Frust-Ergebnis: Auf Alois Schwartz wartete nach Abpfiff vor allem Aufbauarbeit. | Foto: GES

Fehlersuche in alle Richtungen

1:5-Klatsche gegen Greuther Fürth ist für den KSC ein Weckruf

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Nach dem 1:5 gegen Greuther Fürth steht der KSC in jedem Fall unter Zugzwang, wenn am Freitag zum Jahresabschluss der SV Wehen Wiesbaden kommt. KSC-Trainer Alois Schwartz kritisierte nach der Pleite gegen Fürth unter anderem das aus seiner Sicht ungenügende Zweikampfverhalten.

Mit einem Trauerspiel ließen die Fußballer des Karlsruher SC auf ihrer Wildpark-Baustelle die Zweitliga-Hinrunde austrudeln. Von Versagen war danach die Rede, von Naivität, von einem spielerischen Offenbarungseid und nichts zu hören von Vorfreude auf die abendliche Weihnachtsfeier im Palazzo, wo das Motto „Alice im Wunderland“ und der Raumschmuck entsprechend war.

Niederlage ist für den KSC ein Weckruf

Das 1:5 (1:2) gegen die Spvgg Greuther Fürth stimmte keinen Verlierer besinnlich. „Das war eine derbe Klatsche, und ich hoffe, irgendwo auch ein Weckruf“, meinte Daniel Gordon. Von vorne bis hinten habe es nicht gepasst, klagte der Innenverteidiger.

Vorne, da ackerte Philipp Hofmann, der zwischenzeitliche Ausgleichschütze (26.), am Samstag unter dem Strich vergebens. „Wir sind hinten einfach zu anfällig. Das ist Konzentration und das betrifft das Eins-gegen-eins-Verteidigen. Gegen so eine spielstarke Mannschaft darf man einfach nicht so viel zulassen“, zeigte sich der Torjäger frustriert.

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Sein zehnter Saisontreffer nach Flanke von Marc Lorenz und seiner perfekten Ballannahme sowie -verarbeitung mit links blieb „eine Randnotiz“ – und gab wenigstens den Anlass für die schöne Geste der KSC-Elf, den mit Kreuzbandriss zum Zuschauen verurteilten Kollegen Kyoung-Rok Choi mit einer Trikot-Botschaft („Wir sind Kyoung“) aufzumuntern.

Zum Jahresabschluss kommt Wiesbaden

Nach der ersten Halbserie ordnet sich der KSC als Zwölfter oder – sollte Darmstadt 98 am Montag gegen den VfB Stuttgart punkten – als 13. ein. Unter anderem vor Mitaufsteiger SV Wehen Wiesbaden, gegen den er am Freitag das Jahr beschließen wird.

Die Fürther Mannschaft war am Samstag die eindeutig bessere, willig in den Zweikämpfen und obendrein effektiv gewesen. Branimir Hrgota (19.) staubte ab, nachdem KSC-Keeper Benjamin Uphoff einen Schuss von David Raum mit den Händen abgeklatscht statt zur Seite gefaustet hatte.

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Tobias Mohr (29.) sah sich auf der linken Angriffsseite alleine gelassen, als er auf Querpass von Sebastian Ernst den Ball ins lange Eck jagte. Der ackernde Hofmann verpasste nach der Pause nach einem Stellungsfehler des Fürthers Paul Jaeckel mit einem Heber den 2:2-Ausgleich.

„Wenn er den macht, läuft das Spiel anders“, räsonierte KSC-Trainer Alois Schwartz später. Stattdessen sorgte Jaeckel (61.) auf der Gegenseite für die Vorentscheidung. Nach einem Freistoß von Paul Seguin traf er an der Strafraumgrenze den Ball per Kopf perfekt, die Kugel senkte sich ins rechte obere Toreck. Dieser kuriose Treffer zum 3:1 zog der stärksten Phase der Gastgeber den Stecker und stand sinnbildlich für den „gebrauchten Tag“, den Schwartz in den eigenen Reihen ausgemacht hatte.

Uphoff sieht zweimal schlecht aus

„So wie wir die erste Halbzeit angefangen und dann auch über 90 Minuten durchgezogen haben, mit wenig Gegenwehr, viel Begleitschutz und keinem Zweikampfverhalten, das man in der Zweiten Liga braucht, hat man dementsprechend auf den Sack gekriegt“, bilanzierte er.

Das 4:1 hatte Uphoff den Fürthern quasi geschenkt. Nach einer Rechtsflanke von Meyerhöfer griff der Keeper daneben, worauf der Ball über Mohr per Hacke bei Havard Nielsen (77.) landete, der von Thiede und Lorenz nicht mehr gestellt wurde. Den Schlusspunkt setzte Jamie Leweling als Joker mit einem feinen Linksschuss aus 18 Metern.

Natürlich prasselten auf Schwartz danach viele Fragen ein. Ob er Uphoff infrage stelle? Ob sich der junge Dominik Kother gefreut habe, ausgerechnet beim Stand von 1:4 für zwei Minuten Liga-Premiere zu erleben? Ob er sich Winter-Transfers für die Defensive erwarte? Der KSC-Coach blieb unverbindlich. Wie ein „Alois im Wunderland“, dem für die zweite Halbserie der Sinn nach weiteren Abenteuern steht, klang er aber nicht.

Statistik:

Karlsruher SC: Uphoff – Thiede, Gordon, Pisot, Roßbach – Kobald (65. Grozurek), Wanitzek – Stiefler (75. Pourié), Lorenz (89. Kother) – Fink, Hofmann.

Spvgg Greuther Fürth: Burchert – Meyerhöfer, Jaeckel, Mavraj, Raum – Sarpei – Seguin (86. Bauer), Ernst (89. Redondo) – Hrgota (78. Leweling), Nielsen, Mohr.

Schiedsrichter: Storks (Velen), Zuschauer: 12.750, Tore: 0:1 Hrgota (19.), 1:1 Hofmann (26.), 1:2 Mohr (29.), 1:3 Jaeckel (61.), 1:4 Nielsen (77.), 1:5 Leweling (90.+2).

Gelbe Karten: Wanitzek (2), Roßbach (4), Gordon (3), Hofmann (2) – Meyerhöfer, Ernst (3), Seguin (6), Sarpei (4), Leweling.