführte Diskussion über ein höheres Pfand bei Getränken bekommt in diesen Tagen so neue Nahrung. Allerdings meint Managerin Kaufmann: „An der jetzigen Situation würde auch ein höheres Pfand nichts ändern."

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