Wo einst dichter Wald war, hat der Gewittersturm Bruch- und Wurfholz hinterlassen. Forstabteilungsleiter David Wipfler (in Rot) koordiniert vor Ort.
Wo einst dichter Wald war, hat der Gewittersturm Bruch- und Wurfholz hinterlassen. Forstabteilungsleiter David Wipfler (in Rot) koordiniert vor Ort. | Foto: Obert

10.000 Festmeter Sturmholz

Verheerende Bilanz nach Unwetter über Ettlingen

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Die Sturmbilanz der Forstleute nach dem Unwetter am Dienstagabend vor einer Woche ist erschreckend: Knapp 10.000 Festmeter Holz sind dem kurzen aber heftigen Gewittersturm zum Opfer gefallen. Riesiges Glück hatte die Ettlinger Kernstadt, wie jetzt immer deutlicher wird.

„Das tut weh – betroffen ist der ganze Hardtwald“, erklärt Malschs Forstabteilungsleiter David Wipfler. Mehr als 5000 Festmeter seien als Wurf- oder Bruchholz zu beklagen, hauptsächlich Douglasie und Roteiche.  Zur Verdeutlichung: Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse.
Viele Stämme seien einfach in der Mitte abgebrochen. Was schlecht für den Verkaufserlös ist, da es zumeist nur als Industrie- oder Brennholz verwendet wird. Gerade steht Wipfler im einst dichten Forst rund um das Fußballgelände des FV Sulzbach. „Dieser Wald war etwa 65 Jahre alt, demnächst hätten wir damit Geld verdienen können.“

250 Jahre alte Eichen liegen am Boden

Die Aufarbeitung ist laut Martin Bampi vom gleichnamigen Pfinztaler Forstbaubetrieb „lebensgefährlich“. Die Bäume stehen mitunter noch unter Vollspannung umgebogen da, während ihre Krone am Boden eingekeilt ist. Am Eingang zum FV-Gelände – vormals lag hier ein Waldparkplatz – blieb kein Baum stehen. „Hier sind 250 Jahre alte Eichen gefallen.“ Schon von der Landesstraße 607 sieht man: Die Waldsilouette hat sich völlig verändert, das Klubhaus war früher nicht zu sehen. Vom Malscher Kieswerk bis nach Oberweier ziehen sich die Forstschäden, aus Richtung Bietigheim arbeitete sich der Sturm an B3 und L607 entlang voran.
Freier Blick: Selbst 250 Jahre alte Eichen fällte der Sturm der vergangenen Woche hier am Eingang zum Gelände des FV Sulzbach im Hardtwald.
Freier Blick: Selbst 250 Jahre alte Eichen fällte der Sturm der vergangenen Woche hier am Eingang zum Gelände des FV Sulzbach im Hardtwald. | Foto: Obert

„Wesentlich schlimmer als zunächst gedacht“

Auch in Ettlingen ist man ernüchtert: „Jetzt wo die Waldwege offen sind sieht man, dass es wesentlich schlimmer ist als zunächst gedacht“, erklärt Forstabteilungsleiter Joachim Lauinger. Rund 4000 Festmeter habe es erwischt, insbesondere im Bergwald. „Über alle Baumarten hinweg.“ Ob Buchen, Eichen oder geschwächtes Nadelholz. Großes Glück hatte die Ettlinger Kernstadt, denn nachdem er weite Teile Bruchhausens hart getroffen hatte, bog er plötzlich Richtung Bergwald ab und schlug in Richtung Schluttenbach und Schöllbronn zu. Die Kernstadt wäre ohne die Kursänderung wohl ähnlich zugerichtet worden wie Bruchhausen.
Großes Lob gab es von den politischen Gemeinden für den großen Einsatz aller Kräfte im Forst. „Wir haben nun das nächste halbe Jahr mit der Aufarbeitung zu tun“, so Lauinger. Bis ins Frühjahr 2020 werde man noch Holz aus dem Wald holen. „Man darf jetzt nicht die Nerven verlieren und muss Prioritäten setzen. Aber ich könnte noch zehn Leute mehr brauchen.“ Der Holzmarkt liege gerade beim Nadelholz ohnehin am Boden.
„Der Preis ist um die Hälfte gefallen, das ist dann fast nicht mehr kostendeckend.“ Und Lauinger warnt davor, arglos in den betroffenen Wald zu gehen. „Vorsicht! Und auf den Wegen bleiben.“ Bei den zerstörten Flächen müsse der Forstbetrieb laut David Wipfler wieder „zurück auf Los“ und den Wald über Jahrzehnte heranziehen. Das werde sich hin ziehen. „Die Baumschulen kommen ja gar nicht nach.“ Durch die Trockenschäden und Ausfälle durch den Borkenkäfer werde allerorten im Land aufgeforstet.
Die Nachfrage nach Jungbäumen sei aktuell nicht zu decken. Und vorerst werde es in Malsch keine neuen Brennholz-Schlagräume für Privatleute im Bergwald geben. „Ich kann nicht dort oben einschlagen lassen, während hier unten das ganze Holz liegt“, hofft er auf Verständnis.