Will einiges anpacken: Kai Gniffke ist neuer Intendant des Südwestrundfunks.
Will einiges anpacken: Kai Gniffke ist neuer Intendant des Südwestrundfunks. | Foto: dpa

„Keine Gelddruckmaschine“

Kai Gniffke: So will der neue Intendant den SWR umbauen

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Bei seinem angestrebten Umbau des SWR ist Intendant Kai Gniffke einen Schritt vorangekommen. Mit Anke Mai und Clemens Bratzler wählte der Rundfunkrat zwei Neue an die Spitze. Sie sollen für den neuen innovativen Kurs stehen. Zugleich muss Gniffke aber den Sparkurs moderieren.

Schon der Vorabend der Wahl ließ keinen Interpretationsspielraum zu. Es war klar, dass Anke Mai und Clemens Bratzler die Rundfunkräte des SWR bei ihren internen Vorstellungsrunden ausreichend überzeugen konnten. Am Freitag wurden im Heinrich-Strobel-Haus in Baden-Baden Mai denn auch zur Kulturchefin, Bratzler zum Infochef gewählt.

Als die Rundfunkräte Schlange standen, um den beiden Neuen in der SWR-Spitze zu gratulieren, blies der neue Intendant Kai Gniffke abseits des Geschehens die Backen auf. Für den neuen SWR-Chef war es wichtig, dass sein Vorschlag sitzt. Mai kommt vom BR, Bratzler ist als stellvertretender SWR-Landessenderdirektor bekannt. Beide stehen für das, was sich Gniffke für seine Führungsmannschaft vorstellt: „Journalisten mit einem empathischen Führungsstil.“

„Genügend Gründe, alarmiert zu sein“

Mai soll ab 1. Februar auf Gerold Hug, Bratzler zum 1. Dezember auf Christoph Hauser folgen. Ihre Zuständigkeiten könnten sich durchaus noch ändern, wie Gniffke betonte: „Es ist ausdrücklich besprochen, dass wir die Strukturen ändern werden.“

Der 58-Jährige ist seit einem Monat im Amt und fand vor den Rundfunkräten im Saal 2114 des Heinrich-Strobel-Hauses deutliche Worte zur Zukunft des SWR: „Es gibt genügend Gründe, alarmiert zu sein.“ Der Rundfunkrat des zweitgrößten ARD-Landessenders setzt sich aus 74 Vertretern von Politik und Verbänden zusammen, sie sollen die Arbeit kritisch begleiten. Die Mitglieder hörten genau zu, wie der neue starke Mann den SWR in Zeiten der Digitalisierung umbauen möchte. „Wir werden in Journalismus investieren und sparsam wirtschaften“, kündigte Gniffke an. „Der SWR muss sich verändern.“

Innovationszentrum in Baden-Baden

Als ein großes Projekt gilt das neue Innovationszentrum, das sich Gniffke am Standort in Baden-Baden vorstellt. „Wir haben hier hervorragende Produktionsmöglichkeiten“, erklärte er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir wollen die Möglichkeiten jungen Kreativen zur Verfügung stellen.“ Auch eigene Mitarbeiter sollen Freiräume erhalten, um an neuen Formaten zu arbeiten. „Wir müssen eine Antwort auf Spotify und Netflix finden“, sagte Gniffke. Der SWR solle innerhalb der ARD eine digitale Führungsrolle einnehmen, „Innovationstreiber Nummer eins“ werden. Der SWR möchte Darstellung und Inhalte verändern, um auch ein jüngeres Publikum zu erreichen.

Der Einigkeit im eigenen Haus stehen derzeit Tarifverhandlungen im Weg. Am ersten Arbeitstag von Gniffke haben SWR-Mitarbeiter für höhere Löhne gestreikt, das erste Mal in der Geschichte des Senders. Nach BNN-Informationen hat der Sender errechnen lassen, wie viele Stellen für die Forderungen eingespart werden müssten: über 100.

Gniffke über Streikende: „Verdammt gute Argumente“

Gniffke äußerte gegenüber unserer Zeitung Verständnis für die Mitarbeiter: „Sie haben verdammt gute Argumente. Aber wir haben keine Gelddruckmaschine.“ Seinen Innovationskurs muss er mit den finanziellen Möglichkeiten abgleichen. „Die Spielräume werden in den nächsten Jahren sehr eng sein“, betonte er. Im Gegensatz zu anderen Landessendern hat der SWR bereits angefangen, zu sparen – ein Verdienst von Gniffkes Vorgänger Peter Boudgoust.

In einer Intendantensitzung hat Gniffke bereits erlebt, wie es ist, nun den SWR zu vertreten. In der ARD genießt der 58-Jährige einen guten Ruf, war als Chefredakteur für ARD-aktuell auch für die Tagesthemen zuständig. Doch die Karten sind neu gemischt: Eine Position als starker Vertreter des SWR muss sich Gniffke im Wettstreit mit anderen Intendanten noch erkämpfen. Sebastian Raviol