Carsharing-Kunden halten sich gerade sehr zurück – aus Angst vor Ansteckung oder weil sie nicht mehr so viel Auto fahren müssen. Für das Karlsruher Unternehmen Stadtmobil ist das ein Problem.
Carsharing-Kunden halten sich gerade sehr zurück – aus Angst vor Ansteckung oder weil sie nicht mehr so viel Auto fahren müssen. Für das Karlsruher Unternehmen Stadtmobil ist das ein Problem. | Foto: Artis

Folge des Coronavirus

Buchungseinbruch beim Carsharing trifft Karlsruher Anbieter Stadtmobil besonders hart

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Weite Teile des öffentlichen Lebens stehen wegen der Coronavirus-Pandemie still. Wer zu Hause bleiben kann, bleibt zu Hause. Das trifft auch eine Branche besonders hart, die bislang im Aufwind war: die Carsharing-Anbieter. Besonders stark ist das Karlsruher Unternehmen Stadtmobil betroffen.

Carsharing-Autos werden derzeit kaum mehr nachgefragt. Nicht nur, weil der Mobilitätsbedarf zwangsläufig stark zurückgegangen ist, sondern auch, weil potenzielle Kunden aus Angst vor einer Ansteckung die gemeinsam mit anderen genutzten Autos meiden.

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„Einige Unternehmen berichten von Einbrüchen von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilweise mehr“, sagt eine Sprecherin des Bundesverbands Carsharing. Aufgrund der geltenden Ausgangsbeschränkungen gingen die Buchungen zurzeit deutlich zurück. Einige Anbieter befürchteten deshalb, Insolvenz anmelden zu müssen, sollten die Beschränkungen über den April hinaus weiter bestehen. „Es könnte also so kommen, dass das Carsharing-Angebot nach der Corona-Krise in Deutschland deutlich verkleinert sein wird.“

Karlsruhe ist die Carsharing-Hauptstadt

Der Trend zum Autoteilen ist in Karlsruhe bislang besonders stark ausgeprägt. In keiner anderen deutschen Stadt gibt es so viele Carsharing-Fahrzeuge pro Einwohner. Das liegt vor allem daran, dass der Anbieter Stadtmobil sehr früh professionelle Strukturen aufgebaut und sein Angebot kontinuierlich ausgeweitet hat.

Doch jetzt, in der Corona-Krise, trifft der Nachfragerückgang gerade den Branchenprimus besonders hart.
„Wir haben derzeit nur noch etwa 30 Prozent der Auslastung, wie wir sie vor der Krise hatten“, sagt Stadtmobil-Chef Gunnar Petersohn. Das ist ein Buchungsrückgang von 70 Prozent.

Damit liegt das Karlsruher Unternehmen deutlich über dem Branchenschnitt. Das Problem sei nicht nur, dass die Stadtmobil-Kunden auf Fahrten im Alltag verzichten, so Petersohn. „Wirklich schlimm für uns ist, dass die Urlaubsfahrten wegbrechen.“ Für die Ostferien seien praktische alle Langzeitbuchungen storniert worden. Wenn die derzeitigen Reiseeinschränkungen auch noch in den Pfingstferien oder gar in den Sommerferien gelten, werde es eng.

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Stadtmobil-Kunden zahlen einen geringen monatlichen Mitgliedsbeitrag, einzelne Fahrten werden dann nach Stunden und gefahrenen Kilometern abgerechnet. Das bedeutet: Wenn weniger gefahren wird, gehen auch die Umsätze zurück. „In der Feriensaison haben wir normalerweise viele Buchungen über längere Zeiträume und mit überdurchschnittlich vielen Kilometern“, erklärt Geschäftsführer Petersohn. „Darauf richten wir unsere Kapazität aus, kaufen rechtzeitig neue Autos, vor allem Kombis und Neun-Sitzer-Busse.“ Nun werden sie nicht gebraucht.

Stadtmobil setzt auf Kurzarbeit

Die Flotte kurzfristig zu verkleinern sei nicht möglich, sagt der Stadtmobil-Chef. „Kein Mensch kauft gerade Autos. Der Markt ist zusammengebrochen. Auch die Zwischenhändler, an die wir unsere Autos normalerweise verkaufen, wollen sich nichts auf den Hof stellen.“

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Um Kosten zu senken, bleibt daher noch die Kurzarbeit. Alle 30 Stadtmobil-Mitarbeiter werden nur noch die Hälfte arbeiten, kündigt Petersohn an. Ein Teil des fehlenden Gehalts soll dann die Arbeitsagentur übernehmen.

Mit einem kräftigen Rabatt versucht Stadtmobil zudem, doch noch ein paar Kunden zum Autofahren zu bewegen. Für Langzeitbuchungen ab sieben Tagen wird der Zeittarif halbiert. Ein Opel Corsa kostet derzeit für eine Woche statt 122 Euro nur noch 61 Euro. Der Kilometerpreis bleibt bei 20 Cent und 14 Cent ab dem 101. Kilometer, inklusive Kraftstoff.

Carsharing-Auto als Alternative zu Bus und Bahn

„Wir sehen, dass die Busse und Bahnen leer sind, aber einige Menschen müssen ja doch noch zur Arbeit“, erklärt Petersohn die Idee hinter dem Angebot. Für diese Kunden könnte das „eigene Auto“ eine Alternative sein. Die Grundidee des Carsharings, dass sich möglichst viele Menschen verschiedene Fahrzeuge miteinander teilen, findet in Coronavirus-Zeiten offenbar keinen Anklang mehr. 120 solcher wochenweisen Buchungen gibt es bislang. Aber gemessen an den 18.000 Kunden, die Stadtmobil Karlsruhe hat, ist das nicht viel.

Dabei sei die Ansteckungsgefahr in den Stadtmobil-Autos derzeit äußerst gering, versichert der Geschäftsführer. „Die Fahrzeuge sind gereinigt und desinfiziert, jetzt stehen sie ungenutzt herum.“

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