BEIM HÖHEREN KREDITBEDARF in Folge des Coronavirus werden die in der Region tätigen Banken und Sparkassen schon bald gefragt sein. Sie setzen auch auf die L-Bank und auf die Bürgschaftsbank, um den Unternehmenskunden zu helfen. | Foto: dpa

Es geht um flüssige Mittel

Coronavirus: Die ersten Firmen melden sich hilfesuchend bei den Banken

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Es ist die Ruhe vor dem Sturm, den Sparkassen und Banken in der Region wegen des Coronavirus erwarten. Noch halte sich der zusätzliche Liquiditätsbedarf von Firmen- und Gewerbekunden in Grenzen, stellen die von den BNN befragten Kreditinstitute fest. „Aktuell sehen wir in Deutschland und speziell in der Region bei unseren Kunden noch keinen größeren Handlungsbedarf“, teilt ein Sprecher der Deutschen Bank mit. Gemeinsam mit den Unternehmenskunden beobachte man die Situation sehr genau.

Die Unternehmen suchen laut Herbert Oberle, Niederlassungsleiter der Commerzbank Mittelstandsbank Karlsruhe, derzeit verstärkt den Kontakt. „Aber die Gespräche sind häufig reine Vorsichtsmaßnahmen mit dem Ziel zu erfahren, ,was wäre wenn’.“ Erst in den kommenden Wochen rechne er mit stärker sichtbaren Auswirkungen, weil Lieferketten unterbrochen werden.

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In der Region seien besonders die Branchen Automotive und Maschinenbau betroffen, die auch ohne Corona herausgefordert wären. Oberle nennt aber auch das Gastgewerbe, Kunst, Unterhaltung und weitere Dienstleister. Bei der Unterstützung sei ein Mix aus Eigenfinanzierung durch die Gesellschafter der Unternehmen und durch Fremdfinanzierung denkbar.

Gut ausgestattete Kreditlinien helfen Unternehmen bei Coronavirus-Folgen

Hans Rudolf Zeisl nennt neben Hotellerie, Gastronomie und Kongresswirtschaft unter anderem Einzelhandel und Handwerk als betroffene Branchen. Der neue Chef der Volksbank Baden-Baden Rastatt sagt, man registriere aktuell noch keine vermehrten Anfragen von Interessenten. „Dies liegt nicht zuletzt daran, dass wir in der Vergangenheit gut ausgestattete Kreditlinien mit unseren mittelständischen Kunden vereinbart haben.“ Diese würden bisher nur zu einem geringen Teil ausgeschöpft.

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Von aktuell relativ wenigen Anfragen der Unternehmenskunden spricht Thomas Nusche, Pressesprecher der Volksbank Karlsruhe. Er nennt so das Übernachtungs- und Gastgewerbe, vor allem wegen der Absage von Veranstaltungen wie Messen. Auch Gewerbekunden mit engen Handelsbeziehungen zu China hätten sich bei der Bank gemeldet.

Teilweise wird Kurzarbeit bereits genutzt

Die Liquidität vieler Unternehmenskunden sei gut. „Rückläufige Auftragseingänge und zurückgehende Absätze können damit eine Zeitlang überbrückt werden“, sagt Marc Sesemann, Vorstandsmitglied der Sparkasse Karlsruhe. Maßnahmen zur Kostenreduzierung würden branchenübergreifend überprüft. „Teilweise wird Kurzarbeit bereits genutzt.“ Dort, wo aus eigener Kraft nicht ausreichend gegengesteuert werden kann, gelte es mit der Sparkasse als Hausbank Lösungen zu finden. Er sei sich sicher, „dass dies in den meisten Fällen gelingen wird“.

Hans Neuweiler, stellvertretender Vorstandschef der Sparkasse Pforzheim Calw, weist auf Maßnahmen wie Tilgungsstundung und -aussetzung, Zusatzkredite oder die einschlägigen Liquiditätsprogramme der staatseigenen L-Bank hin. „Ferner werden Gespräche mit der Bürgschaftsbank geführt.“ Betroffen seien vor allen Tourismus, Hotellerie, Gastgewerbe, Reisegewerbe, Messebau und Transportgewerbe.

L-Bank verweist auf gute Erfahrungen während der Finanzkrise

„Mit dem von der L-Bank zur Verfügung gestellten breiten Angebot für Betriebsmittel-, Liquiditäts- und Überbrückungsfinanzierungen wird den Südwest-Unternehmen auch in Zeiten eines schwierigeren wirtschaftlichen Umfelds ausreichend Liquidität zur Verfügung gestellt.“ Dies gelte gerade auch bei Corona-bedingten wirtschaftlichen Einbrüchen, so Ulrich Theileis, stellvertretender Vorstandschef der L-Bank (Karlsruhe). Der Liquiditätskredit habe sich bereits in der Finanzmarktkrise bewährt.

Falls eine Hausbank wegen fehlender Sicherheiten nicht in der Lage ist, einem Unternehmen einen Liquiditätskredit zur Überbrückung zu gewähren, könnten Bürgschaftsbank oder L-Bank bis zu 50 Prozent des Risikos abnehmen.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut sagt, sie wolle, dass die Förderbanken noch flexibler und mit noch mehr Geld agieren könnten. Sie werde darüber mit dem Finanzministerium sprechen.

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