Neue Erkenntnisse über die Täter erhoffte sich die Polizei am Donnerstag bei der Suche nach Hinweisen am Fundort des Leichnams im Hagenschießwald. 25 Beamte durchkämmten das Waldstück.
Polizisten durchkämmten am Donnerstag erneut das Waldstück, in dem Simon Paulus' Leiche am Dienstag gefunden worden war. | Foto: Gress (Archiv)

Nach Obduktionsergebnis

Warum wurde Simon Paulus getötet? – Der aktuelle Ermittlungsstand

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Bei dem am Dienstag im Waldstück „Hagenschieß“ bei Pforzheim gefundenen Toten handelt es sich um den seit rund vier Wochen vermissten Jäger Simon Paulus aus Birkenfeld-Gräfenhausen im Enzkreis. Nun gehen die Ermittlungen weiter. Die eigens für den Fall gebildete Sonderkommission „Wagner“, die bereits gut eine Woche nach dem Verschwinden des Jägers mit rund 40 Polizeibeamten gebildet wurde, arbeitet nun also an der Aufklärung des Tötungsdeliktes.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe, Zweigstelle Pforzheim, hat nun in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Polizeipräsidium Karlsruhe bestätigt: Die Obduktion sei am Freitagvormittag in der Heidelberger Rechtsmedizin durchgeführt worden und habe den Verdacht bestätigt. Eine unabhängige DNA-Analyse des Landeskriminalamts untermauere das Untersuchungsergebnis: Der Tote aus dem Pforzheimer Wald ist Simon Paulus.

Todesursache: Gewalt

Die rechtsmedizinische Untersuchung habe ergeben, dass Paulus gewaltsam zu Tode kam. Aus ermittlungstaktischen Gründe könnten derzeit keine Details zur genauen Todesursache genannt werden, so die Polizei.

Mehr Waffen gefunden

Die Polizei bestätigte außerdem – wie von den BNN schon berichtet – dass bei der Durchsuchung einer Wohnung in Herrenberg Anfang September mehrere großkalibrige, wohl auch automatische Waffen gefunden und sichergestellt worden sind. In der Wohnung hatte Paulus früher gelebt. Hinweise auf illegale Waffengeschäfte des Jägers bestätigt die Polizei bisher nicht.Gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“ machte Polizeisprecher Frank Ortruba jedoch auch deutlich, dass die gefundenen Waffen „sicher auch für Kriminelle interessant gewesen wären“.

Die Polizei geht jedoch nicht davon aus, dass jemand vor ihr in der Wohnung in Herrenberg war. „Wir gehen davon aus, dass dort nichts gefehlt hat“, sagte Otruba der PZ. Da die Waffen in der Wohnung hinter einer Tür versteckt gewesen seien, seien sie nicht besonders schwer zu finden gewesen.

Wo sind die fehlenden Waffen aus der Wohnung in Gräfenhausen?

Von den fehlenden Waffen aus der Wohnung in Gräfenhausen sei ein Großteil zur Durchführung krimineller Taten eher uninteressant, betont die Polizei jedoch. Die registrierten Waffen ließen sich kaum verkaufen, weil sie „heiß“ seien. Dennoch fehlt von den entwendeten Waffen bislang jede Spur. Wie die Polizei bereits am Dienstag berichtete, haben die Täter die Munition zu den fehlenden Waffen aus der Gräfenhausener Wohnung nicht mitgenommen. Die Waffenschränke seien ordnungsgemäß per Schlüssel geöffnet worden, welchen Paulus angeblich immer bei sich trug.

Hatten es die Täter auf Paulus‘ Waffenlager in Herrenberg abgesehen?

Der Fundort der Leiche im Pforzheimer Wald könnte darauf hindeuten, dass die Täter Kenntnis von den Waffen in der Wohnung in Herrenberg und es auf diese möglicherweise abgesehen hatten. Der Fundort der Leiche und die Wohnung von Simon Paulus in Gräfenhausen liegen zwar nur wenige Kilometer auseinander, das Waldstück ist jedoch von Gräfenhausen schwer zu erreichen und liegt unweit eines Weges, auf dem häufig Fahrradfahrer und Jogger unterwegs sind. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass die Täter aus Pforzheim oder dem Enzkreis kommen, zumindest lässt der Fundort vermuten, dass die Täter Ortskenntnis haben.

Polizeisprecher Frank Otruba hält diese Lesart auf Nachfrage für möglich. Aber auch die Frage, ob die Täter möglicherweise unüberlegt den Ort auswählten und sich nicht auskannten, beschäftige die Ermittler. „Wir halten beide Möglichkeiten für denkbar“, so Otruba.

Mit diesen Fotos suchte die Polizei über Wochen nach dem vermissten Simon Paulus aus Birkenfeld im Enzkreis. | Foto: Polizei © T. Sander/realstockvector - stock.adobe.com/

Der Fall Simon Paulus

Seit dem 29. August galt der damals 50-Jährige aus dem Birkenfelder Teilort Gräfenhausen im Enzkreis als vermisst. Nachbarn hatten einen Streit wahrgenommen, Paulus danach nicht mehr gesehen. Als die Polizei Blutspuren in seinem Haus fand, keimte der Verdacht eines Verbrechens auf. Erst später wird klar, dass es sich dabei um eine derart erhebliche Menge Blut, die bereits im Erdreich am Haus versickert war, gehandelt hatte, dass die Ermittler längst von einer mindestens lebensgefährlichen Verletzung ausgingen.

Leiche bei Bad Herrenalb

Als Mitte September zwischen Bad Herrenalb und Dobel im Kreis Calw eine Leiche gefunden wurde, keimte bei vielen sofort der Verdacht auf, dass es sich dabei um den Vermissten handelte. Bei der Obduktion stellte sich dann heraus, dass der Erschossene ein 47-jähriger gebürtiger Iraker aus dem Stadtkreis Baden-Baden ist. Auch in diesem Fall dauern die Ermittlungen der Polizei noch an.

Deutschlandweites Interesse

Die Polizei suchte weiter nach Simon Paulus, auch unter dem Einsatz einer Drohne. Am Dienstag veranstaltete das Polizeipräsidium Karlsruhe dann wegen der deutschlandweiten Nachfrage vieler Medien einen Informationstermin im Fall Paulus. Obwohl die Polizei vorab klar signalisiert hatte, dass es keine neuen Erkenntnisse gab, nutzten viele Journalisten den Termin und sammelten O-Töne. Zu dem Zeitpunkt galt Paulus bereits über einen Monat als vermisst.

Das Ende der Suche

Keine zehn Minuten, nachdem der Pressetermin vorbei war, dann die Nachricht: Ein Waldarbeiter hatte im „Hagenschieß“ bei Pforzheim eine Leiche gefunden. Aufgrund körperlicher Merkmale vermutete die Polizei Paulus als das Opfer. Das Obduktionsergebnis von Freitagvormittag brachte dann die Bestätigung. Die Suche nach dem Täter bedeutet für die Polizei auch die Suche nach den Waffen des Jägers, die als vermisst gelten.