Ein echter Hingucker: Ein Mann fotografiert einen Zeppelin NT. Von Donnerstag bis Sonntag ist das Luftschiff mit der Form einer Zigarre auf dem Flugplatz Oos stationiert und hebt dann zu Rundflügen ab.
Ein echter Hingucker: Ein Mann fotografiert einen Zeppelin NT. Von Donnerstag bis Sonntag ist das Luftschiff mit der Form einer Zigarre auf dem Flugplatz Oos stationiert und hebt dann zu Rundflügen ab. | Foto: Kästle

Zigarre fliegt über die Stadt

Der Zeppelin startet am Flugplatz Baden-Baden Oos zu Rundflügen

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Eigentlich ist er für touristische Rundflüge am Bodensee im Einsatz. Ab dem heutigen Donnerstag wird der Zeppelin NT (Neue Technologie) jedoch die Aufmerksamkeit am Himmel über Baden-Baden und Umgebung auf sich ziehen.

Während des New Pop Festivals lässt der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen das Luftschiff im Zuge seiner Kampagne „#Mobility-Life-Balance“ über der Stadt an der Oos kreisen. Am Donnerstag wird der einstige König der Lüfte voraussichtlich um die Mittagszeit am Flugplatz Oos erwartet.

Fliegt der Zeppelin, schauen die Menschen Richtung Himmel

Vor dem Abstecher nach Baden-Baden ist der Zeppelin noch in Bad Homburg stationiert und zu Rundflügen im Vorfeld der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt im Einsatz. Im Rhein-Main-Gebiet und an der Oos werden sich aber die Reaktionen auf das Fluggerät wohl gleichen: Wo die lautlose Zigarre auftaucht, richten Menschen den Blick in den Himmel.

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Karten können gewonnen werden

Karten für Rundflüge über die Bäderstadt gibt es nicht zu kaufen. Mit etwas Glück können Besucher des Popfestivals am Stand des Festival-Sponsors ZF aber ein Ticket gewinnen, berichtet Firmensprecher Andreas Veil. Zwischen acht und zwölf Flüge sind täglich bis einschließlich Sonntag geplant. Ausschlaggebend für den tatsächlichen Flugplan werden die jeweiligen Witterungsverhältnisse sein. Das 75 Meter lange Luftschiff hat maximal 16 Sitzplätze, davon sind zwei von den Piloten belegt.

Zeppelinteile kommen aus Friedrichshafen

Zeppelin NT
Zwei Zeppelin-Techniker arbeiten auf einer Hebebühne an einem Zeppelin NT (Neue Technik). | Foto:  Felix Kästle/Archiv

Der Zeppelin fliegt übrigens – im Gegensatz zum Ballon, der fährt, weil er „leichter“ als Luft ist. Während der Ballon ausschließlich mit so genannten Traggasen wie Helium oder Heißluft aufsteigt, hebt der Zeppelin unter Zuhilfenahme seiner drei Triebwerke ab. Das Luftschiff ist dabei mit nicht brennbarem Helium gefüllt, heißt es. Teile für die drei Zeppelin-Getriebe kommen heute noch von ZF in Friedrichshafen. Die Firma wurde 1915 am Bodensee gegründet, um bessere Getriebe für Luftfahrzeuge und Motorwagen herzustellen.

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Flugsimulator des Aero Club Baden-Baden

Für den Aero Club Baden-Baden ist der Besuch des Zeppelins auf dem Flugplatz Oos eine gute Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen. „Wir werden Präsenz zeigen“, verspricht Vorsitzender Patrik Ullrich. Gäste sind an allen Tagen willkommen und dürfen gerne mal probeweise in einen der vier Segelflieger des Clubs sitzen. Auch ohne abzuheben kann man zudem vor Ort Flugfeeling erleben: Junge Mitglieder des Aero Clubs haben einen Flugsimulator gebaut. Die Zeppelin-Vergangenheit des Flugplatzes Oos ist natürlich nicht nur Ullrich ein Begriff.

Premierenflug: Passagiere zahlten 200 Mark

Mit Zeppelinen begann vor über 100 Jahren die Baden-Badener Luftfahrtgeschichte. Zeppeline wurden im Ersten Weltkrieg auch zu Propagandazwecken eingesetzt, wie diese zeitgenössische Postkarte zeigt. | Foto: Archiv Frasch

Tausende Schaulustige waren etwa am 21. August 1910 vor Ort, als um 10.18 Uhr das Luftschiff LZ 6 von der Werft in Friedrichshafen kommend einschwebte – parallel zur damals in dieser Zeit stattfindenden Rennwoche in Iffezheim. Im Vorfeld war bereits eine fast 30 Meter hohe Luftschiffhalle errichtet worden. Zwei Tage später wurde in Baden-Oos Passagier-Luftverkehrsgeschichte geschrieben: LZ 6 hob zum ersten offiziellen Passagierflug ab. Zwölf Wohlhabende konnten sich die 200 Mark teure Fahrkarte erlauben und einen rund zweistündigen Rundflug genießen.

Erster Weltkrieg: Luftschiff ging in Obhut des Militärs

Nach 34 Flügen kam für LZ 6 das Ende: Ein Monteur hatte in der Halle mit Benzin hantiert und bei einer Fehlzündung fing die Außenhaut des Luftschiffs Feuer. Zum Glück blieb die Halle unbeschädigt. Mit dem Nachfolgemodell LZ 7 kamen dann viele wohlhabende Gäste mit Linienflügen aus Frankfurt und Düsseldorf nach Baden-Baden. Am 12. Juli 1914, so ist überliefert, hob LZ 11 dann aber zum letzten Flug von Oos nach Frankfurt ab. Die Passagierluftschiffe gingen danach wegen des Ersten Weltkriegs in die Obhut des Militärs.

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