Nächtlicher Streifzug: Dieser Luchs ist im Weisenbacher Gemeindewald in eine Fotofalle getappt. Die Raubkatze gilt als sehr scheu. | Foto: Christoph Wittemann

Seltene Aufnahme

Luchs löst Fotofalle im Murgtal aus

Anzeige

Ein Luchs hat eine Fotofalle im Weisenbacher Gemeindewald ausgelöst. Es handelt sich um die erste veröffentlichte Aufnahme der seltenen Raubkatze aus dem Nordschwarzwald. Sie zeigt das gut genährte Tier bei einem nächtlichen Streifzug am 12. Dezember.

Seit 1988 gab es immer wieder Luchsnachweise in Baden-Württemberg. Der Schwerpunkt lag bislang auf dem Südschwarzwald und dem Donautal. 1770 war auf dem Kaltenbronn der letzte Schwarzwälder Luchs geschossen worden. Mehr als 200 Jahre lang galt er dort als ausgestorben. Seit Donnerstag ist endgültig klar: Der Luchs ist in den Nordschwarzwald zurückgekehrt.

Um 3.08 Uhr löst die Fotofalle im Revier von Christoph Wittemann in Weisenbach (Murgtal) aus. Der Jagdpächter informiert Martin Hauser. Für den Wildtierbeauftragten des Landkreises Rastatt ist die Aufnahme eine „Sensation“. Schließlich ist der Luchs ist sehr scheu und meidet offene Flächen. Zu Nutztierrissen, wie zuletzt in Forbach durch den Wolf, kommt es selten. „Der Luchs will nicht gesehen werden. Das unterscheidet ihn vom Wolf“, erklärt der Experte.

Luchs und Wolf leben im Murgtal

Revierkonflikte zwischen den Raubtieren, die vor allem Rehe und Hirsche jagen, erwartet Hauser im Murgtal nicht: „Es gibt ausreichend Nahrung für beide.“

Rückkehr in den Schwarzwald: Der Wolfsrüde „GW852m“ fühlt sich im Murgtal heimisch. Diese Aufnahme stammt von einer Fotofalle auf Forbacher Gemarkung. | Foto: FVA Baden-Württemberg

Die frischesten Spuren des Wolfsrüden „GW852m“, der im Nordschwarzwald mehrfach Nutztiere gerissen hatte, wurden laut Hauser Anfang des Monats im Bereich rund um den Kaltenbronn entdeckt.

Mehr zum Thema: In Deutschland leben mindestens 135 Luchse

Keine Gefahr für den Menschen

Der Luchs galt in Europa bis in die 70er-Jahre, als er in Slowenien und der Schweiz wieder angesiedelt wurde, als ausgerottet. Auch im Elsass half der Mensch nach: Dort ist das Pinselohr mittlerweile ebenfalls wieder beheimatet.

Scheues Pinselohr: Begegnungen mit dem Luchs sind extrem selten. | Foto: Hollemann

„Wenn man den Luchs dauerhaft im Nordschwarzwald haben will, ist eine gezielte Wiederansiedlung notwendig“, ist Hauser überzeugt: „Schließlich müssen sich Männchen und Weibchen auch finden.“ Dem Menschen wird der Luchs im Normalfall nicht gefährlich: „Ein gesundes Tier will mit uns nichts zu tun haben“, sagt Hauser. Allein tollwütige Exemplare könnten angriffslustig sein.

Mehr zum Thema: Wolf im Murgtal darf nicht geschossen werden

Weitere Aufnahme aus dem Kreis Freudenstadt

Vor einigen Wochen war ein Luchs in Bad Rippoldsau-Schapbach (Kreis Freudenstadt) in eine Fotofalle getappt. Das Bild wurde bislang nicht veröffentlicht. Anhand des individuellen Fellmusters untersuchen Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, ob es sich dabei um dasselbe Tier handelt, das jetzt in Weisenbach fotografiert wurde.

Ein Sender-Halsband trägt der Luchs nicht. „An seiner Statur kann man aber sehen, dass er ausreichend Beute gemacht hat“, so Hauser. Er ist den Jagdpächtern für ihre Mithilfe dankbar: „Ein Wildtier-Monitoring wäre ohne ihre Fotofallen kaum möglich.“