Der geplante Neubau in Baden-Baden in der Nachbarschaft des Gymnasiums Hohenbaden (rechts) auf dem Areal des alten Gefängnisses.
Der geplante Neubau in Baden-Baden in der Nachbarschaft des Gymnasiums Hohenbaden (rechts) auf dem Areal des alten Gefängnisses. | Foto: Visualisierung: AGP

Über Entwurf diskutiert

Baden-Baden: Auf Gefängnisareal soll ein Hotel entstehen

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Klaus Peter Wesel strahlt Zuversicht aus. Noch in diesem Jahr soll der Bauantrag für das geplante Hotel auf dem Areal des alten Gefängnisses im Rathaus der Stadt Baden-Baden eingereicht werden. Der Baubeginn für die neue Herberge mit über 130 Zimmern soll möglichst im nächsten Jahr erfolgen.

Die Bauvoranfrage sei bereits positiv beschieden worden. Das Investitionsvolumen schätzt der Geschäftsführer der Ettlinger WLH-Gruppe, einer Projekt- und Grundstücksentwicklungs- sowie Investorengesellschaft, auf 30 bis 35 Millionen Euro. In etwa einhalb Jahren nach Baubeginn könnte das Haus dann bezugsfertig sein.

Investitionsvolumen beträgt etwa 35 Millionen

Die bestehende und verwahrloste Immobilie aus dem Jahr 1938 muss dem Neubau weichen. An ein Gefängnis wird das Drei- oder Vier-Sterne-Hotel künftig nicht mehr erinnern. Wie es im alten Gefängnis aussieht, hat Wesel aber selbst schon einmal probeweise in Augenschein genommen: „Es ist sehr beängstigend, wenn man in so einer Zelle sitzt.“ Gitter oder Zimmer, die an Zellen erinnern, werde es im künftigen Hotel nicht geben. Vielleicht werde man vor dem Abriss noch den einen oder anderen Gegenstand aus dem Altbau sichern und in irgendeiner Form einen Bezug im Neubau herstellen.

Kurstadt hat Bedarf an weiteren Hotelbetten

Dass ein Bedarf an weiteren Hotelbetten in Baden-Baden besteht, daran lässt Wesel keinen Zweifel. Hotelkonzerne wie Arcor oder Leonardo, die als mögliche Betreiber in Frage kämen, hätten das geprüft. Auf dem Areal wären auch Wohnungen möglich gewesen, allerdings nur zu knapp einem Drittel. Für einen Mix aus kurörtlicher Nutzung, also Hotel, mit einem Anteil von 70 Prozent und 30 Prozent Wohnungen sei das Areal jedoch zu klein. Dann sei die Herberge nicht mehr wirtschaftlich. Die soll als Businesshotel entstehen.

Die Investoren haben das Areal im vergangenen Jahr vom früheren russischen Besitzer erworben. Dessen Entwurf war beim Gestaltungsbeirat der Stadt, dem Hüter der architektonischen und städtebaulichen Entwicklung in der Bäderstadt, nicht auf Begeisterung gestoßen. Die neue Planung, die Architekt Eberhard Fichter von der AGP Generalplaner GmbH in Karlsruhe vorstellte, stieß zwar nicht auf uneingeschränkte, aber doch, abgesehen von einigen Anmerkungen, auf allgemeine Zustimmung. Der Vorsitzende des Expertengremiums, Wolfgang Riehle, Stadtplaner und Architekt aus Stuttgart, sprach von einem „unglaublich wichtigen Projekt an einem unglaublich schönen Ort“. In der Nachbarschaft des Gymnasiums Hohenbaden und am Bäderbereich schaffe der geplante Neubau mit zwei Baukörpern, die sich ineinander verschränken, einen Bezug zum Altbestand.

Exponierte Lage: Nahe Caracalla-Therme (oben links) und neben dem Gymnasium (links) ist ein Hotel geplant.
Exponierte Lage: Nahe Caracalla-Therme (oben links) und neben dem Gymnasium (links) ist ein Hotel geplant. | Foto: Kamleitner

Die geplante Natursteinfassade des viergeschossigen Gebäudes, so fordern die Experten, müsse hochwertig sein, das begrünte Flachdach frei von technischen Aufbauten bleiben, weil es von vielen Stellen der Stadt gut einsehbar sei. Eine Herausforderung für das Projekt sei der gewaltige Höhenunterschied von bis zu sieben Meter zwischen Seufzerallee und Vincentistraße, hieß es. Die Erschließung erfolgt über die Zufahrt zur Bädergarage. Hier wünschen sich die Mitglieder des beratenden Gestaltungsbeirats eine bislang nicht geplante Treppe für Fußgänger von der Vincentistraße zum Eingang und der Vorfahrt des Hotels. Ein Parkdeck für die Hotelgäste ist an der Hangseite geplant. Im Eingangsbereichs des künftigen Hotels soll es ein Bistro geben, ein Restaurantbetrieb sei allerdings nicht vorgesehen, so Wesel.

Experten: Abstand zum Gymnasium ist zu gering

Kritisiert wurde von Mitgliedern des Beirats vor allem der geringe Abstand zwischen dem künftigen Hotel und dem Gymnasium Hohenbaden. „Da zwickt es“, meinte etwa die Garten- und Landschaftsarchitektin Uta Stock-Gruber. Hier gehe es um das, was in Baden-Baden wesentlich sei: „Die Querbezüge ins Grüne.“