Die zahlreichen Wintersportler an der Schwarzwaldhochstraße wurden am Samstagnachmittag von den Behörden aufgefordert, nach Hause zu fahren. | Foto: Bernhard Margull

Zahlreiche Straßensperrungen

Schneechaos an B500 beendet Wintersport-Wochenende

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Für Polizei und Rettungskräfte war es ein Chaoswochenende. Wegen starker Schneefälle und Orkanböen im Höhengebiet an der Schwarzwaldhochstraße (B 500) musste die Strecke zwischen Sand und Ruhestein am Samstagnachmittag gesperrt werden. Auch viele Zufahrtsstraßen im südlichen Landkreis Rastatt und vor allem im Ortenaukreis wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Wintersportler wurden zum Teil evakuiert. „Wir beobachten die Wetterentwicklung und entscheiden von Stunde zu Stunde“, erklärte Karen Stürzel, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Offenburg, gegenüber dieser Zeitung. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei wurde niemand verletzt. Dies ist vor allem dem umsichtigen Handeln der Einsatzkräfte zu verdanken.

Engagierte Feuerwehren aus Bühl und Bühlertal

Der Rastatter Kreisbrandmeister Heiko Schäfer hat den Einsatz der Feuerwehren Bühl und Bühlertal am Samstag von der Leitstelle in Rastatt aus koordiniert. Am Sonntag fuhr er mit dem Bühler Feuerwehrkommandanten Günter Dußmann ins Höhegebiet, um sich vor Ort einen Überblick zu verschaffen. „Ganz oben schneit es, ab 900 Meter geht der Schnee in Regen über“, berichtete Schäfer. „Dazu weht ein scharfer Wind. Damit steigt wegen des hohen Anteils von schwerem Nassschnee das Risiko von Windbruch.“ Die Einsatzleitung liege bei der Polizei und den Straßenmeistereien, stellte Schäfer fest. „Natürlich unterstützen wir die bei ihrer Arbeit nach Kräften.“

Zahlreiche Autos wurden durch umstürzende Bäume oder herabgestürzte Äste schwer beschädigt. | Foto: Bernhard Margull

Viele Ausflügler unterwegs

Günter Dußmann war am Samstag und am Sonntag mit seinen Kameraden an der Schwarzwaldhochstraße im Einsatz. Er berichtete von regem Ausflugsverkehr in den Skigebieten am Samstag. Nachdem die Polizei die Wintersportler im Verlauf des Nachmittags aufgefordert hatte, das Höhengebiet zu verlassen, halfen die Feuerwehrleute bei der Evakuierung. Mehrere umgestürzte Bäume, die die Fahrbahn blockierten, mussten zersägt und weggeräumt werden. Dußmann erinnert sich an eine kritische Situation. „Bei Hundseck knirschte urplötzlich ein mit viel Nassschnee bedeckter Baum und neigte sich mindestens um 30 bis 40 Zentimeter“, berichtete der Bühler Feuerwehrchef. „Alle dachten, er stürzt gleich auf die Straße. Dann blieb er aber glücklicherweise doch stehen.“

Die Straßenmeistereien waren im Dauereinsatz. Am Sonntag hielten sie für die Rettungsdienste zumindest eine Spur der gesperrten Schwarzwaldhochstraße frei. | Foto: Bernhard Margull

Nicht ohne Risiko

Die Evakuierung der Wintersportler war nicht ohne Risiko. Weil die Autos unter vom Umsturz bedrohten Bäumen standen, wurden sie zum Teil von Feuerwehrleuten ausgeparkt und zu einem sicheren Ort gefahren, wo die Ausflügler in Ruhe einsteigen konnten. „Ansonsten haben wir, um die Gefahr zu minimieren, darauf geachtet, dass nur der Fahrer zum Fahrzeug geht“, sagte Dußmann. „Der Rest der Familie ist dann später zugestiegen.“

Ein Baum stürzte auf das Soldatenbergheim bei Hundseck. Die Bühler Feuerwehr evakuierte die Bewohner | Foto: Bernhard Margull

