Patrick Seitz (links) von der Firma Aluplast nimmt seine bestellte Stulle entgegen in AnMa's Brasserie in Ettlingen entgegen.
Patrick Seitz (links) von der Firma Aluplast nimmt seine bestellte Stulle entgegen in AnMa's Brasserie in Ettlingen entgegen. | Foto: Bentz

Neuer Außer-Haus-Service

Ettlinger Gastronomen lassen sich während der Corona-Krise viel einfallen

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Wo es sonst von Menschen wimmelt, die die strahlende Sonne zum Anlass nehmen, sich ein Eis zu gönnen oder bei einem Kaffee zu entspannen, da herrscht jetzt gähnende Leere: Der Außenbereich des Café Tiziano am Ettlinger Schloss steht symbolisch für den Zustand der Gastronomie in Zeiten von Corona.

Die Pandemie trifft die Wirte, die ihre Gaststätten zur Eindämmung des Virus am 21. März schließen mussten, hart. Den Kontakt zu ihren Kunden wollen viele aber weiter aufrecht erhalten – deshalb bieten sie Abhol- oder Lieferdienste an.

Patrick Seitz ist der erste, der am Mittwochmorgen um kurz vor halb neun Uhr vor AnMa’s Brasserie in der Quergasse steht, um sein belegtes Brot abzuholen. Er ist eine von rund zehn Personen, die die Mahlzeit am Vortag vorbestellt haben. Eine „Probestulle“ sei das, erklärt Seitz – in seiner Firma schließe kommende Woche die Kantine, deshalb teste er nun Alternativen. Erst vor einem Jahr hat die Brasserie eröffnet. Die Zwangsschließung ist ein schwerer Dämpfer.

Stammkunden plus neue Kunden

Zwar blieben viele Stammkunden ihnen treu und nutzten jetzt den Abholservice, den AnMa’s täglich für Stullen und immer mittwochs und freitags für warme Mittagsgerichte anbietet, erzählt Anna-Marie Rathel, die das Lokal mit ihrem Partner Richard Fischer betreibt. Auch neue Kunden kämen hinzu. Aber mit dem Bestelldienst könne man nicht einmal die Hälfte der Umsätze erzielen, die die Gaststätte vorher hatte. Das AnMa’s liefert auch aus, aber nur größere Mengen. Derzeit zählt ein Unternehmen zu den Kunden, das 20 Gerichte bekommt.

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Für das Frühstück hatte ich Reservierungen bis in den Mai hinein.

Sibyla Rigohrt, Betreiberin Café Lavandou

Eine reduzierte Auswahl an Gerichten bietet das Café Lavandou zum Mitnehmen an: Burger, belegte Baguettes und Salate können sich die Kunden dort nachmittags nach telefonischer Vorbestellung abholen. Etwas mehr als fünf Portionen verkaufe sie pro Tag, berichtet Sibyla Rigohrt. Damit erziele sie vielleicht zehn Prozent des Umsatzes, den sie vorher vor allem durch Einnahmen im Frühstücksbuffet hatte.

Soforthilfe nur Fixkosten für einen Monat

„Für das Frühstück hatte ich Reservierungen bis in den Mai hinein“, erzählt sie. Die Gastronomin hat finanzielle Unterstützung beantragt, sie hat etwa Anspruch auf einen einmaligen Zuschuss aus dem Soforthilfe-Programm des Landes in Höhe von 9.000 Euro. Bei weitem nicht genug, sagt Rigohrt: „Das sind vielleicht die Fixkosten für einen Monat.“

Im „Kochtöpfle“ sorgen derweil vor allem fehlende Firmenkunden für Einbußen. Zwei Unternehmen werden derzeit bedient – laut Inhaberin Michaela Jacobs „deutlich weniger“ als üblich. „Dadurch, dass viele Homeoffice machen, fällt einiges weg.“ 80 bis 90 Gerichte gehen zudem täglich an Abholer raus, in Mikrowellenschalen verschweißt zum späteren Aufwärmen oder warm auf die Hand. Viele ältere Stammkunden kommen nicht mehr, so Jacobs. Sie vermutet, dass sie wegen des Virus lieber das Haus nicht verlassen. „Wir hoffen, durchhalten zu können.“

