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Meisenknödel führen zu weniger Bruterfolg

Zu fett, zu wenig Eiweiß? Experten uneins, wie sinnvoll ganzjährige Gabe von Vogelfutter ist

Sollte man Vögeln das ganze Jahr über Futter anbieten? Experten fürchten, dass entsprechendes Vogelfutter für die Tiere eigentlich zu fettreich ist.

Blaumeise an Ganzjahresfutterstelle Foto: Franz Lechner

Soll man Vögel nur im Winter oder das ganze Jahr füttern? In den Medien und natürlich bei der Vogelfutterindustrie wird fast immer nur der Ornithologie-Professor Peter Berthold als Befürworter der Ganzjahresfütterung zitiert. Aber es gibt auch Ornithologen und Naturschützer, die das ganz anders sehen. So steht der Naturschutzbund (NABU) Deutschland der Ganzjahresfütterung skeptisch gegenüber.

Die Ergebnisse einer vor zwei Jahren durchgeführten wissenschaftliche Untersuchungen zu der Frage, wie sich die ganzjährige Vogelfütterung tatsächlich auf die Vögel auswirkt, scheint diese Skepsis zu bestätigen.

Eine von Biologen der Freien Universität Berlin durchgeführte Vergleichsstudie zwischen Meisen, denen das ganze Jahr über Futter angeboten wurde, und Meisen ohne Futterhilfen kam zu einem überraschenden Ergebnis: Der Bruterfolg, der mit Meisenknödeln versorgten Meisen war sehr viel geringer als bei der nicht gefütterten Vergleichsgruppe. Aus fast 50 Prozent der Eier schlüpfte bei den ganzjährig gefütterten Meisen keine Küken, während bei den Vögeln ohne menschliche Futterhilfe nur 13 Prozent der Küken nicht schlüpften.

Ist Ganzjahresfütterung von Vögeln tatsächlich notwendig?

Die Forscher konnten auch nachweisen, dass die gefütterten Elterntiere das fettreiche Futter zumindest teilweise auch an ihre eigentlich auf Insektennahrung angewiesene Jungvögel verfüttern. Wie sich das auf die Jungvögel auswirkt, hat aber wohl noch niemand untersucht.

Wirklich überraschend ist das Ergebnis der Berliner Biologen jedenfalls nicht. Wenn Menschen an einer zu fettreichen Ernährung erkranken, warum sollte es dann Meisen oder anderen Vögeln anders gehen? Ein endgültiger Beweis, dass Ganzjahresfutterstellen nicht den Vögeln, sondern vor allem der Vogelfutterindustrie nutzt, ist die Untersuchung der Berliner Ornithologen aber sicher nicht.

Viele Naturschützer und Ornithologen in der Region lehnen die Ganzjahresfütterung dann auch nicht grundsätzlich ab. „Ich füttere inzwischen die Vögel in meinem Garten auch das ganze Jahr über“, erklärt der Vorsitzende der Hambrückener Naturschutzbundgruppe, Franz Debatin. Nicht unbedingt, weil er überzeugt sei, dass eine Ganzjahresfütterung heute unbedingt überall sein müsse, sondern vor allem, weil es ihm selbst Freude bereite, wenn er sonst eher scheue Arten wie beispielsweise den Kernbeißer beobachten könne.

Vogelfutter nutzt nur wenigen Arten

Und genau diesen Aspekt heben auch der Karlsdorfer Ornithologe Hans-Jürgen Görze und der Vorsitzende der Naturschutzgruppe „Alternative Ecke“ in Ubstadt-Weiher, Peter Grabitz, bei der Vogelfütterung hervor. „Wenn man damit das Ziel erreicht, Menschen für die Natur und unsere Vogelwelt zu begeistern, halte ich Vogelfutterstellen für sinnvoll“, betont Grabitz und Jürgen Görze sieht das genau so.

Auch in einem anderen Punkt sind sich die drei Naturschützer einig. „Egal ob wir nur im Winter oder das ganze Jahr füttern, den Vogelarten, die vom Aussterben bedroht sind, wie beispielsweise das Rebhuhn, der Kiebitz oder Hauben- und Feldlerche, helfen die Vogelfutterstellen rein gar nichts“, sagt Debatin. Görze und Grabitz stimmen zu.

Das sehen viele andere Fachleute genauso. So sagen auch die Ornithologen vom NABU Deutschland, dass die zehn bis fünfzehn Vogelarten, die tatsächlich von Vogelfutterstellen profitieren, ohnehin zu den wenigen Vogelarten gehören, die bis jetzt noch nicht oder kaum gefährdet sind. Insgesamt sind es also wohl mehr die Menschen als die Vögel, die von den Vogelfutterstellen profitieren. Immerhin werden jährlich 15 bis 20 Millionen Euro für Vogelfutter ausgegeben.

„Wenn man aber auf das richtige Futter, auf saubere Futterstellen und auch auf einen vor Katzen und anderen tierischen Vogelliebhabern geschützten Futterplatz achtet, ist eine Ganzjahresfütterung aber nicht grundsätzlich schlecht“, sagt Jürgen Görze.

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