Die Bänke für den Karlsruher Marktplatz sind aus afrikanischen Bäumen gebaut.
Die Bänke für den Karlsruher Marktplatz sind aus afrikanischen Bäumen gebaut. | Foto: jodo

Bäume kommen aus Afrika

Bänke aus Tropenholz heizen die Debatte um den Karlsruher Marktplatz an

Anzeige

Der Karlsruher Marktplatz bleibt ein umstrittenes Pflaster: Die Fläche mit dem neuen Granit wächst und wächst – der Protest gegen die Versiegelung nimmt derweil nicht ab. Außerdem kocht die Debatte um eine Begrünung weiter und nun könnte auch noch ein Streit um Bänke aus Tropenholz dazu kommen.

Gerade ist auf der Nordostseite des Marktplatzes die erste Zone mit dem neuen Pflaster freigegeben. Auf einem zehn Meter breiten Streifen kann der Belag jetzt vor dem Modehaus Schöpf und der Commerzbank zwischen Kaiserstraße und Zähringer Straße getestet werden. Dort stehen auch die verschiedenen Bänke, die ausprobiert werden sollen. In der Bürgerschaft stoßen die Musterbänke, Lampenmasten und Blumentöpfe auf beißende Kritik.

Bänke, Lampen und Blumentöpfe werden getestet

Vor allem aber ist weiter die Streitfrage offen, ob die Stadtplaner doch noch Pflanzstellen für mindestens acht Bäume in der wachsenden Steinwüste um die Pyramide finden. Nachdem der Gemeinderat den „Klimanotstand“ ausgerufen hat, begreifen viele Menschen um so weniger, wie die Stadtpolitik den Platz nach dem Kombi-Umbau völlig unbegrünt lassen wollte.

Das neue Pflaster aus dicken portugiesischen Granitplatten ist auf der Fläche im Nordosten des Marktplatzes verlegt. Dort steht auch das Mobiliar mit den Bänken aus Tropenholz zum Testen für die Bürger. Foto: jodo | Foto: jodo

In dieser Karlsruher Klimadebatte um die Zukunft des Marktplatzes droht den Stadtplanern nun auch noch eine scharfe Diskussion um ein zweites Thema. Und wieder geht es um Bäume. Sind die von den Platzgestaltern vorgesehenen Bänke doch nicht aus heimischen, sondern aus exotischen Bäumen gezimmert.

Holzart „Iroko“ aus Westafrika

Die Holzart „Iroko“ aus den westafrikanischen Übergang vom Regenwald in die Savanne läuft nämlich unter der Handelsgattung „Tropenholz“. Und dessen Verwendung gerade durch die öffentliche Hand ist im den Klimaschutz beschwörenden Deutschland und damit in der Stadt des selbst erklärten „Klimanotstands“ keine selbstverständliche Sache. Gilt doch der Schwur auch der amtlichen Klimaschützer, dass das Abholzen der Wälder – ob im brasilianischen Amazonasbecken oder an der afrikanischen Goldküste – in Zeiten des globalen Klimawandels tabu sein sollte.

Auf den Informationstafeln zum Mobiliar auf dem Marktplatz steht allerdings bei der Holzart „Iroko“ auch der Zusatz „FSC“. Dieses Zeichen der Zertifikation durch die internationale Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council (FSC) wird dort als Beleg für die Nachhaltigkeit dieser Holzproduktion und damit als klimatische Unbedenklichkeitsbescheinigung genannt.

Umweltverbände zweifeln an FSC-Label

Allerdings akzeptieren namhafte Umweltschutzorganisation wie Greenpeace dieses Umweltlabel nicht. Sie werfen FSC eine lasche Prüfung bei der Vergabe des Zertifikats vor. Und sie prangern überhaupt den Import von Tropenholz an, weil auch durch Holzplantagen auf gerodeten Naturflächen das Klima in Afrika verändert werde. Aus diesen Gründen hat unter anderen auch Greenpeace die Organisation FSC verlassen.

Stadtplaner verteidigen ihre Entscheidung

Dagegen stellt Anke Karmann-Woessner, Chefin des Stadtplanungsamts, fest: „Der Teakholzersatz Iroko wurde vom Gartenbauamt als sicher verträgliche Lösung geprüft.“ Selbstverständlich habe man die Nachhaltigkeit im Blick, „wir machen nur das, was wir absolut vertreten können“. Man müsse eben auch auf die Betriebsdauer der Bänke achten – und selbst Eichenholz habe nicht die Beständigkeit von Iroko.

