Das Signal zwischen dem Bahnhof Ruit und der Haltestelle Bretten-Rechberg zeigt „Grün“ und der Zug rauscht vorbei. Oft sind die maroden Signalanlagen aber auch auf „Rot“, dann fahren die Züge aber trotzdem. | Foto: Thilo Kampf

Probleme in Ruit

Stellen marode Signalanlagen der Bahn in Bretten eine Gefahr dar?

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Brettens Ortsvorsteher Aaron Treut fürchtet, dass marode Signalanlagen auf der Bahnstrecke Bretten – Maulbronn ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten. Die Bahn kennt das Problem und glaubt, es im Griff zu haben. Bevor sie handelt, will sie den Fall zunächst aufarbeiten.

Das Bild ist ungewöhnlich: Das Signal zeigt Rot, doch den herannahenden Zug kümmert das nicht. Der donnert einfach vorbei. So derzeit zu erleben auf der Strecke zwischen Maulbronn und Bretten, die abschnittsweise eingleisig verläuft. Das Problem sind fünf marode Signalanlagen entlang des Streckenabschnitts Ruit, weshalb Ortsvorsteher Aaron Treut Alarm schlägt: „Da kann ja Gott weiß was passieren, wenn zwei Züge zusammenstoßen.“

Vor allem in den Bereichen Hintere Dorfstraße und Bauschlotter Straße, wo die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Bahnstrecke hart an den älteren Gebäuden vorbeiführt. Am liebsten möchte der Ortsvorsteher die Bahnstrecke so lange sperren lassen, bis das Problem behoben ist. Denn: Im kommenden Jahr, wenn die Schnellbahntrasse saniert wird, rollen viel mehr Züge durch das Ruiter Tal.

Systeme seit Jahren fehlerhaft?

Nach einem Bericht des SWR soll die Störung der Anlagen auf der Bahnstrecke zwischen Maulbronn und Bretten schon seit 2015 bestanden haben. Laut Angaben des Eisenbahnbundesamtes (EBA) sollen fünf Signalsysteme jahrelang fehlerhaft gearbeitet haben. Im schlimmsten Fall, so der SWR in seinem Beitrag, hätte ein solcher Fehler zur Kollision zweier Züge führen können.

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Das bestätigt auch Karl Velte, Leiter des Amtes für Technik und Umwelt, auf BNN-Nachfrage. Er stehe in engem Kontakt mit der Deutschen Bahn, die ihm versichert habe, dass keine Gefahr bestehe, da die Züge jetzt manuell vom Stellwerk im Bahnhof Bretten gelenkt würden. „Die sagen dem Lokführer auch wenn Rot ist, dass er fahren kann.“

Die Stadtverwaltung habe da keine Handhabe, wenngleich man die Ansicht Treuts teile, dass „das so ähnlich ist, wie wenn man bei einer roten Ampel losfährt und es kommt keiner“. Die Bahn wiederum gehe davon aus, dass sie das Problem im Griff habe, so Velte weiter. Er wisse, dass der Ruiter Ortsvorsteher die Strecke sperren lassen will, aber diese Entscheidung liege beim Verkehrsminister und der Deutschen Bahn.

Die Wurzel des Übels ist noch nicht gefunden

Letztere habe ihm gegenüber signalisiert, dass das Ganze „kein Dauerzustand“ bleibe, so Velte. Zwar seien Teile der Leit- und Sicherungstechnik zwischenzeitlich ausgetauscht worden, doch habe man die Wurzel allen Übels noch nicht gefunden. „Das liegt am maroden Leitungsnetz am und unter dem Bahndamm“, sagt Velte. Dort müsse es irgendwo ein defektes Kabel geben.

Wie das Eisenbahnbundesamt mitteilt, sei man derzeit noch mit der Aufarbeitung der Vorkommnisse beschäftigt. Es könnten allerdings aufgrund des laufenden Verfahrens keine Details bekannt gegeben werden.

Die Meinung der Ruiter Bürger zu diesem Thema ist gespalten. Für einen älteren Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, „übertreibt der Herr Treut etwas“, andere nehmen allerdings die Sorgen und Befürchtungen des Ortschefs ernst. „Es muss wahrscheinlich erst was passieren“, sagt eine Mutter aus Ruit, „bevor die da oben handeln“. So ähnlich sei es ja auch beim Hochwasser in Ruit gewesen.