Rohbau
Der Bürohausreigel hinter dem Hauptbahnhof zeigt seine Dimension. Ende März soll der Rohbau nach Plan komplett sein. | Foto: jodo

Großprojekt beim Hauptbahnhof

Karlsruhe: Bau des Dommermuth-Bürohaus liegt voll im Zeitplan

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Das Dommermuth-Bürohaus-Projekt hinterm Karlsruher Hauptbahnhof liegt im Zeitplan. 1500 Arbeitsplätze soll es dort ab Mitte 2020 geben.

Die ersten Wände der zwölften und damit obersten Etage des östlichen Portalturms ragen in den blauen Himmel. Bei seinem auch bald 44 Meter hohen Pendant an der Westseite des Plätzchens beim Südeingang zum Hauptbahnhof reicht der Arm der Betonpumpe bis ins achte Obergeschoss.

Daneben sind die beiderseits angedockten Querriegel vier Stock hoch und damit ausgewachsen. „Wir liegen komplett im Plan“, bestätigt Rainer Dommermuth, Bruder des Investors Ralph Dommermuth, des Herrn über den IT-Riesen United Internet.

Dank des rasanten Baufortschritts können zwei Ziele erreicht werden: Ende März 2019 ist der Rohbau komplett – und im Juni 2020 wird dieser erste Bauabschnitt der Karlsruher Bürostadt hinter dem Hauptbahnhof bezugsfertig.

Wassserturm
NEUER BETON leistet jetzt dem ewig alleinstehenden Wasserturm von 1913 hinter dem Hauptbahnhof Gesellschaft. | Foto: jodo

Es ist das Projekt der Rekorde. Ausgerechnet der ewige Ladenhüter, das „Filetstück“ der Karlsruher Wirtschaftsförderer, hat sich zu einer boomenden Betonzone entwickelt.

Vier Rekorde

In vierfacher Hinsicht ist der Bürokomplex, den der Internet-Milliardär Ralph Dommermuth für seine Karlsruher 1&1-Zentrale von der Mannheimer Baufirma Dieringer&Scheidel hochziehen lässt, absolute Spitze: Kein Großprojekt schießt so schnell wie der Komplex „Hauptbahnhof Süd“ in die Karlsruher Luft. Selbst bei der absoluten Rekordvorgabe von März 2019 bis Juni 2021 scheint es heute so, dass selbst dieser äußerst straffe Zeitplan eingehalten werden kann. So werden 200 Millionen Euro binnen gut zwei Jahren verbaut.

Rasanter Marsch durch die Institutionen

Kein Neubaukomplex, der in den vergangenen 50 Jahren in der Innenstadt entstanden ist, hat diese Ausmaße. Kein Bauprojekt von der Größe, in so exponierter Lage und von solcher Bedeutung für die Stadtentwicklung hat in so kurzer Zeit den Marsch durch die städtischen Institutionen geschafft und die Baureife erlangt.

Überhaupt aber hält Karlsruhes „Stadteingang Süd“ schon lange einen Rekord: Ein Vierteljahrhundert war die Brache hinter dem Hauptbahnhof Bauerwartungsland – und dann hat’s zoom gemacht zwischen Dommermuth und der Stadtverwaltung.

„Wir sind sehr zufrieden. Das Bauunternehmen arbeitet sehr sauber und ordentlich“, sagt Rainer Dommermuth, Chef von S.K.E.T. Gesellschaft für Immobilienmanagement, ein Tochterbetrieb der Dommermuth-Gruppe.

Schon beginne man mit dem Anbringen der Unterkonstruktion für die Fassadenteile. „Das sind sehr anspruchsvolle Elemente, die bei Graz in Österreich gefertigt werden“, berichtet Dommermuth. Mit gläsernen Fronten soll der Bürohauskomplex zu einer transparenten Erscheinung am Südeingang werden.

Auch ganz im Westen – beim historischen Kesselhaus mit den zwei erhaltenen Wohnhäusern, wo 25 Jahre die Künstlerkolonie heimisch war – wird jetzt gebaut. Die Grube ist ausgehoben. Die Bodenplatte wird gegossen. Über einer Tiefgarage entsteht ein viergeschossiges Schulungsgebäude von 1&1.

Über einen Platz am Kesselhaus erreichen die 1 500 Angestellten von 1&1 Karlsruhe sowie vom Großmieter DB Service aus den Büroriegeln ihre Kantine. Dazu wird bald das denkmalgeschützte Heizwerk des Hauptbahnhofs umgestaltet.

 

Das Rekordtempo habe allerdings auch seinen Preis, meinen Kritiker. So habe der von OB Frank Mentrup und der Stadtpolitik gebilligte Verzicht auf einen Architektenwettbewerb eben auch Nachteile. Nicht nur mancher Architekt meint, diese exponierte Stelle habe Karlsruhe sich nicht so einfach verbauen lassen dürfen. Zudem moniert auch der neue Baubürgermeister Daniel Fluhrer das Fehlen von Läden und Restaurants im Erdgeschoss der Büroriegel. Damit sei eine Belebung des Bahnhofsplätzchens verschenkt.