Friedlich protestieren - das wollten die Gelbwesten nach eigenen Angaben in der City. Linke und rechte Gruppen riefen jedoch immer wieder Parolen dazwischen. | Foto: Sandbiller

Nach Demo in Karlsruhe

Gelbwesten wollen weitermachen

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Am Ende ist Pascal Völlinger nicht zufrieden. „Ich hab’s mir anders vorgestellt“, sagt der Initiator der ersten Gelbwesten-Demonstration in Karlsruhe. Nach französischem Vorbild ziehen am Samstagnachmittag rund 170 Teilnehmer vom Marktplatz durch die Innenstadt bis zur Reinhold-Frank-Straße.

In den Demonstrationszug mischen sich jedoch auch Gruppen, die dem linken und dem rechten politischen Spektrum zuzuordnen sind. Die Demonstration verläuft weitestgehend friedlich, dennoch spricht die Polizei über ein Dutzend Platzverweise aus.

Kernforderung: Soziale Gerechtigkeit

Die Gelbwesten in der Region wollen sich keinem politischen Lager zuordnen lassen. Sie prangern eine Entfremdung der Politik von den Bürgern an. Ihre Kernforderungen sind laut Völlinger soziale Gerechtigkeit, erschwinglicher Wohnraum, bessere Bildungsmöglichkeiten, kostenlose Kitas und Hilfen für Obdachlose. Außerdem richten sie sich gegen Fahrverbote und ein Tempolimit.

Dass nun die Karlsruher Demo von Mitgliedern der linken und rechten Szene für entsprechende Parolen genutzt wurde, bedauert Völlinger. „Da haben sich zu viele extreme Positionen untergemischt“, sagt der Versammlungsleiter. Und: „Das war so nicht geplant.“ Weitere Kundgebungen solle es aber trotzdem geben: „Wir werden unsere Erfahrungen in die zukünftigen Planungen miteinfließen lassen.“

Gespaltene Lager von links bis rechts

„Der Versammlungsleiter wollte ein reines Mitte-Bündnis“, sagt Polizeiführer Lutz Schönthal. „Das ist ihm nicht gelungen.“ Bei der Demo seien „sehr gespaltene Lager von links bis rechts“ aufeinandergetroffen. Zwar sei es nicht zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen, große Spannungen seien aber spürbar gewesen. Der Ausschluss von insgesamt 13 Mitgliedern des linken Spektrums sei eine Präventivmaßnahme gewesen und auf Wunsch des Versammlungsleiters erfolgt.

Norbert Göbelsmann, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Offenburg, ist auch bei der Demo. Er sieht besonders die Anhänger aus der rechten Szene kritisch. Es gebe Anlass, zu überprüfen, „ob es sich bei den Kundgebungen um einen authentischen Versuch handelt, einen den französischen Gelben Westen ähnlichen Protest zu initiieren“, so Göbelsmann. „Oder ob nicht einfach das Label für ganz andere Ziele genutzt werden soll.“

Das bringt uns in Verruf

Eine der Gelbwesten ist Ines. Sie ärgert sich über die politischen Gruppen, die den eigentlich friedlichen Marsch als Bühne nutzen. „Das bringt uns in Verruf“, sagt sie. Und: „Das ist hier ein völliger Irrsinn, die Gruppen gehen gegeneinander los.“ Neben ihr läuft Martina – ebenfalls in gelber Weste. „Man muss sich in der Mitte finden, nicht links, nicht rechts“, sagt sie.

Extra aus Stuttgart angereist ist derweil Vanessa. „Der Ansatz der Demo war gut“, findet sie. Dann sei alles irgendwie aus dem Ruder gelaufen. Über die Rufe der rechten und linken Gruppen ärgert sich Vanessa, der es primär darum geht, „gegen Ausbeutung aller Art“ ein Zeichen zu setzen. Vanessa, die selbst einen pflegerischen Besuch ausübt, wünscht sich „mehr Personal in der Pflege“. Gleichzeitig ist sie „für ein gemeinsames Europa“. Auch ist ihrer Ansicht nach der Mindestlohn zu niedrig.

Wir lehnen Gewalt ab

„Wir wollen keine Zustände wie in Frankreich“, stellt Pascal Völlinger klar. Dort kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. „Wir lehnen Gewalt ab und wollen nur friedlich demonstrieren“, betont Völlinger. Sein Wunsch ist es, „dass die Politik reagiert und zumindest Teile unserer Forderungen mit ins Programm nimmt“.