Die neue Optik des Bruchsaler Bahnhofs: Das Bahnhofsgebäude links wird etwas zurückgebaut, sodass das Irish Pub und die Toiletten weichen müssen. Die Treppe bekommt einen neuen Aufgang. Rechterhand entsteht auf dem Platz des heutigen Busbahnhofs ein zentrales Parkhaus mit Geschäften und Gastronomie.
Die neue Optik des Bruchsaler Bahnhofs: Das Bahnhofsgebäude links wird etwas zurückgebaut, sodass das Irish Pub und die Toiletten weichen müssen. Die Treppe bekommt einen neuen Aufgang. Rechterhand entsteht auf dem Platz des heutigen Busbahnhofs ein zentrales Parkhaus mit Geschäften und Gastronomie. | Foto: BNN

„Eine neue Zeitrechnung“

Umbau des Bruchsaler Bahnhofs offiziell besiegelt: „Wir schreiben Geschichte für die Region“

Anzeige

Wofür der Bruchsaler Gemeinderat vergangene Woche die Weichen gestellt hat, ist jetzt offiziell besiegelt: Die großflächige Umstrukturierung des Bahnhofumfelds. Dazu haben Stadt und Bahntöchter eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Sie haben sich fast überschlagen mit Superlativen: Von einem historischen Moment war die Rede, von einem großen Wurf, von einer neuen Zeitrechnung: „Wir wollen die Welt ein bisschen besser machen und in Bruchsal beginnen“, erklärte gar Michael Groh, Vertreter der Deutschen Bahn und Leiter des Regionalbereichs Südwest.

In den nächsten sechs Jahren wandert der Busbahnhof von der rechten Seite auf eine größere Fläche nach links. Dort treffen sich dann nicht nur Regionalbusse sondern auch alle Stadtbusse, die sich heute noch am sogenannten Rendezvous treffen. „Ich hoffe, dass auch irgendwann Fernbusse dazukommen“, erklärte Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick.

Mehr zum Thema: Bauarbeiten am Bahnhof Bruchsal im Plan

Eine Drehscheibe für die ganze Region

Sie erinnerte an extrem komplexe Verhandlungen mit der Bahn und diverser Töchter, auch um viele Grundstücksfragen. Nun aber steht man in den Startlöchern: Gebaut werden soll eine Drehscheibe für die ganze Region, die alle Verkehrsarten, vom Auto, über Bus, Bahn, Fernverkehr, Rad, E-Roller und was künftig noch dazu kommt, verknüpft. „Wir schreiben Geschichte für die Region“, befand Petzold-Schick.

Bahnmann Groh sah den Umbau als Teil der Mobilitätswende in Zeiten des Klimawandels. Und ja, der Bruchsaler Bahnhof hätte noch Kapazität für weitere Fahrgäste und Züge. Heute ist er Drehscheibe für rund 20 000 Menschen täglich, 90 Prozent davon im Regionalverkehr.

Auch Tobias Boppre, der für die Bahnhöfe zuständig ist, wollte beim Pressetermin ein großes Bild zeichnen: „Das bringt Bruchsal in eine andere Zeitrechnung.“ Ein Park- und Geschäftshaus soll auf dem heutigen Busbahnhof entstehen. Die Stadt will den Verkehr rund um Prinz-Wilhelm-Straße und Hildastraße mit Ampeln neu regeln. 6,8 Millionen Euro hat die Stadt für die kommenden Jahre veranschlagt, 800.000 Euro sind bereits vom Land als Fördermittel zugesagt.

Viktoriapark soll neu gestaltet werden

Die Bahn zeichnet für den Bau des Park- und Geschäftshauses verantwortlich, für das man auf einen Investor hofft. Dann soll es nicht nur Bahnkunden zur Verfügung stehen, sondern dem gesamten Quartier, etwa auch den abendlichen Kinobesuchern vom Europaplatz. In der Bauzeit werden Parkplätze unter anderem in der heutigen Viktoriaanlage und an der Westseite in der neuen Bahnstadt entstehen.

Nach der Übergangsnutzung als Parkplatz soll der Viktoriapark neu gestaltet werden. „Das Rendezvous bleibt Bushaltestelle“, sicherte die OB zu, verliere aber den Charakter eines zentralen Drehkreuzes. Ein Um- oder Rückbau stehe derzeit nicht zur Debatte.

Stadtbaumeister Hartmut Ayrle verteidigte die Entscheidung, den neuen Busbahnhof nach links Richtung Saalbachcenter zu verlagern. „Rechts wäre für alle Busse zu wenig Platz.“ Bahnfahrer, die aus der Unterführung kommen, seien künftig schnell, sicher und barrierefrei über Gleis 1 am neuen Busbahnhof. Der Wille, alle Busse zentral zu bündeln, war bei der Entscheidung im Gemeinderat seinerzeit letztlich ausschlaggebend.

Ayrle sicherte zu, dass aber auch hinter dem Bahnhof, sprich in der neuen Bahnstadt, künftig Busse halten werden. Die Frage, wohin das beliebte Irish Pub nach dem Abriss ziehen wird, ist derzeit noch offen.