as Geothermie-Kraftwerk, das die EnBW in Bruchsal betreibt, könnte mittelfristig Verstärkung durch eine Anlage in unmittelbarer Nachbarschaft erhalten. Rund um Dettenheim will die Deutsche Erdwärme nach Anzeichen für Erdwärme suchen.
Das Geothermie-Kraftwerk, das die EnBW in Bruchsal betreibt, könnte mittelfristig Verstärkung durch eine Anlage in unmittelbarer Nachbarschaft erhalten.

Suche nach Wärme im Boden

Die wichtigsten Antworten zum Geothermie-Projekt am Oberrhein

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Unerschöpflich und unabhängig von Wind und Wetter. So werben die Macher der Erdwärme. Kritiker wiederum halten sie für unberechenbar. Die Firma Deutsche Erdwärme will in den nächsten Jahren entlang des Oberrheins acht bis elf Geothermieanlagen realisieren, so etwa in Graben-Neudorf, in Karlsruhe-Neureut und im Gebiet Waghäusel/Philippsburg. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie funktioniert die Gewinnung von Erdwärme?

In Waghäusel, Philippsburg und auf Gemarkung von Oberhausen-Rheinhausen finden jetzt dreidimensionale Messungen statt. Damit sucht man in einer Tiefe von drei bis vier Kilometern wasserführende Gesteinsschichten mit Wassertemperaturen von mehr als 160 Grad. Findet man ein solches Reservoir, legt man eine Leitung und holt das Thermalwasser per Pumpe an die Oberfläche.

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In einem Wärmetauscher wird die Energie über Turbinen in elektrischen Strom verwandelt, der dann ins Netz eingespeist wird. Danach wird das dann noch 60 Grad heiße Wasser über eine zweite Leitung zurück in das selbe tiefe Reservoir gepumpt, wo es sich wieder aufwärmt. Man kann die Energie auch dazu nutzen, die Häuser der Umgebung mit Nahwärme zu heizen. Das wäre effizienter als die Stromerzeugung. Dazu bedarf es aber eines Nahwärmenetzes.

Was haben die Menschen vor Ort von einer solchen Energiegewinnung?

Die Erdwärme gilt als klimafreundlich. Sie ist erneuerbar, CO2-frei und – anders als Wind und Sonne – grundlastfähig. Pro Anlage entstehen etwa drei bis vier Arbeitsplätze. Gewerbesteuer soll vor Ort fließen. Die Deutsche Erdwärme signalisiert, dass sie auch offen für Bürgerbeteiligungsprojekte sei.

Wer ist die Deutsche Erdwärme eigentlich?

Das Unternehmen arbeitet seit 2015 in Karlsruhe und hat derzeit neun Mitarbeiter. Man will am Oberrhein, einer für Tiefengeothermie besonders geeigneten Region, mehrere Projekte realisieren und sich langfristig engagieren. Das Kapital stammt überwiegend aus skandinavischen Pensionskassen und Versicherungen, die langfristig in erneuerbare Energien und Energie-Infrastruktur investieren wollen.

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Von welchem Zeitraum spricht man?

Von bis zu 50 Jahren – das entspricht etwa der Lebenszeit der Rohre. Das Reservoir in der Tiefe sei aber nahezu unerschöpflich, so Manfred Dittmer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Erdwärme. 20 Jahre lang gibt es für den Strom eine garantierte Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Wieviel Energie kann pro Anlage gewonnen werden?

Das hängt von der tatsächlichen Temperatur des Wassers und der Menge ab. Die Deutsche Erdwärme geht von 6 bis 7 Megawatt pro Anlage aus, das wäre über ein Jahr so viel wie etwa zehn Windräder am Oberrhein an Strom produzieren. Mit dieser Menge könne man etwa 20.000 Haushalte versorgen. Die Anlagen können sowohl Strom produzieren als auch Nahwärmenetze beliefern. Langfristig wäre die Nutzung der Wärme effizienter und auch sinnvoll. „Hier spielt uns der Kohleausstieg in die Karten“, so Dittmer.

Risse in Häusern in Staufen, Erdbeben in Landau – wie will man das in unserer Region verhindern?

In Landau sei der Untergrund nicht dreidimensional vermessen worden, weswegen es zu Problemen kam, so Dittmer. Auch habe man mit zu hohem Druck das Wasser zurück in die Tiefe gepumpt, dadurch wurde wohl ein spürbares Erdbeben ausgelöst. „Ein solches Vorgehen ist heute verboten“, erklärt Dittmer. Mit zusätzlichen seismischen Überwachungen werde heute wirksam verhindert, dass die Geothermie spürbare Erdbeben auslöst oder natürlich vorkommmende Erdstöße verstärkt.

In Staufen wiederum hat man bei der Installation einer Heizungsanlage eine Erdwärmesonde in das Grundwasser in einer geringen Tiefe von nur 70 Metern installiert. Daraufhin ist Wasser in die dortige Gipskeuperschicht gedrungen, diese hat sich ausgedehnt, was an der Erdoberfläche zu den fatalen Rissen geführt hat. Tiefe Geothermie mit Bohrtiefen von mehr als 3.000 Metern ist etwas völlig anderes“, versichert Dittmer.

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Wo gibt es funktionierende Anlagen?

Auf dem Gelände der Bereitschaftspolizeidirektion Bruchsal läuft eine kleine Forschungsanlage der EnBW. In Deutschland gibt es drei für Tiefen- geothermie günstige Regionen: Das ist der Oberrheingraben, das norddeutsche Becken und ein Gebiet bei München. Die Münchner Stadtwerke betreiben Anlagen zur Gewinnung von Wärme und Strom und versorgen damit mehrere Stadtteile.

Wie sieht der Zeitplan in unserer Region aus?

Für den Suchraum Philippsburg und Waghäusel haben die 3D-Messungen begonnen, sie dauern etwa sechs Wochen. Der Gemeinderat Philippsburg hatte sich zuletzt gegen die Erweiterung des Messgebietes ausgesprochen. Um mögliche Messungen auf gemeindeeigenen Forst- und Waldwegen sollte es an diesem Dienstagabend gehen.

80 Prozent der befragten Grundstückseigentümer haben bereits erlaubt, dass auf ihren Grundstücken Erdmikrofone zur Messung installiert werden, freut man sich bei der Deutschen Erdwärme. Mit jeder weiteren Messung steige die Qualität der Daten weiter an, so Dittmer.

Im Sommer 2020 soll die Auswertung der Messungen vorliegen. Wenn man weiß, wo geeignete Reservoire liegen, kann man oberirdisch nach Standorten für ein bis zwei Anlagen suchen. Danach laufen Bauvoranfragen und weitere Genehmigungen für die Bohrplanung. Es folgen seismische Gutachten, bevor mit der Bohrung des ersten Rohrs begonnen werden kann. Erst wenn das erste Wasser die Erdoberfläche erreicht, man die Temperatur kennt und sieht, dass genug Wasser kommt, geht es an den Bau des zweiten Rohres und der Anlage. „Wir rechnen damit, dass in vier bis viereinhalb Jahren eine solche Anlage stehen könnte“, so Dittmer. Die Verfahren in Graben-Neudorf und in Karlsruhe sind weiter fortgeschritten.