Am Sonntag geht der Grötzinger Narrensprung über die Bühne
Am Sonntag geht der Grötzinger Narrensprung über die Bühne | Foto: jodo

Fastnacht in Karlsruhe

Grötzinger Narrensprung: Noten-Chaoten sollen die einzigen Chaoten bleiben

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Etwa 10.000 Besucher erwartet die Grötzinger Hottscheck-Narrenzunft bei ihrem Umzug. Am Sonntag, 9. Februar, sorgen ab 11.11 Uhr Rathaussturm, Narrengericht und 66 Fußgruppen mit 2.500 Aktiven für Kurzweil. Außerdem sollen sich Polizei und Jugendschutzteams präventiv um alkoholisierte Störer kümmern.

Der Blick auf die Wettervorhersage gehört bei Uwe Herbold in der Woche vor dem Grötzinger Narrensprung zu einem seiner täglichen Rituale. Bislang stimmen die Prognosen der meisten Wetterdienste den Zunftmeister der Hottscheck-Narrenzunft Grötzingen durchaus optimistisch.

Zu kalt wird es am Sonntag wohl auf keinen Fall werden und mit etwas Glück machen auch Regen und Wind einen weiten Bogen um das Malerdorf. „Wenn das Wetter mitspielt, werden wir einen tollen Tag haben“, sagt Herbold.

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Um 14.11 Uhr beginnt der Fastnachtsumzug durchs Malerdorf

Alles andere haben die Hottscheck-Hexen bereits seit Wochen vorbereitet. Der offizielle Startschuss für den närrischen Tag fällt um 11.11 Uhr mit dem traditionellen Rathaussturm. Ab 12.11 Uhr muss sich mit Thomas Munz der Chef des Mundarttheaters „Badisch Bühn´“ vor dem Narrengericht um den schelmischen Oberrichter Thomas Tritsch verantworten. Um 14.11 Uhr startet der Narrensprung, ein Umzug mit 66 Fußgruppen mit 2.500 Aktiven aus dem ganzen Südwesten.

Dass die Hästräger dabei Schabernack mit den Besuchern am Straßenrand treiben, gehört dabei ebenso zum Programm wie die schrill-schrägen Töne von Guggenmusikern wie den Grötzingen Noten-Chaoten „Es ist ein Umzug für die ganze Familie“, sagt Herbold, der mit bis zu 10.000 Besuchern rechnet.

Polizei und Jugendschutzteams im Einsatz

Damit der Umzug von der Krumme Straße über Oberviertel, Friedrichstraße und Laubplatz in die Niddastraße möglichst reibungslos verläuft, setzen die Organisatoren einmal mehr auf die präventive Arbeit der Polizei sowie von Jugendschutzteams vor Ort.

Außerdem gibt es an sämtlichen Zugangsstraßen zur Umzugsstrecke Tische, an denen für einen freiwilligen Obolus Buttons zur Unterstützung der Grötzinger Fastnachter verkauft werden.

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„Betrunkene Chaoten wollen wir nicht haben“

An diesen Tischen können die freiwilligen Helfer auch stark alkoholisierte Jugendlichen in die Obhut der Jugendschutzteams übergeben.

„Dadurch können wir zumindest den reibungslosen Ablauf des Umzugs sicherstellen. Denn betrunkene Chaoten wollen wir bei unserer Veranstaltung nicht dabei haben“, stellt Herbold klar. Dass die steigende Anzahl von alkoholisierten Störern den Veranstaltern von Fastnachtsumzügen seit Jahren zu schaffen macht, weiß Herbold aus eigener leidvoller Erfahrung.

Wegen der regelmäßigen Krawalle an der Umzugsstrecke haben die Hottscheck-Hexen vor sechs Jahren bereits den Nachtumzug aus dem Veranstaltungskalender gestrichen und dafür den Narrensprung aus der Taufe gehoben. „Der frühe Beginn am Sonntagvormittag ist familienfreundlich und schreckt dazu noch viele potenzielle Störer ab“, sagt Herbold. „Aber noch immer trübt das geballte Auftreten von betrunkenen Jugendlichen das schöne Bild eines bunten Umzugs.“

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Öffentlicher Nahverkehr wird Fastnachter zum Nachteil

Ganz in den Griff bekommen kann man das Problem-Klientel selbst durch eine verstärkte Präsenz der Jugendschutzteams oder eine Ausweitung von Alkoholverboten an den Umzugsstrecken nicht.

Der Grund: Gerade bei Fastnachtsumzügen kommen Jugendliche regelmäßig bereits stark alkoholisiert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln am Umzugsort an. Getrunken wird bereits bei der Anreise mit der Bahn. Besonders beliebt sind Mischungen aus hochprozentigem Alkohol und gezuckerten Limonaden.

Für Herbold wird der gut ausgebaute öffentliche Nahverkehr rund um die Fächerstadt in diesem Fall sogar zum Nachteil. „In einigen Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht kennt man solche Probleme nur vom Hörensagen“, erzählt der Grötzinger Zunftmeister. Eine beschwerliche Fahrt in ein Schwarzwalddorf sei trinkfreudigen Tumult-Touristen offenbar zu anstrengend.