Die Erweiterung in Rastatt ist erst einmal vom Tisch.
Die Erweiterung in Rastatt ist erst einmal vom Tisch. | Foto: Produktion A-Klasse, Archivfoto: Deck

Erweiterungspläne aufgeschoben

Beschäftigungsgarantie für Mitarbeiter im Rastatter Mercedes-Benz-Werk

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Der Wandel in der Elektromobilität und der zunehmende Druck auf die Autoindustrie haben auch zu einer veränderten Strategie im Rastatter Mercedes-Benz Werk geführt. Wie der Standortverantwortliche Thomas Geier am Dienstag erklärte, werde die Option, neue Flächen im Süden und Südosten Rastatts zu erschließen, aus wirtschaftlichen Gründen verschoben.

Von Stefan Maue und Annika Grah

Jüngst war bekannt geworden, dass auch der Bühler Automobilzulieferer Schaeffler sein geplantes Entwicklungszentrum auf Eis legt. Wie lange die Erweiterungspläne bei Mercedes in Rastatt aufgeschoben werden, blieb zunächst noch unklar. Es könnten zwei oder auch zehn Jahre sein.

Die Werksentwicklung sei wichtiger Bestandteil der langfristigen strategischen Planung, erklärte Geier. Deshalb würden die Planungen für die weitere Verdichtung auf dem Werksgelände unvermindert fortgesetzt. Kein Zweifel ließ Geier, dass die Elektromobilität weiterhin ein zentrales Thema im Rastatter Werk sein werde.

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OB Pütsch: Verschiebung nimmt Druck aus der Diskussion

Zudem gelte es, weniger Individualverkehr zum Werksgelände zu führen und ein verbessertes Buskonzept auch für die rund 1 200 Mitarbeiter aus dem Elsass zu bieten. Der Betriebsrat des Rastatter Werkes, Murat Sür, bedauerte die Verschiebung der Erweiterungspläne. Allerdings habe die Entscheidung keinen Einfluss auf die Arbeitsplätze. Die Mitarbeiter hätten eine Beschäftigungsgarantie.

Es sei davon auszugehen, dass die Pläne wieder aufgenommen werden, wenn in der Automobilindustrie und auch bei Mercedes die strategischen Entscheidungen getroffen sind. Rastatts Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch bekräftigte, dass durch die Verschiebung nun etwas Druck aus der Diskussion um die Erweiterung herausgenommen worden sei. Wichtig sei, dass „der Standort von Daimler in Rastatt gesichert ist“.

Hoffnung auf moderne Antriebe

Der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Weber drückte seine Hoffnung aus, dass auch „mit dem reduzierten Konzept moderne Antriebe am Standort in Rastatt einen Platz haben werden.“ Die Umsetzung des B3-Lückenschlusses bei Kuppenheim und der Querspange im Münchfeld dürfe sich nicht weiter verzögern.  Gunter Kaufmann, Sprecher des Landesnaturschutzverbandes, verwies auf die Bedeutung der Grundsatzvereinbarung und auf das Rastatter Naturschutzkonzept, das weiter vorangetrieben werden müsse.

Daimler kann Haken an Verfahren im Diesel-Skandal machen

Daimler kann derweil einen Haken an ein Verfahren im Diesel-Skandal machen. Doch ausgestanden ist der Ärger mit dem Diesel für den Autobauer damit trotzdem nicht. Rund 870 Millionen Euro muss der Autobauer bezahlen, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Dieselautos hätten letztlich Genehmigungen erhalten, obwohl der Ausstoß von Stickoxiden bei den Autos teilweise nicht den Auflagen entsprach.

Die Staatsanwaltschaft bezieht sich im Wesentlichen auf die Rückruf-Bescheide des Kraftfahrtbundesamtes (KBA). Das hatte 2018 Bescheide gegen 684  000 Fahrzeuge erlassen. In diesem Frühjahr kamen noch einmal 60  000 hinzu. Daimler hatte selbst freiwillige Software-Updates für rund drei Millionen Fahrzeuge angeboten.

Für die Landesregierung in Baden-Württemberg bedeuten die Bußgelder einen Geldregen. Die rund 600 Millionen Euro von Bosch und Porsche sind bereits geflossen. Für Daimler ist der juristische Hick-Hack um den Diesel mit dem Bußgeld aber noch lange nicht vom Tisch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor gegen Mitarbeiter des Konzerns.