Das Ergebnis der Blutuntersuchungen zur PFC-Belastung liegt jetzt vor. | Foto: dpa

Weitenunger Bürger beteiligt

Bericht über PFC-Belastung im Blut liegt vor

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Nun haben wir es also endlich schwarz auf weiß und statistisch ausgewertet und abgesichert: Wer PFC-haltiges Wasser trinkt, hat auch die Chemikalien PFC im Blut, und wer viel PFC-Wasser trinkt, hat noch mehr PFC im Blut. Seit Mittwoch ist der 68-seitige Bericht der PFC-Blutkontrolluntersuchung auf der Homepage des Sozialministeriums nachzulesen; das Landesgesundheitsamt hatte die Ergebnisse in den vergangenen Monaten ausgewertet. Sie belegen den eindeutigen Zusammenhang zwischen PFC-belastetem Trinkwasser und dem PFC-Gehalt im Blut.

Von Patricia Klatt

Über Grundwasser belastet

Für die Bürger des Bühler Ortsteils Weitenung dürfte allerdings ein anderes Ergebnis der Blutuntersuchungen interessanter sein. Sie gehörten zur Untersuchungsgruppe B, also zu den „Personen, die nicht über das Trinkwasser, sondern nur über das Grundwasser und so auch gegebenenfalls über den Boden belastet waren“, wie Claudia Krüger von der Pressestelle des Sozialministeriums auf Anfrage  nochmals betonte. „Ein möglicher und wahrscheinlicher Weg der Aufnahme von PFC war bei diesen Personen, dass sie Obst und Gemüse aus ihren Gärten oder ähnliches gegessen haben können.“

Vierseitiger Fragebogen

Die Teilnehmer haben einen vierseitigen Fragebogen ausgefüllt, damit etwaige Zusammenhänge zwischen der Ernährung und dem PFC-Gehalt im Blut ermittelt werden konnten. Abgefragt wurden dafür der Verzehr von Obst, Gemüse, Eiern, Fisch, Wild oder Lamm. Anders als in der Pressemitteilung von Minister Manne Lucha im Oktober des vergangenen Jahres angekündigt, enthält der Bericht allerdings keine Aufschlüsselung der PFC-Belastung und der Ernährung, offenbar gaben das die Daten nicht her. Im Anhang findet sich aber immerhin eine Abbildung über die Häufigkeit des Gemüsekonsums pro Woche und dem PFOA-Gehalt im Blut (PFOA steht für Perfluoroctansäure). Der statistische Median für PFOA im Blut liegt geringfügig höher als zwei Mikrogramm pro Liter Blut, die Maximalwerte sind aber höher, wenn man mehrmals in der Woche oder täglich Gemüse aus dem eigenen Garten gegessen hat (23 und 19,2 Mikrogramm pro Liter).

Belastung bei Frauen geringer

Eine Aufschlüsselung nach Geschlecht der Teilnehmer der Gruppe B ergibt einen Median von 2,7 und 2,4 bei Männern und Frauen, die Maximalwerte liegen bei 15,1 und 23 Mikrogramm PFOA pro Liter Blut.
Diese Verteilung entspricht den bekannten Ergebnissen aus anderen Untersuchungen, die besagen, dass die Belastung der Frauen in aller Regel geringer ist, was mit dem weiblichen Zyklus und dem Stillen begründet wird. Dieses reduziere die Belastung im Körper.

Keine konkrete Aussage zu Folgen

Das Hauptziel der gesamten Untersuchung war allerdings lediglich eine vergleichende Beschreibung von PFOA und anderen PFC im Blut, und die Ergebnisse dokumentieren in vielen Tabellen und Diagrammen die Verteilung der einzelnen PFC in den drei Untersuchungsgruppen. Eine Mehrheit der Teilnehmer des Monitorings überschritt den HBM-I-Wert für PFOA, also den vom Umwelt-Bundesamt noch als tolerabel eingestuften Wert.  Eine konkrete Aussage zu den Folgen dieser Belastung fehlt im Bericht und kann gegenwärtig auch nicht getroffen werden. Eine Überschreitung besagt jedenfalls nicht, dass man automatisch krank wird. „Die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen individuellen gesundheitlichen Effekt hängt zusätzlich von vielen anderen Faktoren ab“, bestätigte das Umwelt-Bundesamt auf Anfrage. Für den Menschen steht die Toxizität aufgrund einer langfristigen Aufnahme und Anreicherung im Körper im Vordergrund, es dauert mehrere Jahre, bis PFOA wieder ausgeschieden wird. Außerdem hat man ein unbekanntes PFC-Gemisch im Blut, was die Prognosen zusätzlich erschwert.

An der Untersuchung nahmen 138 Männer und 200 Frauen aus drei verschiedenen Gebieten teil, in jeder Gruppe war etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer zwischen 51 und 60 Jahre alt. Die Untersuchungsgebiete waren folgende: Gruppe A PFC-belastetes Trinkwasser (Kuppenheim/Gernsbach-Kernstadt) Gruppe B belastete Böden und Grundwasser (Weitenung/die Sinzheimer Ortsteile Müllhofen, Halberstung und Schiftung), Gruppe C ohne PFC-Belastung (Au/Bietigheim/Durmersheim/Elchesheim-Illingen/Ötigheim/Steinmauern).
Der HBM-I-Wert entspricht der Konzentration eines Stoffes in einem Körpermedium, bei dessen Unterschreitung nach aktuellem Wissensstand nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen ist. http://www.sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/gesundheit-pflege/gesundheitsschutz/was-sind-pfc/

 

Markus Benkeser ist der Bühler PFC-Beauftragte. Foto: Klatt

 

Drei Fragen an Markus Benkeser, den PFC-Beauftragten der Stadt Bühl:

Nach einiger Wartezeit hat das Sozialministerium nun auch den ausführlichen Bericht über die Ergebnisse der Blutuntersuchungen veröffentlicht. Weitenung ist betroffene Gemeinde. Haben Sie den Bericht vom Sozialministerium geschickt bekommen?

Benkeser: Nein, wir sind am Mittwoch von der Geschäftsstelle PFC vom Landratsamt in Rastatt informiert worden. Der dortige PFC-Beauftragte Reiner Söhlmann hat mir den Bericht geschickt, ebenso wie den entsprechenden Link dazu auf der Homepage des Ministeriums.

Was bedeuten diese Ergebnisse nun für die Weitenunger Bürger, deren Blut ja auch getestet wurde?

Benkeser: Es bleibt festzuhalten, dass auf alle Fälle die Empfehlungen für die Gartenbewässerung mit den eigenen Brunnen in Weitenung weiterhin eingehalten werden müssen, damit der Boden, die Lebensmittel, Blumen oder Pollen nicht mit PFC belastet werden. Gleiches gilt übrigens auch für Balzhofen. Die Interpretation und Toxikologie der Blutwerte müssen die Fachleute vornehmen.

Wie sehen Sie das weitere Vorgehen des Sozialministeriums?

Benkeser: Ich begrüße, dass die Blutuntersuchungen weiter durchgeführt werden sollen. Und ich hoffe, dass die Weitenunger Bürger auch für den zweiten und dritten Durchgang zur Verfügung stehen werden, damit man auch langfristige Erkenntnisse über die PFC-Blutuntersuchung in der Region bekommt.