Mit seinen Tricks beeindruckt der Profi-Skater Alex Mizurov. Hier wirbelt der Gaggenauer beim „Nollie Heelflip“ sein Skateboard im Sprung einmal längsseitig herum – und wird am Boden landen, als wäre nichts gewesen. | Foto: Fabian Reichenbach

Profi-Skateboarder

Alex Mizurov: Der Gaggenauer Olympia-Kandidat im Interview

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In der Skateboard-Szene ist der Gaggenauer Alex Mizurov eine bekannte Größe. Er hat sich schon mehrere Meistertitel verdient und ist Teil des Olympiakaders für 2020. Am kommenden Wochenende tritt er im Europapark zur Deutschen Skateboard-Meisterschaft an. Vorab hat er mit unserer Autorin Christiane Widmann gesprochen.

Am kommenden Wochenende treten Sie beim Finale der Deutschen Skateboard-Meisterschaft in Rust an. Wie hoch schätzen Sie Ihre Chancen auf den ersten Platz ein?

Alex Mizurov: Chancen sind immer da. Ich gebe mein Bestes und schaue, was passiert. Mir ist es wichtig, dass ich meine Leistung so bringe, wie ich es mir vorstelle. Gewinnen ist schön, aber zweitrangig.

In Tokio werden Skateboarder zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen antreten. Sie sind einer der Kandidaten für die Wettkampfdisziplin „Street“. In der Vergangenheit haben Sie jedoch Zweifel geäußert, ob deutsche Skater überhaupt einen der europäischen Startplätze erreichen können. Woran hapert es?

Es werden nur je 20 Skateboarder und Skateboarderinnen pro Disziplin „Street“ und „Park“ in Tokio starten. Das heißt: Die Chancen sind nicht sehr hoch. Möglich ist es! Leider war ich dieses Jahr nicht sehr fit, da mein Fußgelenk was abbekommen hat. Die Qualifikation läuft aber noch bis Juni 2020, dann wissen wir, wer dabei sein wird.

 

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Man muss noch mehr Gas geben.

Worin sehen Sie Stärken der deutschen Kandidaten?

Jeder einzelne hat seine eigenen Stärken! Man muss aber noch mehr Gas geben, wenn man eine Chance für nächstes Jahr bekommen will. Die Konkurrenz ist sehr groß und jeder will dabei sein!

Wie sind Sie selbst zum Wettbewerbssport gekommen?

Fußball war meine erste Leidenschaft. Skateboarden war und ist ein Hobby. Wettbewerbe kamen mit den ersten Sponsoren. Und da ich schnell gemerkt habe, dass ich gut darin bin, habe ich nie aufgehört, an Contests zu starten.

Auf der Straße können Sportler kreativ werden

Was macht Streetskating aus? Welchen Trick möchten Sie in dieser Disziplin unbedingt einmal lernen?

Streetskaten ist nicht das, was bei der Olympia gezeigt wird. Das sind Skateparks mit Obstacles (dt. „Hindernissen“), die von der Straße nachgemacht sind, um dort zu üben. Streetskaten ist die kreative Seite eines Skateboarders. Man sucht sich sogenannte „Spots“ – Stufen, Geländer, Bänke und Co. –, die man skaten kann und hat einfach eine gute Zeit mit seinen Freunden. Und wenn man Lust hat, filmt man für Videos, die dann online gestellt werden.

 

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Wie trainieren Sie und worauf legen Sie dabei besonders Wert?

Training ist für mich das Fahren selbst. Mit der Zeit versteht man seinen Körper immer mehr und es ist eher das Gefühl, das man immer wieder haben will. Das macht Skaten aus. Nach einigen Verletzungen gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio sowie zum Physiotherapeuten. Die Ernährung ist auch ein großes Thema für mich.

Meist sind es die kleinen Tricks, die schlimm sein können.

Je höher der Sprung, desto fieser der Fall?

Das würde ich so nicht sagen! Meist sind es die kleinen Tricks, gerade wenn man sich nicht richtig konzentriert, die schlimm sein können. Ich glaube, dass man sich gerade am Anfang schnell beibringen muss, wie man sich abrollt, damit man sich nicht immer verletzt.

In Gaggenau vermisst Alex Mizurov einen geeigneten Skatepark

Wie lässt es sich in Gaggenau trainieren?

Nicht wirklich gut. Der Skatepark ist leider sehr klein und hat dazu noch einen schlechten Belag. Ich würde mich sehr über einen neuen Park auf heutigem Stand freuen! Meist bin ich in Karlsruhe unterwegs, wenn ich nicht gerade im Ausland auf Videodreh beziehungsweise bei einem Contest bin.

 

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Ich sehe Skaten als persönliche Herausforderung und Lifestyle.

Skateboarden ist mal Trend, dann wieder out, mal Indie, dann Insta-famous. Welches Image hat die Sportart Ihrem Eindruck nach aktuell?

Aktuell ist es wieder „in“, da zum Beispiel Rapper Lil Wayne und Sänger Justin Bieber skaten und Skatemarken tragen. Das Image ist auch bei Fashion Companies (dt. „Modeunternehmen“) sehr beliebt, da sie natürlich auch Geld damit verdienen können. Ich sehe Skaten nicht als Trend, sondern als eine persönliche Herausforderung und als Lifestyle.

Sechsmal Deutscher Meister, zweimal Europameister
Alex Mizurov ist professioneller Skateboarder. Der 31-jährige Gaggenauer ist unter anderem zweifacher Europameister (2006, 2019) und sechsfacher Deutscher Meister (2007, 2009 sowie von 2013 bis 2016).
Seit 2017 ist er im „Street“-Kader für die Olympischen Spiele, die 2020 in Tokio ausgetragen werden.
An seinem ersten Wettbewerb hat im Alter von 15 Jahren teilgenommen. Drei Jahre zuvor hatte er begonnen zu skaten. Damals lebte er mit seiner Familie in Rastatt. Geboren ist er in Kasachstan.