Karlsruher Müllabfuhr bei der Arbeit
Karlsruher Müllabfuhr bei der Arbeit | Foto: jodo

Verwaltung plant Infokampagne

Hohe Fehlwurfquote: In den Karlsruher Wertstofftonnen landen nur 30 Prozent Wertstoffe

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Die Mülltrennung in Karlsruhe lässt zu wünschen übrig. Deshalb will die Stadtverwaltung die Bürger nun mit einer Informationskampagne für das Thema sensibilisieren. Auch über ein Bonus-Malus-System wird bereits nachgedacht.

19.541 Tonnen Müll wurden von der Stadt Karlsruhe im vergangenen Jahr in den Wertstofftonnen mit dem roten Deckel gesammelt. Sortiert wurde der Abfall vom Entsorgungsunternehmen Alba im Rheinhafen. Und wer einen Blick auf die Wertstoff-Analyse für das Jahr 2019 wirft, erkennt schnell, dass es um die Mülltrennung in der Fächerstadt nicht zum Besten bestellt ist.

Viel Altpapier und Restmüll

In den Wertstofftonnen befanden sich nämlich 10.263 Tonnen Restmüll, Textilien und Gartenfälle sowie 3.223 Tonnen Altpapier. Das bedeutet: Über 69 Prozent des Mülls hatte in der Wertstofftonne eigentlich gar nichts zu suchen. Für Altpapier gibt es schließlich die Altpapiertonnen von der Stadt und der Firma Kühl sowie die Vereinssammlungen. Gartenabfälle gehören in die Grüncontainer oder die Biotonne und kaputte Klamotten und Windeln in den Restmüll.

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Schlechte Mülltrennung ist teuer

„Die Mülltrennung durch die Bürger muss künftig besser werden“, sagt Bürgermeisterin Bettina Lisbach. Schließlich seien Fehlwürfe in den einzelnen Mülltonnen immer mit Kosten für die Abfallentsorgung verbunden. Auch beim Biomüll lässt die Sortierqualität laut dem Amt für Abfallwirtschaft (AfA) zu wünschen übrig.

Seit Ende des vergangenen Jahres darf zwar auch Grünschnitt in die Tonnen mit den grünen Deckeln geworfen werden. Plastiktüten müssen vor der Entsorgung jedoch wieder aus dem Biomüll entfernt werden.

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Informationskampagne geplant

Mit welchen Mitteln die Stadtverwaltung die Bürger für die Wichtigkeit eines funktionierenden Trennsystems sensibilisieren will, steht laut Lisbach und AfA-Leiter Olaf Backhaus aber noch nicht endgültig fest. „Zunächst einmal wollen wir mit einer Informationskampagne die Vorteile der Mülltrennung aufzeigen“, sagt Lisbach. Schließlich sei die Trennung des Hausmülls aus ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten überaus sinnvoll.

Müllentsorgung ist Zuschussgeschäft

Für die Stadt ist die Müllentsorgung ein Zuschussgeschäft. Das verdeutlichen die Zahlen von 2018. Da wurden etwa 33.000 Tonnen Restmüll für 125 Euro pro Tonne in die Müllverbrennungsanlage nach Mannheim gebracht. Für die Entsorgung von 14.000 Tonnen Biomüll in den beiden Anlagen in Flörsheim und Westheim muss die Stadt 70 Euro pro Tonne bezahlen.

Dieser Betrag wäre natürlich deutlich geringer, wenn nicht so viel Restmüll und Papier in den Tonnen landen würde.

Bürgermeisterin Bettina Lisbach

Für Sortierung und Weiterverarbeitung der Abfälle aus den Wertstofftonnen werden an Alba 2,5 Millionen Euro pro Jahr überwiesen. „Dieser Betrag wäre natürlich deutlich geringer, wenn nicht so viel Restmüll und Papier in den Tonnen landen würde“, so Lisbach.

Mit der Verwertung von rund 9.000 Tonnen Altpapier verdiente die Stadt sogar ein bisschen Geld, nämlich zwischen 93 und 68 Euro pro Tonne. „Das deckt ungefähr die Kosten für die Sammlung“, sagt Backhaus. Das über die Wertstofftonne entsorgte Altpapier sei dagegen meistens zu feucht und könne deshalb nicht mehr weiterverwertet werden.

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Pilotprojekt „Trenndiät“ brachte erste Erkenntnisse

„Die mangelhafte Mülltrennung ist in vielen Großstädten ein echtes Problem“, betont Backhaus. Deshalb will er die hohe Quote an Fehlwürfen auch nicht überbewerten, sondern lieber nach gangbaren Wegen zur Verbesserung des Status quo suchen. Dabei hat der AfA-Chef vor allem große Wohnanlagen im Blick.

In Rintheim ging im vergangenen Jahr gemeinsam mit der städtischen Immobiliengesellschaft Volkswohnung bereits das Pilotprojekt „Trenndiät“ über die Bühne. Dabei wurden die Bewohner in einem mehrwöchigen Verfahren auf die Notwendigkeit einer sorgfältigen Mülltrennung hingewiesen. „Laut unseren ersten Auswertungen hat sich die Mülltrennung in dieser Anlage während der Pilotphase verbessert“, so Backhaus.
Gerade in großen Wohnanlagen herrscht nach Backhaus‘ Einschätzung immer wieder ein recht laxer Umgang mit dem Müll. „Wenn eine Tonne voll ist, werfen manche Leute ihren Restmüll eben in eine andere Tonne“, sagt Backhaus.

Um sämtliche Bewohner eines Wohnblocks zu erreichen, müsse das Amt deshalb mit den Wohnungsbaugesellschaften zusammenarbeiten.

Prozesssteuerung birgt Optimierungspotenzial

In naher Zukunft will Backhaus bei der Erfassung der Müllmengen und der Koordination der Abholtermine auch auf digitale Lösungen setzen. „Wenn wir unsere Prozesse optimieren, ist auch eine Reduzierung der Fehlwurfquoten möglich“, sagt Backhaus. Eine Abfallpolizei oder Strafen für Fehlwürfe werde es in Karlsruhe aber nicht geben. „Da fehlt uns die rechtliche Grundlage“, sagt Backhaus. Eher sollten Haushalte mit geringem Müllaufkommen und guter Mülltrennung einen Bonus erhalten.

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„Das oberste Ziel der Bürger sollte ohnehin die Vermeidung von Müll sein“, sagt Lisbach. Am aktuellen System mit den vier verschiedenen Tonnen werde auch in Zukunft nicht gerüttelt. Doch selbst wenn der Wertstoffmüll sauber sortiert ist, werden längst nicht alle Kunststoffabfälle recycelt. 60 Prozent der so genannten Leichtstoffverpackungen wurden 2018 noch in thermischen Verwertungsanlagen verbrannt. „Das fällt leider nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadt“, so Lisbach.

Für die Verwertung der Leichtverpackungen seien alleine die von den Betreibern der Dualen Systeme beauftragten Entsorgungsfirmen zuständig.