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Aus der Not eine Tugend macht Gastronom Edwin Hartmaier von Hartmaier’s Villa mit Blick auf Ostern. Da er sein Restaurant nicht öffnen darf („das trifft uns natürlich gerade über solche Feiertage hart“), hat er mit seinem Küchenchef eine kleine Auswahl an Vor- und Hauptspeisen sowie Desserts kreiert, die man am Ostersonntag und Ostermontag bei ihm abholen kann. Dafür wirbt Hartmaier auf seiner Homepage und auf Flyern, die er verteilt hat. „Erste Bestellungen von treuen Kunden liegen bereits vor“, sagt er. Das Angebot sei ein Versuch, in der Corona-Krise nicht kompletten Leerlauf zu haben.

Kleinere Karte im Internet

Der „Markgrafenkeller“ präsentiert während der Zwangspause ebenfalls eine kleine Karte im Internet. Man könne die bestellten Speisen abholen oder sie sich bringen lassen, erzählt Küchenchef Hans-Joachim Reinhart. Seine Frau Silvia spricht davon, dass bislang ein dutzend Mal Essen geholt und drei- bis viermal welches ausgefahren wurde. Wirklich lohnen „tut sich das nicht“, man wisse aber, dass gerade ältere Gäste, die „sonst regelmäßig bei uns essen, die Alternative schätzen“.

Über Mittag und abends ist das „Portobello“ mit einem Abholservice am Start. Beim Italiener könne man mehr als nur Pizza ordern, versichert Antonino Sudera. Anrufe kämen eher spontan, kalkulierbare Einnahmen habe das Restaurant derzeit nicht. „Aber wir halten so wenigstens Kontakt mit unseren Kunden.“ Ähnlich beim Alten Jahn in Ettlingenweier: „Unter der Woche haben wir fünf bis acht Bestellungen pro Tag, am Wochenende etwas mehr“, sagt Jeanette Vetrano.

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Es geht darum, ein bisschen Geld in die Kasse zu spülen und Kontakt zum Kunden zu halten.

Jeanette Vetrano, Wirtin „Alter Jahn“ in Ettlingenweier

Vor Corona hat der Familienbetrieb noch bis zu 100 Essen täglich an Kindergärten ausgeliefert, das und die Einnahmen durch das Lokal fallen jetzt weg. „Es geht darum, ein bisschen Geld in die Kasse zu spülen und Kontakt zum Kunden zu halten“, so Vetrano zum Abhol- und Lieferdienst, den sie mit Mann und Sohn stemmt. Auch bei Metzgereien, die zwar öffnen, aber keinen Mittagstisch mehr bei sich anbieten dürfen, agiert man flexibel. Brigitte Weingärtner etwa berichtet, dass Ältere sich in Corona-Zeiten gern mal beliefern lassen – mit Warmem wie Kaltem.

Auftrag für Erstkommunion im Oktober

Bitter seien die Absagen im Catering wegen verschobener Hochzeiten, Konfirmationen, Kommunionen. Es gebe aber positive Signale: „Erst dieser Tage hat uns ein Kunde aus Karlsruhe einen Auftrag für den 3. Oktober erteilt, wenn in seiner Pfarrei Erstkommunion gefeiert wird“. Und bei Weingärtners Kollege Stumpf ganz in der Nähe? Auch da versuchen Geschäftsführer Michael Stumpf und Team das Beste aus der Situation zu machen. Kunden können bei ihm bestellen, die Auslieferung übernimmt die KjG St. Martin. „Das funktioniert perfekt und hat sich schon bewährt.“