Noch sind keine Massen am Strand: Es hängt sehr vom Verhalten der Badegäste ab, ob künftig beispielsweise über eine Begrenzung der Besucherzahl oder ähnliches nachgedacht müsse, meinen die Ordnungskräfte.
Noch sind keine Massen am Strand: Es hängt sehr vom Verhalten der Badegäste ab, ob künftig beispielsweise über eine Begrenzung der Besucherzahl oder ähnliches nachgedacht müsse, meinen die Ordnungskräfte. | Foto: Garcia

Polizei zeigt sich zufreiden

Corona-Vatertag bei Superwetter: Viel los am Epplesee in Rheinstetten

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Der Vatertag im Südwesten ist größtenteils besinnlich verlaufen. Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen trieb es auch in der Region viele ins Freie: Am Epplesee in Rheinstetten etwa war am Feiertag viel los. Eine Corona-Sonderstreife achtete auf den nötigen Mindestabstand.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Garcia

Vatertag, Mittagszeit: Der Parkplatz, der nach Auskunft von Ordnungsamtsleiter Ronald Daum rund 1.200 Fahrzeuge fasst, ist beinahe voll. Dicht an dicht stehen die Autos aus Karlsruhe, Stuttgart, Rastatt, Ludwigsburg oder Freiburg in Reih und Glied.

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Etliche Fahrräder lehnen oberhalb des Sees an der To-Go-Getränke-Ausgabe beim Biergarten „Seegugger“ aneinander, und unten am Strand erobern sich an diesem sommerlichen Donnerstag die Sonnenhungrigen, ausgerüstet mit (oder im FKK-Bereich auch ohne) Bikini, Badehose und Sandelzeug den Epplesee zurück.

Etliche Fahrräder lehnen oberhalb des Sees aneinander. | Foto: Garcia

Michael Guth von der Dienstgruppe des Polizeireviers Ettlingen kontrolliert mit der Corona-Sonderstreife an diesem Tag mehrfach die Ausflugsschwerpunkte im Umkreis – auch den Epplesee. Vier Mal haben sie bis zum Nachmittag schon nach dem rechten gesehen.

„Von oben betrachtet sieht es auf den ersten Blick extrem eng aus“, so Guth. „Aber wenn man dann nach unten geht und theoretisch mit dem Maßband kommt – dann werden die vorgeschriebenen Abstände zwischen den einzelnen Plätzen durchaus eingehalten.“

Wir bewegen uns da in einem grenzwertigen Bereich.

Michael Guth, Polizist

Allerdings gebe es ein Problem im Uferbereich. „Auch wenn die Abstände zwischen den Liegeplätzen eingehalten werden: Wenn alle zum Wasser gehen, müssen sie den Platz zwischen den Decken als Weg benutzen. Damit ist dann der Abstand nicht mehr gegeben.“

Wenn die Verordnung weiterhin so bestehen bleibt, dann sei mittelfristig zu überdenken, wie dieses Problem im Uferbereich gelöst werden könne. „Auf der Liegewiese ist genug Platz, das ist kein Problem. Nur eben vorne am Wasser wird es zu eng.“

Corona-Sonderstreife achtet auf Mindestabstand

Etwa 20 Prozent der Besucher seien aufgefallen, die sich „gefühlt haben wie an einem ganz normalen Badetag. Cliquen, die eben nicht aus zwei Familien bestehen“, so Guth. „Wir sind durchgegangen und haben an entsprechender Stelle darauf hingewiesen und den Abstand wiederhergestellt. Aber man muss ganz klar sagen: Wir bewegen uns da in einem grenzwertigen Bereich, wenn es im Sommer womöglich noch voller am Epplesee wird.“ Es hänge sehr vom Verhalten der Badegäste ab, ob künftig beispielsweise über eine Begrenzung der Besucherzahl oder ähnliches nachgedacht müsse – oder eben nicht.

