Vor allem nach jedem Husten oder Niesen auf die Hand ist Händewaschen angesagt. | Foto: dpa

Experte zur Ansteckungsgefahr

Wie man in Zeiten von Influenza und Coronavirus richtig die Hände wäscht

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Sollten wir unsere Hygiene angesichts des Coronavirus und der in Deutschland drohenden Influenza verstärken? Und wie waschen wir eigentlich richtig Hände? Ein Experte für Krankenhaushygiene beantwortet die wichtigsten Fragen.

Noch gibt es einige Unklarheiten über das Coronavirus. Generell können sich Menschen aber vor Infektionskrankheiten gezielt schützen, sagt Eberhard Kniehl (65). Der Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene im Städtischen Klinikum Karlsruhe spricht mit Redakteur Sebastian Raviol darüber, wie Hygiene im Alltag aussehen sollte und wann öffentliche Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Karlsruhe nötig wären.

Wie viel Hygiene im Alltag ist denn angesagt?

Kniehl: Hände waschen nach jeder kontaminierenden Tätigkeit ist wichtig – also nach dem Toilettengang, dem Schnäuzen oder Husten in die Hand. Da ist Händewaschen der richtige Weg. Ansonsten sollte man sich noch vor dem Anhusten schützen.

Sollte man diese Maßnahmen derzeit verstärken?

Kniehl: Wir lernen ein Virus kennen, das vorerst in der Region Wuhan und angrenzenden Regionen Chinas verbreitet ist. Wir müssen aber hier bei uns auch mit der Influenza rechnen. Diese Gefährdung ist in Deutschland derzeit real, während die Gefährdung durch das Coronavirus noch hypothetisch ist. Eine Verhaltensänderung ist deshalb noch nicht nötig. Man sollte aber generell nicht in die Hände niesen oder husten, sondern in den Oberarm und man sollte Hände waschen.

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Waschen wir unsere Hände richtig und ausreichend?

Kniehl: Die Anlässe zum Händewaschen werden nur zu einem gewissen Prozentsatz wahrgenommen, das kann besser werden. Man muss nicht alle fünf Minuten ohne Anlass Hände waschen. Aber nach den kontaminierenden Tätigkeiten sollte man es verlässlich machen. Oft ist beim Händewaschen auch nur die Handfläche gemeint, dabei berühren wir mit den Fingern und vor allem mit dem Daumen die Dinge.

Experten sagen, man solle mindestens 15 Sekunden lang Hände waschen.

Kniehl: Das ist sinnvoll. Wenn man die Seife verteilt, mit Wasser vermischt und wieder abwäscht, sind schnell 15 Sekunden vorbei.

Für Hygiene im Städtischen Klinikum ist Eberhard Kniehl zuständig. | Foto: Dehm

Handelt es sich beim Coronavirus um eine Schmier- oder Tröpfcheninfektion?

Kniehl: Experten gehen im Moment von einer Übertragung über Aerosole, also Tröpfchen, aus. Das ist der übliche Übetragungsweg. Ich kann also angesteckt werden, wenn jemand anders Tröpfchen ausstößt und ich sie einatme. Als gefährliche Distanz gelten dabei bis zu zwei Meter.

In China wird stellenweise der U-Bahn-Betrieb eingestellt, größere Versammlungen werden abgesagt. Wo besteht die größte Ansteckungsgefahr?

Kniehl: Gibt es einen engen Kontakt mit anderen Menschen, kann die Übertragung erfolgreich sein. Daher sind die Maßnahmen für chinesische Verhältnisse sinnvoll. Für den Karlsruher Straßenbahnverkehr wäre es derzeit Nonsens, auch wenn wir den ersten Fall hätten. Eine andere Situation hätten wir erst, wenn es mehrere Karlsruher Fälle gäbe, bei denen die Quelle nicht auf China zurückzuführen ist.

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Die Chinesen setzen auch beim Coronavirus verstärkt auf den Mundschutz. Wie effektiv ist diese Maßnahme?

Kniehl: In Ost-Asien ist das Tragen eines Mundschutzes üblich, hier bei uns eher nicht. Zum einen ist es sinnvoll, dass Betroffene den Mundschutz tragen, um andere Menschen nicht anzustecken. Für nicht Betroffene hat der Mundschutz einen hochpräventiven Effekt. Er bietet die Möglichkeit, dass Tröpfchen ferngehalten werden.

Es heißt aber auch, der Mundschutz schaffe eine Schein-Sicherheit.

Kniehl: Wenn er regelmäßig gewechselt wird und dicht sitzt, gibt es keine Möglichkeit, dass Tröpfchen in die Atemwege gelangen. Man darf aber dennoch das Händewaschen natürlich nicht vergessen.

Müssen ältere Menschen aufgrund der Virus-Gefahr besonders auf ihre Hygiene achten?

Kniehl: Es ist die grundsätzliche Erfahrung, dass ältere Menschen aufgrund ihres schwächeren Immunsystems anfälliger sind. Für sie gelten die präventiven Maßnahmen also im Besonderen.