ANALYSESYSTEME entwickelt, testet (Foto) und baut die Stratec SE. Damit lassen sich auch Corona-Infektionen nachweisen. Die Nachfrage nach den Geräten ist groß – Stratec sieht sich angespornt, auch weiterhin lieferfähig zu bleiben. | Foto: Fabry

Herausfordernde hohe Nachfrage

Birkenfelder Firma Stratec kämpft mit Analysegeräten gegen Corona an

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Die Stratec SE aus Birkenfeld kann im Kampf gegen das Coronavirus helfen. Der Hersteller von Analysesystemen macht das auch – sieht sich aber zugleich durch die enorm gestiegene Nachfrage nach den Geräten herausgefordert.

„Von einer Vervielfachung des Auftragsbestandes in manchen Produktlinien“ spricht Vorstandschef Marcus Wolfinger im Gespräch mit dieser Zeitung. Verantwortungsbewusst wolle man einen Beitrag leisten, um die Pandemie einzudämmen.

Mit den Geräten können Corona-Infektionen nachgewiesen werden

Stratec liefert Geräte an Kunden, mit denen auch Corona-Infektionen nachgewiesen werden können. Der italienische DiaSorin-Konzern nutzt das „MDX“-Analysesystem, um Corona aufzuspüren. Der US-amerikanische Hologic-Konzern als weiterer Stratec-Kunde setzt das „Panther-Fusion“-System ein.

„Mehrere Hundert Geräte sind jeweils installiert, auf denen Corona-Tests laufen können“, sagt Wolfinger. Die Geräte würden weltweit vertrieben, momentan aber mit Priorität in Europa und Nordamerika. Die Analysesysteme stehen nach seinen Worten auch in Deutschland.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

 

Voraussetzung für beide Systeme ist ein Rachenabstrich beim Patienten mit einem Wattestäbchen. Dieser kommt in eine Art Reagenzglas mit einer Flüssigkeit; dann wird geschüttelt. So gelangen Teile der Zellen in die Flüssigkeit.

Einer der schnellsten Corona-Tests mit zuverlässigen Ergebnissen

Beim „MDX“-System, wie es DiaSorin nutzt, könne man bis zu zwölf unterschiedliche Proben in das Analysegerät bringen. „Das ist gerade einmal so groß wie ein Motorradhelm“ und daher für dezentrale Tests geeignet. DiaSorin biete einen der schnellsten Tests – Wolfinger spricht von 50 Minuten –, der ein sehr zuverlässiges Resultat liefere. Mehrere Hundert Geräte seien in Europa im Einsatz.

Bei Hologic mit dem „Panther-Fusion“-System könnten innerhalb von drei Stunden über 500 Proben untersucht werden. Nachteil: Nach dem Rachenabstrich müssen die Proben in das jeweilige Zentrallabor gebracht werden. Das Analysegerät selbst sei so groß wie eine Schrankwand. Ein Vorteil beider Verfahren ist: Bereits vorhandene Analysegeräte, auf denen beispielsweise bislang auf Influenza getestet wurde, können auf Corona-Tests umgestellt werden.

Frühzeitig auf Zulieferer zugegangen

Stratec selbst könne und dürfe allerdings selbst keine Proben entnehmen und Tests durchführen, betont Wolfinger. Der Vertrieb und die Platzierung der Diagnosegeräte sei ausschließlich an die exklusiven Partnerunternehmen möglich. Die haben, was nicht überraschen dürfte, kräftig nachgeordert.

„Wir fahren im Augenblick auf Sicht“, sagt der Stratec-Chef. In beiden Geräten sind Vorprodukte, die Stratec aus Nordamerika und aus China bezieht. Bereits im Februar habe man die Zulieferer aufgefordert, alles zu liefern, was sie nur könnten. Wolfinger: „Wir haben aktuell noch eine gute Versorgung, erste Schwierigkeiten zeichnen sich aber ab.“

Alle Informationen gibt es auf bnn.de/coronavirus

An der Mannstärke in den Stratec-Werken „liegt es aktuell noch nicht, obwohl die Einschläge natürlich näherkommen“, spricht Wolfinger die Ausbreitung der Corona-Pandemie an. Die Analysesysteme werden in Birkenfeld im Enzkreis, in der Schweiz und in Ungarn hergestellt.

Zügig lösbare Probleme mit Verbrauchsmaterialien

Stratec habe übrigens bereits ab Anfang Februar Vorkehrungen getroffen, auf Zwei-Schicht-Betrieb, erhöhte Desinfektionsmaßnahmen und Home Office umgestellt.

Verbrauchsmaterialien wie sehr kleine Kunststoffröhrchen kommen aus dem Werk Österreich. „Hier ist die Versorgung eher ein zeitlich begrenztes Problem“, sagt Wolfinger. Die Stücklistentiefe sei gering, das lasse sich auf Monatsfrist in Griff bekommen.

Die genannten Analysesysteme nutzen die Polymerase-Kettenreaktion (PCR): Mit ihr werden DNA-Stücke kopiert und vervielfacht, um nach speziellen DNA-Stücken des Coronavirus zu suchen.

Stratec gehört zu den Weltmarktführern

Stratec wurde 1979 gegründet und zählt mit seinem Geschäftsmodell zu den Weltmarktführern. Das TecDax-Unternehmen beschäftigt rund 1.280 Mitarbeiter. In den ersten neun Monaten 2019 erlöste es 161 Millionen Euro.