Die Gänsberghexen bei ihrem Auftritt im Europapark Rust mit Moderator Stefan Mross. | Foto: Weßbecher

Narrenkleid nur an Fasnacht?

Mörscher Gänsberghexen treten im Fernsehen auf – und ernten Shitstorm

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Die Gänsberghexen machten den Kunstnamen „Rheinstetten“, entstanden aus den Dörfern Neuburgweier, Forchheim und Mörsch in den 70er Jahren, binnen Sekunden deutschlandweit bekannt. Die Mörscher Fasnachter lösten in den Sozialen Medien am Sonntag mit ihrem Hexentanz in der ARD einen kleinen Shitstorm der Empörung aus.

„Das geht ja gar nicht! Außerhalb der Fastnachtszeit mit der Maske bei einer Show-Veranstaltung aufzutreten“, war Volker Gegg noch am Dienstagnachmittag außer sich. Der Pressereferent der Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) ist schockiert, dass Moderator Stefan Mross bei „Immer wieder sonntags“ im Europapark Rust mitten im Sommer den Tanz der Hexengruppe in Maske, T-Shirt und ohne Handschuhe zugelassen habe.

Vereinigung der Narrenzünfte geschockt

Und er lässt in einer Pressemitteilung seinen Präsidenten Roland Wehrle erklären, weshalb das Tragen von Häs und Maske (Larve) außerhalb der Fastnachtszeit für die „wahren“ Mitgliedszünfte, geschweige denn in einem Narrenkleid außerhalb der Fastnacht, ein absolutes Tabu ist: „Jedes Fest und jeder Brauch hat seine Zeit und die schwäbisch-alemannische Fastnacht wird von Dreikönigstag bis einschließlich Fastnachtsdienstag gefeiert.“

Narrenkleid außerhalb der Fasnacht tabu

Gegg setzt noch einen drauf: Die Kommentatoren in Facebook, die zu über 90 Prozent den Auftritt außerhalb der Fastnachtzeit ebenfalls empörend finden, bestätigten die Kritik an der ARD. Da sind Sätze zu lesen wie: „Mit Laufbändel und T-Shirt. Ein ganz erbärmlicher Beitrag zur Sommerbelustigung. Eine Schande für jeden Hästräger“, „Ich stell’ auch nicht den Weihnachtsbaum im Juni auf“ oder „Man könnte mal beim Sender nachfragen, was sich die Verantwortlichen gedacht haben.“

„Badischer“ Flammkuchen mit Maultäschle

„Wie wenn wir in der Welt keine anderen Probleme hätten“, meinte gestern Sebastian Schrempp, Rheinstettens Oberbürgermeister zur Kritik am Auftritt seiner Hexengruppe. Vielleicht schwinge bei den Kritikern der VSAN nur der Neid mit; dass nicht eine ihrer altehrwürdigen Zünfte bei Stefan Mross’ Sendung dabei war. Schrempp scherzhaft: „Wir sind für die da oben, vermutlich ohnehin nicht dazugehörig, weil wir weder schwäbisch noch alemannisch sind. Vielleicht glauben die gar, wir seien „pfälzisch“.

Vielleicht glauben die gar, wir seien ‚pfälzisch‘

Letztlich sei die Sendung eher „Sommerbelustigung“. Vom typischen Rheinstettener „badischen“ Flammkuchen mit Maultäschle, der in der Sendung vorgestellt worden sei, habe man jedenfalls in der Stadt noch nichts gehört.