Hilfsbereitschaft war groß

Vor großen Problemen standen nach Auskunft des Bühler Kommandanten die Wintersportler, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist waren. Diese fuhren ab einem bestimmten Zeitpunkt nämlich nur noch unregelmäßig oder gar nicht mehr. „Wir haben für diese Leute Taxis gerufen oder Mitfahrgelegenheiten in nicht voll besetzten Privatautos organisiert“, erklärte Dußmann. „Das hat sehr gut funktioniert. Die Leute haben toll reagiert.“ Die Bühler Feuerwehrleute telefonierten nach Auskunft ihres Chefs alle Skihütten ab. „Wir haben die Menschen aufgefordert, den Gefahrenbereich zu verlassen“, sagte Dußmann. Kritisch wurde es für die rund 15 Touristen im sogenannten Soldatenbergheim bei Hundseck, auf das am späten Samstagnachmittag ein Baum stürzte. „Glücklicherweise wurde niemand verletzt“, berichtete Dußmann. Die Ausflügler, die im Soldatenbergheim eigentlich übernachten wollten, konnten das Gebäude mit Hilfe der Bühler Feuerwehrleute verlassen. Die Floriansjünger räumten die durch einen umgestürzten Baum versperrte Zufahrt frei.

Mit vereinter Kraft schieben Helfer und Passanten diesen Mini ins Freie. | Foto: Bernhard Margull

Viele unvernünftige Autofahrer

Nicht alle Autofahrer waren vernünftig. Trotz der Sperrung zahlreicher Zufahrtsstraßen zur Schwarzwaldhochstraße ignorierte am Sonntag eine ganze Reihe von ihnen die Absperrungen. „Grenzwertig“ nannte ein Polizeisprecher dieses Verhalten, das rein juristisch eine Ordnungswidrigkeit darstellt. „Die Leute fahren hoch und müssen nach wenigen Kilometern wegen eines auf die Fahrbahn gestürzten Baumes stoppen“, berichtet der Polizeisprecher. „Dann zücken sie ihr Handy, rufen uns an und verlangen, dass wir die Straße freiräumen.“

Jede Menge Arbeit für die Straßenmeistereien. Die B500 wird aufgeräumt. | Foto: Berhard Margull

Skilifte geschlossen

Auch ohne dieses extrem leichtsinnige und rücksichtslose Verhalten einiger Verkehrsteilnehmer hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun. Der gesperrte Abschnitt der Schwarzwaldhochstraße wurde von der Straßenmeisterei einspurig geräumt, damit Rettungskräfte im Notfall durchkommen. Die Tourist-Info Seebach appellierte in einer Pressemitteilung an die Touristen. „Es wird dringend gebeten, den Wald nicht zu betreten.“ Loipen und Skilifte waren am Sonntag geschlossen. Lediglich der Skilift Ruhestein war in Betrieb. In Hundseck und Unterstmatt standen die Lifte still.

Pension zur großen Tanne: Wer abreisen will, kann dies nur unter Begleitung der Polizei tun. | Foto: Bernhard Margull

Hotel evakuiert

Das aufregende Ende eines Wintersport-Wochenendes erlebten am Sonntag die Gäste der Gaststätte zur großen Tanne auf Unterstmatt. Weil die Behörden für die Gäste der Pension keine Gefahr durch Schneebruch sahen, durften sie die Nacht zum Sonntag im Höhengebiet verbringen. Am Sonntag wurden sie dann von Polizei und Feuerwehr mit einem in der Art eines Konvois in Richtung Tal eskortiert.

Gefährlicher Wettermix

Nachdem in der Nacht zum Sonntag erneut 30 Zentimeter Neuschnee gefallen waren, gab es im Laufe des Tages einen gefährlichen Wettermix aus Regen und Schnee. „Es sind erneut viele Bäume umgestürzt“, berichtete der Bühler Feuerwehrchef Günter Dußmann. „Gott sei Dank wurde niemand verletzt.“ Lediglich mehrere parkende Autos wurden zum Teil erheblich beschädigt. Das leichtsinnige Verhalten vieler Touristen, die die Warnungen der Behörden missachten, macht Dußmann ratlos. „Jeder muss wissen, ob er sich in Gefahr bringen will“, meinte er. „Das Risiko ist nach wie vor wegen der umstürzenden Bäume sehr hoch.“

Landratsamt Offenburg warnt vor Gefahren

Auch Kai Hockenjos, der Pressesprecher des Landratsamtes in Offenburg, warnte die Autofahrer. Der Landkreis hatte am Sonntag wegen Schneebruch insgesamt acht Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in Richtung Höhengebiet gesperrt. „Wir bitten dringend, die Sperrungen zu beachten“, meinte er in einer Mail an die Redaktion.