Einige Besucher wagten sich sogar ins Wasser. Andere blieben lieber unter ihrem Sonnenschirm liegen.
Einige Besucher wagten sich sogar ins Wasser. Andere blieben lieber unter ihrem Sonnenschirm liegen. | Foto: Garcia

Auf zwei Decken am Strand haben es sich zwei befreundete Paare aus Ettlingen-Bruchhausen bequem gemacht. „Richtig cool“ findet Michaela Baum die Möglichkeit, am Epplesee in der Sonne liegen, schwimmen gehen und sich mit Freunden verabreden zu können.

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„Normalerweise sind wir immer am Buchtzigsee in Ettlingen. Aber der hat ja zu – man muss dann eben gucken, wo man hingehen kann.“ Bezüglich der Abstandsregeln sei alles in Ordnung. „Wir haben noch niemanden gesehen, wo jetzt drei oder mehr Familien dicht an dicht auf einem Fleck gesessen wären. Es schauen schon alle, dass sie sich an die Regel halten.“ Freund Axel Jung aus Bruchhausen geht schon seit Jahren an den Epplesee. „Balsam für sie Seele“, sagt er und lacht. Das sei heute ein bisschen wie Alltag in Coronazeiten.

Man hat halt nicht viele Möglichkeiten, mit Kindern was zu unternehmen.

Philipp Barenthien, Besucher aus Rheinstetten

Mit der Familie hat es sich Philipp Barenthien aus Rheinstetten am Seeufer im Schatten bequem gemacht. „Man hat halt nicht viele Möglichkeiten, mit den Kindern was zu unternehmen momentan“, sagt er, während der Nachwuchs in Bikini und Badehose am Ufer die Wassertemperatur testet und sich gleich darauf mutig ins noch kühle Wasser wagt. „Hier an unserem Heimatstrand haben wir jetzt zum Glück den Luxus, dass wir uns vor der eigenen Haustür ein bisschen wie im Urlaub fühlen können.“

„Eine abgespeckte Vatertags-Radtour“ machen derweil René Gattner aus Ettlingen und Martin Kappich aus Malsch. Die Freunde haben sich eben ein Bier gekauft und pausieren gut gelaunt oberhalb des Sees im Schatten, bevor sie zum Rheinkiosk weiterradeln wollen.

Reduzierter Vatertag: Die Freunde Jürgen Kistner (links) und Micha Grob machen einen Zwischenstopp bei der To-Go-Getränkeausgabe am „Seegugger“ am Epplesee.
Reduzierter Vatertag: Die Freunde Jürgen Kistner (links) und Micha Grob machen einen Zwischenstopp bei der To-Go-Getränkeausgabe am „Seegugger“ am Epplesee. | Foto: Garcia

„Wir waren früher schon oft hier. Und gefühlt ist heute wesentlich mehr los als sonst um diese Jahreszeit“, sagt Gattner. „Aber es ist voll okay. Man bekommt sein Bier, die Leute sind gut drauf.“ Und die Abstandsregeln? „Die Leute halten sich schon dran“, finden die beiden. „Man ist ja dran gewöhnt inzwischen.“

So sehen das auch Jürgen Kistner und Horst Koch. Mit Freunden sind die beiden Rheinstettener ebenfalls auf Vatertagstour, und auf ein Bierchen bei der abgespeckten Seegugger-Getränke-Ausgabe gelandet. Zahlenmäßig seien sie heute aber auch „sehr reduziert.

Normalerweise sind wir mindestens um die zwölf Leute an diesem Tag. Heute haben wir uns aufgeteilt und sind hier jetzt nur zu viert“, so Kistner. Aber man lasse sich von so einer Krise ja nicht aus der Fassung bringen. „Man merkt schon, dass eine gewisse Distanz da ist. Das ist bei den Leuten schon in den Köpfen so drin.“ Eigentlich seien an solchen Tagen überspitzt gesagt ja 500 Mann auf zehn Quadratmetern. „Jetzt ist’s halt anders, aber es ist trotzdem schön.“