Skip to main content

Steigende Zahlen, abgesagte Firmenfeiern

Corona-Angst in der Gastronomie: Das sagen Wirte aus der Region um Bruchsal

Wochenlang durften sie keine Gäste empfangen, inzwischen sind die Restaurants, Cafés und Hotels seit fünf Monaten wieder geöffnet. Das sagen die Gastronomen im Norden Badens zwischen Rheinhausen, Waghäusel und Bruchsal.

Aushang Hygienehinweise Voglhaisl Waghäusel Foto: Heger David

Wer in diesen Tagen mit den Gastronomen in der Region spricht, blickt abermals in sorgenvolle Gesichter. „Die Not ist groß“, erklärt Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA mit Blick auf die bevorstehende Wintersaison in der Gastronomie. Eine Einschätzung, die auch die Wirte in der Region teilen.

In Rheinhausen betreibt Alen Dundic die „Alte Post“. Doch alt ist an der Wirtschaft in Fußnähe zum Rhein nur wenig: Sein Restaurant mit gutbürgerlicher Karte hat der Nachwuchs-Gastronom erst im Juli, kurz nach Ende des harten Lockdowns, neu eröffnet. Die Entscheidung, gerade jetzt ins Gastrogeschäft einzusteigen, sei keine leichte gewesen, erzählt er. „Trotzdem lief das Restaurant im Sommer gut“.

Wegfall schmerzt die Restaurant-Betreiber

Doch wie es in den kommenden Wochen für ihn und seine neun Angestellten weitergeht, wagt Dundic nicht vorherzusagen: „Der Einbruch ist spürbar. Wir versuchen einfach, irgendwie über den Winter zu kommen.“ Denn gerade hat die Gastronomie mit zwei Problemen zu kämpfen: Der DEHOGA gibt an, dass durch Abstandsregeln in einem Lokal im Schnitt 40 Prozent weniger Gäste Platz finden. Eine Einschätzung, die Alen Dundic für die Alte Post bestätigt – mit einer Ausnahme: „Glück habe ich, wenn eine große Gästegruppe wie eine Geburtstagsgesellschaft zu mir kommt, die gemeinsam an einem Tisch sitzen darf.“ Doch gerade die Feierlaune in der Gruppe ist vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen getrübt. Weil außerdem bei Geburtstags-, Firmen- und Weihnachtsfeiern erfahrungsgemäß immer mehr verzehrt werde, schmerze deren Wegfall finanziell gleich doppelt, so Dundic.

Vor allem die Mittelständler in der Region bescherten den Gastronomen in der Vergangenheit zum Jahresende mit ihren Firmenfeiern ein Weihnachtsgeschenk. In diesem Jahr – so viel deutet sich bereits jetzt an – wird dieses oftmals wegfallen.

Mit „vielen Fragezeichen“ sei die diesjährigen Betriebsfeier versehen, heißt es beim Glas- und Fensterbauer Herzog aus Waghäusel. „In den vergangenen Jahren haben wir Weihnachten mit unseren 90 Mitarbeitern und den Ehemaligen immer gemeinsam im Restaurant gefeiert. Dieses Jahr muss das Fest wohl ausfallen.“

Auch bei der Stadtverwaltung Bruchsal, wo die Ämter für die Organisation der im Dezember anstehenden Festivitäten zuständig sind, will in diesem Jahr keine Feierlaune aufkommen: „Die Weihnachtsfeiern sind in diesem Jahr komplett abgesagt. Wenn jetzt ein ganzer Bereich zusammen im Restaurant wäre, würde ein einzelner Infizierter reichen, damit ein ganzes Amt in Quarantäne muss.“ Weil die Stadtverwaltung jedoch zur kritischen Infrastruktur gezählt wird, muss das Vergnügen hintenanstehen: „Für uns hat es oberste Priorität, die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung aufrecht zu halten.“

Waghäusler Wirtin blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft

Die Folgen daraus spürt auch Monika Kneisl, die mit dem „Vogelhaisl“ eine Waghäusler Kult-Kneipe betreibt: „Erst blieben die Gäste wegen Corona aus, während der Lockerungen waren sie im Urlaub, jetzt bekomme ich wieder Absagen wegen Corona.“ Die umtriebige Wirtin versucht sich derweil an kreativen Lösungen: Alles sei vorbereitet für den Glühweinausschank im Freien an den kalten Tagen. In die Zukunft blickt die Wirtin vorsichtig optimistisch: „Natürlich müssen wir die steigenden Zahlen ernst nehmen.“ Durch ihre Erfahrung im Umgang mit Hygienemaßnahmen blicke sie jedoch entspannter als noch zu Beginn der Pandemie auf die bevorstehenden Monate. Besorgt sei sie indessen um ihre jungen Kolleginnen und Kollegen, die vor Investitionsentscheidungen stehen und um die Zukunft ihres Betriebs bangen. „Es geht hier nicht um ein Hobby, sondern um Existenzen.“

Um Existenzen wie der von Alen Dundic. Der Gastronom aus Rheinhausen gibt sich derweil kämpferisch: „Die ‚Alte Post‘ macht auf jeden Fall weiter. Zur Not setze ich mich ins Auto und fahre das Essen eben aus.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang