Apothekerin Ann-Kristin Behrend arbeitet derzeit noch mit vier Angestellten in ihrer Filiale in Hörden. Ab Juni wird sie gemeinsam mit ihrem Mann in der Gernsbacher Löwen-Apotheke am Verkaufstisch stehen.
Apothekerin Ann-Kristin Behrend arbeitet derzeit noch mit vier Angestellten in ihrer Filiale in Hörden. Ab Juni wird sie gemeinsam mit ihrem Mann in der Gernsbacher Löwen-Apotheke am Verkaufstisch stehen. | Foto: Slobodan Mandic

Kunden müssen nach Gernsbach

Einzige Apotheke in Hörden schließt – Versorgungslage im Murgtal bleibt trotzdem gut

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Die Flößer-Apotheke – die einzige in Hörden – schließt Ende Mai. Die Hauptstelle in Gernsbach, die Löwen-Apotheke, bleibt geöffnet. Dort können Kunden den gewohnten Service wie Lieferungen und Rezept-Abholungen in Anspruch nehmen. Weitere Apotheken gibt es in Ottenau, in der Kernstadt und in Gernsbach.

Ann-Kristin Behrend, die Inhaberin der Flößer- und der Löwen-Apotheke, erklärt ihre Entscheidung auf Nachfrage hin mit dem Fachkräftemangel. „Wir haben nicht genug Personal, um die Apotheke weiter zu betreiben.“ Sie und ihr Mann beschäftigen in der Filiale vier Fachangestellte in Teilzeit. Diese werden künftig in der Hauptstelle in Gernsbach arbeiten.

Die Versorgungslage bleibt für Kunden trotz der Schließung gut, sagt Tatjana Zambo. Sie ist Vizepräsidentin des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg und Inhaberin der Vitalapotheken in Gaggenau. „Wir haben hier eine gute, gesunde Struktur.“ Die Apotheken-Dichte im Murgtal liege „in einem guten Mittelmaß“, Notdienst-Apotheken seien auf kurzen Wegen zu erreichen. Momentan wechseln sich 13 Geschäfte ab, nach der Schließung zwölf.

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Die Konkurrenzsituation, etwa in der dicht mit Apotheken besiedelten Innenstadt, nimmt Zambo nicht als Problem wahr. „Wir sind gut verteilt“, sagt sie. Außerdem „lebt die Apotheken-Landschaft auch von Vielfältigkeit“. Kunden profitieren von vielen Ansprechpartnern mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Apotheken-Dichte im Murgtal liegt „in einem guten Mittelmaß“

Bundes- und landesweit ist die Zahl der Apotheken in den vergangenen zehn Jahren um etwa zehn Prozent gesunken. Das Murgtal und seine Umgebung sind davon jedoch kaum betroffen. Zambo zufolge gibt es derzeit im Kreis Rastatt 58 Apotheken. Von 2019 bis zum ersten Quartal 2020 hat nur eine Apotheke altersbedingt geschlossen. Im Stadtkreis Baden-Baden hat im selben Zeitraum keine der 20 Apotheken dicht gemacht. Landesweit gab es derweil 61 Schließungen, 2.395 Geschäfte sind übrig.

Die Ursache der Schließungen sieht Tatjana Zambo nicht in der Online-Konkurrenz. Dort seien in erster Linie frei verkäufliche Arzneimittel gefragt. Apotheken hingegen schöpfen den Großteil ihres Umsatzes aus verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Zambo führt die Schließungen auf eine geringere Gewinnspanne zurück. Kleine Apotheken, die ihren Umsatz nicht steigern konnten, seien dadurch an ihre Grenzen gekommen. „Es ist absehbar, dass weitere Apotheken schließen werden.“

Schließungen auf geringere Gewinnspanne zurückzuführen

Der geringere Ertrag sei „durchaus politisch gewollt“: Verkaufspreise seien gedeckelt und in den vergangenen Jahren nicht angepasst worden. „Wir kommen aus einer Zeit, in der dargestellt wurde, dass Apotheken zu viel verdienen“, erklärt Zambo. Doch nun würden sie „ausgepresst wie Zitronen“ und in eine Lage gebracht, „wo wir vernünftig arbeiten können – aber nicht mehr“. Hinzu komme großer bürokratischer Aufwand.

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„Wir sind Kaufleute, wir stehen in einem Risiko, wir stehen in einem Wettbewerb.“ Wenn sich eine Apotheke nicht rechnet, ist sie nicht zu halten.  Umso wichtiger ist ihr deshalb, dass Apotheker ihren Standort-Vorteil nutzen und pflegen. Sie haben den „persönlichen Kontakt“ und „den kurzen Draht zum Arzt“.

Von den neuen elektronischen Rezepten verspricht sich Zambo eine weitere Stärkung der Apotheken. Sie können nicht nur mit Beratung punkten, sondern auch schnell nach Hause liefern. Zudem stellen sie individuelle Rezepturen her – oder wie zuletzt Desinfektionsmittel. „Das macht keine Online-Apotheke.“