Noch keine Entscheidung zu den Bäumen

Beim Thema Begrünung gibt es noch keinen Beschluss: „Die Prüfung möglicher Baumstandorte auf dem Marktplatz ist noch nicht abgeschlossen“, bestätigt Baubürgermeister Daniel Fluhrer. Im Stadtplanungsamt werden die Einwände und Anregungen der Bürger zu den aufgestellten Musterstücken des Marktplatzmobiliars ausgewertet.

Leserbriefe sowie eine Stichprobenbefragung von Passanten belegen die massive Kritik der Bürger. Zu klobig seien die Bänke und dann auch noch aus Tropenholz, hört man. Die Lichtmasten fallen meist wegen ihrer kunstlosen Schlichtheit als kalte Leuchter durch.  Dabei solle doch die Seele des Städters durch eine klimafreundliche Stadtmitte erwärmt werden.

Bürger beklagen „verheerende Planung“

BNN-Leser Peter Klett spricht beispielsweise von einer „insgesamt verheerenden Planung“. Er prangert auch im Namen seines Bekanntenkreises „plumpe Bänke“ und „brutale Mastleuchten“ an. Sie würden „der Ästhetik des Platzes nicht gerecht“, meint Klett. Fluhrer lobt dagegen die vorgesehen Lichtstelen. „Sie bringen sehr gutes Licht, das nicht blendet“, meint er.

55 Bürger haben laut Karmann-Woessner dem Amt ihre Meinung zu dem Marktplatz-Mobiliar gesagt. Dabei stellt sie klar: „Die Marktplatzgestaltung ist bis auf die Baumfrage fix.“ Es gehe bei den Anregungen der Bürger also nur um die Wahl des Banktyps aus Iroko für die Kaiserstraße aus den drei auf dem Platz ausgestellten Modellen.

Iroko
„Grundsätzlich nicht vertretbar“ lautet das Urteil von Greenpeace Austria zum Import von Iroko für Möbel, Innenausbau und Bootsbau. Die in Afrika wachsenden Bäume des Regenwalds und des Savannenwalds werden auch als Ersatz für das aus Gründen des Naturschutzes heute verpönte Teakholz aus Asien wegen seiner Festigkeit gerne in Europa verwendet. Diese bis zu 50 Meter hohen Maulbeergewächse gedeihen von Liberia über Ghana, Nigeria bis nach Kamerun, Zaire und gar Tansania. Sie werden auch unter dem Begriff „African Teak“ gehandelt. Ihr Holz ist außergewöhnlich wetterfest und gilt mit seiner goldbraunen Farbe als dekorativ. „FSC-zertifizierte Wälder gibt es im Verbreitungsgebiet dieser Art kaum, vom Kauf wird dringend abgeraten“, sagt Greenpeace. Umweltschutzorganisationen meinen: Das massenhafte Abholzen von Iroko-Bäumen trägt zur Vernichtung des Savannenwalds bei und gefährdet die Lebensgrundlage der Menschen und Tieren in Afrika.

 

Kommentar

Wer den „Klimanotstand“ ausruft, dem muss es sehr ernst sein mit dem Umwelt- und Naturschutz. Da reicht es nicht, mit dem Finger auf andere Sünder zu zeigen. Auf das eigene Handeln kommt es eben an. Deshalb dürfen bei der Gestaltung des Marktplatzes, also direkt vor der eigenen Rathaustür, nicht rumgedeutelt oder gar gekniffen werden.

Es muss heißen: So weit es die Stadtarchitektur und die Multifunktion des Marktplatzes vertragen, sind Bäume zu pflanzen. Auf Tropenholz kann man verzichten. Dieser exotische Reiz hat in Zeiten des Klimawandels nichts in der gepflasterten Pyramidenlandschaft von „Karlsruhe 2020“ zu suchen.

Natürlich ist auch in Karlsruhe, das mit Macht die Klimaneutralität anstreben will, die reine Lehre der Ökologie nicht immer einzuhalten. Wo der Wille aber konsequent zum Weg wird, ist vieles machbar: Da können wenigstens ein paar Bäume aus dem Pflaster wachsen. Und das Gewissen ruht besser auf heimischen Eichenbänken.