Unter Druck sind auch die Mitarbeiter des Pressenherstellers Schuler in Waghäusel | Foto: pr

Standort soll bleiben

Schuler-Mitarbeiter aus Waghäusel bangen um ihre Jobs

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Es will einfach keine Ruhe einkehren beim Pressenhersteller Schuler in Waghäusel. Die Hiobsbotschaft vom Montagnachmittag „Schuler baut 500 Stellen ab“, hat auch die aktuell rund 280 Kräfte am traditionsreichen Waghäuseler Standort des Pressenherstellers verunsichert. Der Pressesprecher des Unternehmens mit Hauptsitz in Göppingen, Hans Obermeier, gibt aber für den Standort zumindest Teil-Entwarnung. „Waghäusel bleibt als Standort erhalten“, versichert er auf BNN-Anfrage.

Kleine zweistellige Zahl

Der jetzt angekündigte Stellenabbau wird aber auch Kollegen hier treffen – von einer Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich, ist die Rede. „Waghäusel ist von der aktuellen Entwicklung betroffen, wie alle anderen deutschen Standorte auch“, macht Obermeier klar. Schuler machte die Schwäche des Automobilmarktes für die neuerlichen Einsparungen verantwortlich. (Die BNN berichteten.) 350 der 500 in Deutschland wegfallenden Jobs entfielen auf die Produktion.

Produktion ist bereits verlagert

Glück im Unglück für Waghäusel. Die hiesige Produktion ist bereits vor wenigen Jahren dicht gemacht worden. Damals verloren gut 144 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, der Standort stand auf der Kippe. Immerhin seit bald 70 Jahren ist Schuler in Waghäusel vertreten. Nach der letzten Stellenstreichung gab es Ende 2017 neue Hoffnung, als es hieß, man wolle Waghäusel zu einem „hochwertigen Ingenieur-Standort ausbauen.“ Von hier aus werden seither Vertrieb, Produktionsmanagement, Konstruktion und Service der Sparte hydraulische Pressensysteme gesteuert.

Waghäusel ist wichtiger Standort

Dieses Mal treffen die Streichungen wohl im Gros den Hauptsitz in Göppingen und den Standort Erfurt. Für diesen Mittwoch ist in Waghäusel eine Mitarbeiterversammlung angekündigt, bei der der Vorstand der Belegschaft Details der Pläne vorstellen wird. „Waghäusel ist ein wichtiger Standort mit weltweiter Zuständigkeit“, gibt derweil Obermeier zu bedenken, „das ist ein Geschäftsbereich, den wir erhalten wollen.“ Waghäusel ist das Kompentenzzentrum für hydraulische Pressensysteme. Diese Systeme kommen in der Automobilindustrie zum Einsatz, werden aber auch in der Luft- und Raumfahrt benötigt.

Verhandlungen mit Arbeitnehmern

Eine Verschlankung etwa der Verwaltungsstrukturen treffe auch Mitarbeiter in Waghäusel, heißt es derweil aus Göppingen. Drei Jahre werde diese Entwicklung andauern, nun beginne der Konsultationsprozess mit den Arbeitnehmervertretern des Gesamtbetriebsrat und vor Ort. Waghäusels Betriebsratsvorsitzender Marco Oestringer wollte sich auf BNN-Anfrage noch nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern. „Wir werden alles versuchen, den Stellenabbau sozialverträglich zu gestalten“, heißt es derweil von offizieller Schuler-Seite.

Deuschle ist besorgt

Auch im Waghäuseler Rathaus ist man alarmiert, zu oft hat man sich dort schon um die Schuler-Mitarbeiter und ihre Zukunft gesorgt. „Das ist nicht schön“, so die erste Reaktion von Waghäusels Bürgermeister Thomas Deuschle. Positiv hält er fest, dass Schuler Waghäusel davon profitiert, nicht alleine von der Automobilindustrie abhängig zu sein. Er hofft jetzt auf einen möglichst sozialverträglichen Stellenabbau und so wenig Jobverlust wie möglich. „Das ist immerhin ein Standort mit viel Tradition“, fügt er an.