Erhebliche Verzögerungen: Auf dem Schwörer-Areal sollen bis zu 80 Wohnungen entstehen. Ein Gutachten ergab allerdings eine hohe Menge an Altlasten. Auch das Thema Hochwasserschutz sorgt bei dem Großprojekt für Probleme.
Erhebliche Verzögerungen: Auf dem Schwörer-Areal sollen bis zu 80 Wohnungen entstehen. Ein Gutachten ergab allerdings eine hohe Menge an Altlasten. Auch das Thema Hochwasserschutz sorgt bei dem Großprojekt für Probleme. | Foto: Mandic

Baustart verzögert sich

Auf dem Schwörer-Areal in Gaggenau schlummern Altlasten im Boden

Anzeige

Auf dem Schwörer-Areal sind nicht unerhebliche Mengen an Altlasten gefunden worden. Für das geplante Wohnbauprojekt bedeute dies einen erheblichen Planungs- und Kostenmehraufwand. Das Vorhaben wird sich deutlich verzögern.

Den Altlasten-Fund bestätigte die städtische Pressesprecherin Judith Feuerer auf BNN-Nachfrage.

Um das Wohnbauprojekt auf dem Schwörer-Areal war es seit dem Frühjahr 2018 still geworden. Damals berichtete Bauentwickler Orhan Tiryaki aus Freudenstadt, das alles in den Startlöchern stehe. Die Fertigstellung des Bebauungsplans und Baugenehmigungen schienen nur wenige Schritte entfernt, ein Baubeginn Anfang 2019 wahrscheinlich.

Im März sollte der Gemeinderat die öffentliche Auslage des Planentwurfs für das Gebiet „Östlich der Rotherma-Querspange“ beschließen. Doch seither tat sich nichts mehr. Nach dem Fund der Altlasten hofft die Stadtverwaltung laut Feuerer, das Bebauungsplanverfahren im ersten Halbjahr 2020 weiterzuführen.

Bürgermeister Pfeiffer: Früher befand sich Deponie auf dem Gelände

Bürgermeister Michael Pfeiffer äußerte sich auf Nachfrage hin nicht zur Art und Menge der Altlasten. Er betonte jedoch: „Es war klar, dass dieses Gelände belastet ist.“

Vor Jahrzehnten habe sich eine Deponie auf dem Gelände befunden, das zwischenzeitlich für Wohnhäuser und Gewerbebetriebe genutzt wurde. Das Umweltamt des Landkreises Rastatt habe das Areal deshalb als eine Fläche geführt, die bei Bauvorhaben geprüft werden muss.

Ein entsprechendes Gutachten im Auftrag des Investors – des Freudenstädter Familienunternehmens „Tiryaki Real Estate Developer“ – ergab eine höhere Menge an Altlasten als erwartet. Im Februar 2018 informierte er die Stadt über das Ergebnis und die zu erwartenden Verzögerungen. Daraufhin wurde der für März geplante Offenlegungsbeschluss von der Tagesordnung des Gemeinderats genommen.

Auch der Hochwasserschutz verzögert das Bauprojekt

In Zusammenarbeit mit Fachbehörden musste der Investor ein Konzept erarbeiten, wie die Altlasten entfernt werden können. „Das hat er nach eigenen Angaben mittlerweile gemacht“, sagt Pfeiffer. Sobald die neuen Planungsunterlagen der Stadt vollständig vorlägen, werde das Thema wieder in den Gemeinderat gebracht.

Pfeiffer legte Wert darauf, dass die Verzögerung des Verfahrens nicht nur den Altlasten geschuldet sei. Er verwies unter anderem auf den Hochwasserschutz. Im Plangebiet müssen Überflutungsflächen vorgesehen werden.

Ferner muss der Investor sicherstellen, dass die neuen Bauten bei Hochwasser keine negativen Folgen für die bestehenden Gebäude mit sich bringen. Er muss die Planungen entsprechend überarbeiten und von einem Gutachter prüfen lassen. Außerdem hat die Stadt die bisherigen Entwürfe mit Beratern für Städtebau besprochen. Die entstandenen Anregungen sind ebenfalls zu berücksichtigen.

Investor Tiryaki will sich bisher nicht zur Verzögerung äußern

Den Gemeinderäten sei bewusst, dass das Bebauungsplanverfahren erst weitergeführt werden könne, wenn alle Gutachten vorliegen, sagt Pfeiffer. Das sei der Grund, warum die Stadtverwaltung das Thema in den Ratssitzungen der vergangenen eineinhalb Jahre nicht behandelt habe. „Da müssen wir jetzt einfach auf den Investor warten.“

Orhan Tiryaki wollte sich vorerst nicht zum Thema äußern. Auch vom Landratsamt war am Freitag nichts Näheres zu den Altlasten zu erfahren.

Auf dem Schwörer-Areal sollen nach dem letzten bekannten Planungsstand zwischen 70 und 80 Wohnungen in sechs mehrgeschossigen Häusern entstehen. Eine Tiefgarage mit getrennter Ein- und Ausfahrt soll mehr als hundert Stellplätze bieten.

Nach Kritik von Bürgern und Räten waren die Gebäude kleiner und unauffälliger geplant worden.